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Der kleine Prinz von Antoine de Saint-Exupéry(Hörbuch)

Jessi
101
Antoine de Saint-Exupéry lebte für das Fliegen und das Schreiben. Am 29. Juni 1900 wurde er im französischen Lyon geboren. Schon während seiner Schulzeit in einem Jesuiteninternat begann er seine …More
Antoine de Saint-Exupéry lebte für das Fliegen und das Schreiben. Am 29. Juni 1900 wurde er im französischen Lyon geboren. Schon während seiner Schulzeit in einem Jesuiteninternat begann er seine Pilotenausbildung; seinen Militärdienst leistete er in einem Fliegerregiment. "Der Flieger" hieß dann auch seine erste Novelle. Mit 35 Jahren musste Saint-Exupéry als Pilot in der ägyptischen Wüste notlanden und wurde erst Tage später gerettet - eine Szene, die sich in seinem Buch "Der kleine Prinz" wiederfindet. Im II. Weltkrieg emigrierte Saint-Exupéry nach der Besetzung Frankreichs in die USA. Als die Alliierten 1942 in Nordafrika landeten, schloss er sich der Armee des Generals de Gaulle an. Von einem Aufklärungsflug, den er am 31. Juli 1944 startete, kehrte er nicht zurück.
"Der kleine Prinz" erzählt die Geschichte eines Mannes, der mit seinem Flugzeug in der Sahara notlandet und dort zufällig dem kleinen Prinzen begegnet. "Zeichne mir ein Schaf", bittet ihn der Junge, und der Erzähler tut ihm den Gefallen. Er erfährt, dass der kleine Prinz vom Planeten B 612 stammt. Auf der Suche nach Freunden hat er viele Planeten besucht und ungewöhnliche Menschen getroffen, bevor er schließlich auf der Erde landete. Nun plagt ihn die Sehnsucht nach der geliebten Rose, die auf seinem Planeten wartet. Doch um nach Hause zurückkehren zu können, muss er seinen Körper zurücklassen, er wäre zu schwer. Und so lässt sich der kleine Prinz von einer giftigen Schlange beißen, fällt lautlos in den Sand - und ist am nächsten Tag verschwunden. —
Jessi
Die Vollkommenheit ist unerreichbar. Gewiß ist die Vollkommenheit unerreichbar. Sie hat nur den Sinn, deinen Weg wie ein Stern zu leiten. Sie ist Richtung und Streben auf etwas hin.
Antoine de Saint-Exupéry, Die Stadt in der Wüste
Jessi
Und wenn sich andere irren, weil sie deine Wahrheiten unter Berufung auf ihre eigenen Einsichten ablehnen, so sage dir, daß auch du ihre Wahrheiten ablehnst, wenn du unter Berufung auf deine eigenen Einsichten gegen sie zu Felde ziehst. Bejahe sie! Nimm sie an der Hand und führe sie! Sage ihnen: "Ihr habt recht, wir wollen indes den Berg ersteigen!". So stellst du die Ordnung wieder her, und …More
Und wenn sich andere irren, weil sie deine Wahrheiten unter Berufung auf ihre eigenen Einsichten ablehnen, so sage dir, daß auch du ihre Wahrheiten ablehnst, wenn du unter Berufung auf deine eigenen Einsichten gegen sie zu Felde ziehst. Bejahe sie! Nimm sie an der Hand und führe sie! Sage ihnen: "Ihr habt recht, wir wollen indes den Berg ersteigen!". So stellst du die Ordnung wieder her, und alle atmen die Weite, die sie erobert haben.
Antoine de Saint-Exupéry, Die Stadt in der Wüste
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Jessi
Zum Anhören!
Der Kleine Prinz
Antoine de Saint-Exupéry


Widmung

FÜR LÉON WERTH
Ich bitte die Kinder um Verzeihung, dass
ich dieses Buch einem Erwachsenen
widme. Ich habe eine ernstliche
Entschuldigung dafür: Dieser Erwachsene
ist der beste Freund, den ich in der Welt
habe. Ich habe noch eine Entschuldigung:
Dieser Erwachsene kann alles verstehen,
sogar die Bücher für Kinder. Ich habe …
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Zum Anhören!
Der Kleine Prinz
Antoine de Saint-Exupéry


