Predigt von Pfarrer Maximilian Pühringer zum heutigen Sonntag, 11.9. 2022

Predigt 24. So. Jkr., 11.9.2022
Perikopen: Ex 32,7-11.13-14 Lk 15,1-10
Liebe Brüder und Schwestern im gemeinsamen Glauben!
Es wird jeder von uns schon etwas verloren haben. Es ist eine unangenehme Erfahrung, wenn plötzlich der Haus- oder Autoschlüssel, das Handy, der Geldbeutel, ein Dokument, ein wichtiger Gegenstand nicht mehr da ist. Dann geht die Sucherei los und man kann sich ziemlich ärgern. Eine Suchaktion ist unangenehm. Sie kann anstrengend und langwierig sein. Sie ist mit quälenden Fragen verbunden, ,,wo habe ich denn dieses oder jenes zuletzt gehabt“. Immer wieder werden Schubladen durchsucht und alles umgedreht. Kurzum, der Umgang mit Verlorenem ist anstrengend. Man würde ihn sicher gerne vermeiden. Am Beginn des heutigen Evangeliums ist Jesus auch mit Verlorenem konfrontiert, noch dazu mit ,,verlorenen Menschen“. Er steht zwischen den Zöllnern und Sündern und den Schriftgelehrten und Pharisäern, die ihrer Meinung nach eher die Geretteten sind. Die Schriftgelehrten und Pharisäer sind empört über seinen Umgang mit den Sündern. In ihren Augen macht sich Jesus unrein, wenn er mit ihnen Tischgemeinschaft pflegt. Doch was tut Jesus? Er erzählt die Geschichte vom verlorenen Schaf und der verlorenen Drachme. In diesen beiden Erzählungen finden sich drei Aspekte für den Umgang mit uns selbst, wenn Wichtiges unseres Lebens oder Glaubens abhandengekommen ist. Erstens: Ein Aspekt ist der Verlust selber. Man könnte beim verlorenen Schaf sagen: „Ein bisschen Verlust hat man immer. Das ist nicht so schlimm, wenn bei hundert Schafen das eine, also doch nur ein Prozent draufgeht.“ Jesus hat einen anderen Zugang. Er stellt uns die Frage, ,,ob wir denn die neunundneunzig in der Steppe lassen würden, um dem einen nachzugehen, es zu suchen und es voll Freude auf den Schultern nach Hause zu bringen?“ Vielleicht würde ich persönlich die Frage eher mit einem Nein beantworten. Aber wir können im Leben viel verlieren, nicht nur Gegenstände, sondern die Geduld, das Vertrauen, das innere Gleichgewicht, die Freude, die Hoffnung oder eine bestimmte Haltung oder Fähigkeit. Sollten wir nicht wirklich bereit sein, die Verluste unseres Lebens und Glaubens, auch wenn es nur kleine sind, anzuschauen, und weiter zu fragen, ob sie nicht einen größeren Verlust ergeben können, der mir mit der Zeit die Qualität des Lebens einschränkt? Ein Schaf weniger, Ok, aber wenn ein zweites fehlt und ein drittes und so weiter. Und wenn der Hirte zum Schluss überhaupt kein Schaf mehr hat, ist er den Beruf los. Dann fehlt ihm die Lebensgrundlage. Wie stehe ich zu den Verlusten meines Lebens? Eher gleichgültig, wenn meine Beziehung zu Gott und den Menschen weniger wird? Zweitens: Oder kann mir der weitere Aspekt der Geschichte weiterhelfen, die leidenschaftliche Suche. Ein suchender Mensch sein ist gut, weil es weiter bringt. Davon habe ich am Fest des heiligen Augustinus gesprochen, vom unruhig suchenden Herz. Aber es bleibt die Frage wie ich suche? Grantig, müde, weil mir nichts anderes übrig bleibt, weil ich mich daran gewöhnt habe, oder doch im Sinn Jesu: ,,Suche leidenschaftlich! Suche das eine Schaf, weil es dir wichtig ist! Suche die Drachme unermüdlich! Suche deinen guten Lebens- und Glaubensweg.“ Es geht um die Leidenschaft für alles, was ich tue. Gott hat Leidenschaft für uns Menschen. Er sucht uns mit der ganzen Leidenschaft seines Gottseins. Auch ich kann mich auf die Suche begeben, alles Sonstige liegen und stehen lassen, um unermüdlich so lange zu suchen, bis ich es endlich wieder gefunden habe. Manchmal habe ich den Eindruck, dass vielen Menschen heute die tiefe und echte Leidenschaft abhandengekommen ist. Suchen wir darum stets neu die Leidenschaft für Gott und die Mitmenschen, für mich selbst, mein Leben, meine Welt und unsere Welt, mit allen Dingen, die es in ihr gibt. Drittens: Und so zeigt uns Jesus am Ende des Evangeliums noch einen Aspekt. Er spricht hier ausdrücklich ,,von der Freude bei den Engeln Gottes über einen einzigen Sünder, der umkehrt.“ Warum lassen wir uns nicht stärker von dieser Engelsfreude einladen, anstecken und beflügeln im Umgang mit uns selbst und miteinander, mit unserem Verlieren, den Verlierern und Verlorenen? Gott freut sich, wenn wir im Verloren-Sein des Lebens und Glaubens immer wieder zurückfinden.
Liebe Brüder und Schwestern!
Verlust ist nicht angenehm. Er kann uns aber anregen leidenschaftlich zu suchen, und uns zu freuen, wenn Verlorenes wieder gefunden wird. Verlust, leidenschaftliche Suche und vor allem große Freude über das Wiederfinden. Nehmen wir diese Drei in unser Leben herein. Wir werden dadurch neu zum Sinn unsres Lebens finden, schon jetzt in diesem Leben, bis einmal hinein in das ewige Leben bei Gott. Amen.
Sonia Chrisye shares this
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Die Botschaft zum heutigen Sonntag, den 11.09. 22 von Pfarrer Pühringer aus Oberkappel in Oberösterreich 🇦🇹 bringt die Haltung des älteren Herrn aus der Geschichte
Mir gefällt es sehr gut!
auf den Punkt:
1. Wie gehe ich mit Verlusten um,
2. mit wieviel Leidenschaft suche ich nach dem Verlorenen,
3. mit wieviel Bereitschaft lasse ich mich von der Freude anstecken, die mich über das Wiedergefundene …More
Die Botschaft zum heutigen Sonntag, den 11.09. 22 von Pfarrer Pühringer aus Oberkappel in Oberösterreich 🇦🇹 bringt die Haltung des älteren Herrn aus der Geschichte
Mir gefällt es sehr gut!
auf den Punkt:

1. Wie gehe ich mit Verlusten um,
2. mit wieviel Leidenschaft suche ich nach dem Verlorenen,
3. mit wieviel Bereitschaft lasse ich mich von der Freude anstecken, die mich über das Wiedergefundene glücklich macht ?
In der Geschichte war es die Erkenntnis über den Glauben, den der ältere Herr sich bewahrt und in ihm gelebt hat. Das hat ihn glücklich gemacht . Und das wünschen wir uns sicher alle.
Sonia Chrisye
DIE SELIGPREISUNGEN
Seligpreisungen zeigen uns, was Jesus unter GLÜCK versteht. Es wird uns ein spiritueller Weg eröffnet, um Glück zu erfahren.
DIE SELIGPREISUNGEN SIND NEBEN DER HEILSZUSAGE EINE GLÜCKSZUSAGE
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