Widmung

FÜR LÉON WERTH
Ich bitte die Kinder um Verzeihung, dass
ich dieses Buch einem Erwachsenen
widme. Ich habe eine ernstliche
Entschuldigung dafür: Dieser Erwachsene
ist der beste Freund, den ich in der Welt
habe. Ich habe noch eine Entschuldigung:
Dieser Erwachsene kann alles verstehen,
sogar die Bücher für Kinder. Ich habe eine
dritte Entschuldigung: Dieser Erwachsene
wohnt in Frankreich, wo er hungert und
friert. Er braucht sehr notwendig einen
Trost. Wenn alle diese Entschuldigungen
nicht ausreichen, so will ich dieses Buch
dem Kinde widmen, das dieser
Erwachsene einst war. Alle großen Leute
sind einmal Kinder gewesen (aber wenige
erinnern sich daran). Ich verbessere also
meine Widmung:
FÜR LÉON WERTH
als er noch ein Junge war

I
Als ich sechs Jahre alt war, sah ich einmal
in einem Buch über den Urwald, das
»Erlebte Geschichten« hieß, ein prächtiges
Bild. Es stellte eine Riesenschlange dar,
wie sie ein Wildtier verschlang. Hier ist eine
Kopie der Zeichnung.

In dem Buche hieß es: »Die Boas
verschlingen ihre Beute als Ganzes, ohne
sie zu zerbeißen. Daraufhin können sie sich
nicht mehr rühren und schlafen sechs
Monate, um zu verdauen.«
Ich habe damals viel über die Abenteuer
des Dschungels nachgedacht, und ich
vollendete mit einem Farbstift meine erste
Zeichnung. Meine Zeichnung Nr. 1. So sah
sie aus:

Ich habe den großen Leuten mein
Meisterwerk gezeigt und sie gefragt, ob
ihnen meine Zeichnung nicht Angst mache.
Sie haben geantwortet: »Warum sollen
wir vor einem Hut Angst haben?«
Meine Zeichnung stellte aber keinen Hut
dar. Sie stellte eine Riesenschlange dar,
die einen Elefanten verdaut. Ich habe dann
das Innere der Boa gezeichnet, um es den
großen Leuten deutlich zu machen. Sie
brauchen ja immer Erklärungen. Hier meine
Zeichnung Nr. 2:

Die großen Leute haben mir geraten, mit
den Zeichnungen von offenen oder
geschlossenen Riesenschlangen aufzuhören
und mich mehr für Geographie,
Geschichte, Rechnen und Grammatik zu
interessieren. So kam es daß ich eine
großartige Laufbahn, die eines Malers
nämlich, bereits im Alter von sechs Jahren
aufgab. Der Mißerfolg meiner Zeichnungen
Nr. 1 und Nr. 2 hatte mir den Mut
genommen. Die großen Leute verstehen nie
etwas von selbst, und für die Kinder ist es
zu anstrengend, ihnen immer und immer
wieder erklären zu müssen.
Ich war also gezwungen, einen anderen
Beruf zu wählen, und lernte fliegen. Ich bin
überall in der Welt herumgeflogen, und die
Geographie hat mir dabei wirklich gute
Dienste geleistet. Ich konnte auf den ersten
Blick China von Arizona unterscheiden.
Das ist sehr praktisch, wenn man sich in
der Nacht verirrt hat.
So habe ich im Laufe meines Lebens mit
einer Menge ernsthafter Leute zu tun
gehabt. Ich bin viel mit Erwachsenen
umgegangen und habe Gelegenheit gehabt,
sie ganz aus der Nähe zu betrachten. Das
hat meiner Meinung über sie nicht
besonders gut getan.
Wenn ich jemanden traf, der mir ein
bißchen heller vorkam, versuchte ich es
mit meiner Zeichnung Nr. 1, die ich gut
aufbewahrt habe. Ich wollte sehen, ob er
wirklich etwas los hatte. Aber jedesmal
bekam ich zur Antwort: »Das ist ein Hut.«
Dann redete ich mit ihm weder über Boas,
noch über Urwälder, noch über die Sterne.
Ich stellte mich auf seinen Standpunkt. Ich
sprach mit ihm über Bridge, Golf, Politik
und Krawatten. Und der große Mensch war
äußerst befriedigt, einen so vernünftigen
Mann getroffen zu haben.

II
Ich blieb also allein, ohne jemanden, mit
dem ich wirklich hätte sprechen können, bis
ich vor sechs Jahren einmal eine Panne in
der Wüste Sahara hatte. Etwas an meinem
Motor war kaputtgegangen. Und da ich
weder einen Mechaniker noch Passagiere
bei mir hatte, machte ich mich ganz allein an
die schwierige Reparatur. Es war für mich
eine Frage auf Leben und Tod. Ich hatte für
kaum acht Tage Trinkwasser mit.
Am ersten Abend bin ich also im Sande
eingeschlafen, tausend Meilen von jeder
bewohnten Gegend entfernt. Ich war viel
verlassener als ein Schiffbrüchiger auf
einem Floß mitten im Ozean. Ihr könnt euch
daher meine Überraschung vorstellen, als
bei Tagesanbruch eine seltsame kleine
Stimme mich weckte:
»Bitte... zeichne mir ein Schaf!«
»Wie bitte?«
»Zeichne mir ein Schaf...«
Ich bin auf die Füße gesprungen, als wäre
der Blitz in mich gefahren. Ich habe mir die
Augen gerieben und genau hingeschaut. Da
sah ich ein kleines, höchst ungewöhnliches
Männchen, das mich ernsthaft betrachtete.
Hier das beste Porträt, das ich später von
ihm zuwege brachte.

Aber das Bild ist bestimmt nicht so
bezaubernd wie das Modell. Ich kann nichts
dafür. Ich war im Alter von sechs Jahren von
den großen Leuten aus meiner Malerlaufbahn
geworfen worden und hatte nichts zu zeichnen
gelernt als geschlossene und offene
Riesenschlangen.
Ich schaute mir die Erscheinung also mit
großen, staunenden Augen an. Vergeßt nicht,
daß ich mich tausend Meilen abseits jeder
bewohnten Gegend befand. Auch schien mir
mein kleines Männchen nicht verirrt, auch
nicht halbtot vor Müdigkeit, Hunger, Durst
oder Angst. Es machte durchaus nicht den
Eindruck eines mitten in der Wüste
verlorenen Kindes, tausend Meilen von
jeder bewohnten Gegend. Als ich endlich
sprechen konnte, sagte ich zu ihm:
»Aber... was machst denn du da?«
Da wiederholte es ganz sanft, wie eine
sehr ernsthafte Sache:
»Bitte... zeichne mir ein Schaf...«
Wenn das Geheimnis zu eindrucksvoll ist,
wagt man nicht zu widerstehen. So absurd es
mir erschien - tausend Meilen von jeder
menschlichen Behausung und in Todesgefahr
ich zog aus meiner Tasche ein Blatt Papier
und eine Füllfeder. Dann aber erinnerte ich
mich, daß ich vor allem Geographie,
Geschichte, Rechnen und Grammatik studiert
hatte, und mißmutig sagte ich zu dem
Männchen, daß ich nicht zeichnen könne.Es
antwortete:
»Das macht nichts. Zeichne mir ein
Schaf.«
Da ich nie ein Schaf gezeichnet hatte,
machte ich ihm eine von den einzigen zwei
Zeichnungen, die ich zuwege brachte.
Die von der geschlossenen
Riesenschlange. Und ich war höchst
verblüfft, als ich das Männchen sagen hörte:
»Nein, nein! Ich will keinen Elefanten in
einer Riesenschlange. Eine Riesenschlange
ist sehr gefährlich und ein Elefant braucht
viel Platz. Bei mir zu Hause ist wenig Platz.
Ich brauche ein Schaf. Zeichne mir ein
Schaf.«
Also habe ich gezeichnet.

Das Männchen schaute aufmerksam zu,
dann sagte es:
»Nein! Das ist schon sehr krank. Mach ein
anderes.«
Ich zeichnete.

Mein Freund lächelte artig und mit
Nachsicht:
»Du siehst wohl... das ist kein Schaf, das
ist ein Widder. Es hat Hörner...«
Ich machte also meine Zeichnung noch
einmal. Aber sie wurde ebenso abgelehnt
wie die vorigen:

»Das ist schon zu alt. Ich will ein Schaf,
das lange lebt.«
Mir ging die Geduld aus, es war höchste
Zeit, meinen Motor auszubauen, so kritzelte
ich diese Zeichnung da zusammen und
knurrte dazu:
»Das ist die Kiste. Das Schaf, das du
willst, steckt da drin.«

Und ich war höchst überrascht, als ich
das Gesicht meines jungen Kritikers
aufleuchten sah:
»Das ist ganz so, wie ich es mir
gewünscht habe. Meinst du, daß dieses
Schaf viel Gras braucht?«
»Warum?«
»Weil bei mir zu Hause alles ganz klein
ist...«
»Es wird bestimmt ausreichen. Ich habe
dir ein ganz kleines Schaf geschenkt.«
Er neigte den Kopf über die Zeichnung:
»Nicht so klein wie... Aber sieh nur! Es
ist eingeschlafen...«
So machte ich die Bekanntschaft des
kleinen Prinzen.

III
Ich brauchte lange Zeit, um zu verstehen,
woher er kam. Der kleine Prinz, der viele
Fragen an mich richtete, schien die meinen
nie zu hören. Zufällig aufgefangene Worte
haben mir nach und nach sein Geheimnis
enthüllt. So fragte er, als er zum erstenmal
mein Flugzeug sah (ich werde mein
Flugzeug nicht zeichnen, das ist eine viel zu
komplizierte Sache für mich):
»Was ist das für ein Ding da?«
»Das ist kein Ding. Das fliegt. Das ist ein
Flugzeug.«
Und ich war stolz, ihm sagen zu können,
daß ich fliege. Da rief er:
»Wie! Du bist vom Himmel gefallen?«
»Ja«, sagte ich bescheiden.
»Ah! Das ist ja lustig...«
Und der kleine Prinz bekam einen ganz
tollen Lachanfall, der mich ordentlich
ärgerte. Ich legte Wert darauf, daß meine
Unfälle ernst genommen werden. Er aber
fuhr fort:
»Also auch du kommst vom Himmel! Von
welchem Planeten bist du denn?«
Da ging mir ein Licht auf über das
Geheimnis seiner Anwesenheit und ich
fragte hastig:
»Du kommst also von einem anderen
Planeten?«
Aber er antwortete nicht. Er schüttelte
nur sanft den Kopf, indem er mein Flugzeug
musterte:
»Freilich, auf dem Ding da kannst nicht
allzu weit herkommen...«
Und er versank in eine Träumerei, die
lange dauerte. Dann nahm er mein Schaf aus
der Tasche und vertiefte sich in den
Anblick seines Schatzes.
Ihr könnt euch vorstellen, wie stark diese
Andeutung über die »anderen Planeten«
mich beunruhigen mußte. Ich bemühte mich
also, mehr zu erfahren:

»Woher kommst du, mein kleines
Kerlchen? Wo bist du denn zu Hause?
Wohin willst du mein Schaf mitnehmen?«
Er antwortete nach einem nachdenklichen
Schweigen:
»Die Kiste, die du mir da geschenkt hast,
hat das Gute, daß sie ihm nachts als Haus
dienen kann.«
»Gewiß. Und wenn du brav bist, gebe ich
dir auch einen Strick, um es tagsüber
anzubinden. Und einen Pflock dazu.«
Dieser Vorschlag schien den kleinen
Prinzen zu kränken:
»Anbinden? Was für eine komische
Idee!«
»Aber wenn du es nicht anbindest, wird
es doch weglaufen...«
Da brach meine Freund in ein neuerliches
Gelächter aus:
»Aber wo soll es denn hinlaufen?«
»Irgendwohin. Geradeaus...«
Da versetzte der kleine Prinz ernsthaft:
»Das macht nichts aus, es ist so klein bei
mir zu Hause!«

Und, vielleicht ein bißchen schwermütig,
fügte er hinzu:
»Geradeaus kann man nicht sehr weit
gehen...«

IV
Ich hatte eine zweite sehr wichtige Sache
erfahren: der Planet seiner Herkunft war
kaum größer als ein Haus!
Das erschien mir gar nicht
verwunderlich. Ich wußte ja, daß es außer
den großen Planeten wie der Erde, dem
Jupiter, dem Mars, der Venus, denen man
Namen gegeben hat, noch Hunderte von
anderen gibt, die manchmal so klein sind,
daß man Mühe hat, sie im Fernrohr zu
sehen. Wenn ein Astronom einen von ihnen
entdeckt, gibt er ihm statt des Namens eine
Nummer.

Er nennt ihn zum Beispiel:
Asteroid Nr. 3.251.
Ich habe ernsthafte Gründe zu glauben,
daß der Planet, von dem der kleine Prinz
kam, der Asteroid B 612 ist. Dieser Planet
ist nur ein einziges Mal im Jahre 1909 von
einem türkischen Astronomen im Fernrohr
gesehen worden.
Er hatte damals beim internationalen
Astronomen- kongreß einen großen Vortrag
über seine Entdeckung gehalten.

Aber niemand hatte ihm geglaubt, und zwar
ganz einfach seines Anzuges wegen. Die großen
Leute sind so.
Zum Glück für den Ruf des Planeten B
612 befahl ein türkischer Diktator seinem
Volk bei Todesstrafe, nur noch europäische
Kleider zu tragen. Der Astronom
wiederholte seinen Vortrag im Jahre 1920
in einem sehr eleganten Anzug. Und
diesmal gaben sie ihm alle recht.

Wenn ich euch dieses nebensächliche
Drum und Dran über den Planeten B 612
erzähle und euch sogar seine Nummer
anvertraue, so geschieht das der großen
Leute wegen. Die großen Leute haben eine
Vorliebe für Zahlen. Wenn ihr ihnen von
einem neuen Freund erzählt, befragen sie
euch nie über das Wesentliche. Sie fragen
euch nie: Wie ist der Klang seiner Stimme?
Welche Spiele liebt er am meisten?
Sammelt er Schmetterlinge? Sie fragen
euch: Wie alt ist er? Wieviele Brüder hat
er? Wieviel wiegt er? Wieviel verdient
sein Vater? Dann erst glauben sie, ihn zu
kennen. Wenn ihr zu den großen Leute sagt:
Ich habe ein sehr schönes Haus mit roten
Ziegeln gesehen, mit Geranien vor den
Fenstern und Tauben auf dem Dach... dann
sind sie nicht imstande, sich dieses Haus
vorzustellen. Man muß ihnen sagen: Ich
habe ein Haus gesehen, das hunderttausend
Franken wert ist. Dann schreien sie gleich:
Ach wie schön!
So auch, wenn ihr ihnen sagt: Der
Beweis dafür, daß es den kleinen Prinzen
wirklich gegeben hat, besteht darin, daß er
entzückend war, daß er lachte und daß er
ein Schaf haben wollte; denn wenn man
sich ein Schaf wünscht, ist es doch ein
Beweis dafür, daß man lebt, - dann werden
sie die Achseln zucken und euch als Kinder
behandeln. Aber wenn ihr ihnen sagt: der
Planet, von dem er kam, ist der Planet B
612, dann werden sie überzeugt sein und
euch mit ihren Fragen in Ruhe lassen. So
sind sie. Man darf ihnen das auch nicht
übel nehmen. Kinder müssen mit großen
Leuten viel Nachsicht haben.
Wir freilich, die wir wissen, was das
Leben eigentlich ist, wir machen uns nur
lustig über die albernen Zahlen. Viel lieber
hätte ich diese Geschichte begonnen wie
ein Märchen. Am liebsten hätte ich so
angefangen:
Es war einmal ein kleiner Prinz, der
wohnte auf einem Planeten, der kaum
größer war als er selbst, und er brauchte
einen Freund... Für die, die das Leben
richtig verstehen, würde das viel
glaubwürdiger klingen.
Denn ich möchte nicht, daß man mein
Buch leicht nimmt. Ich empfinde so viel
Kummer beim Erzählen dieser
Erinnerungen. Es ist nun schon sechs Jahre
her, daß mein Freund mit seinem Schaf
davongegangen ist. Wenn ich hier versuche,
ihn zu beschreiben, so tue ich das, um ihn
nicht zu vergessen. Nicht jeder hat einen
Freund gehabt. Und ich könnte wie die
großen Leute werden, die sich nur für
Ziffern interessieren, deshalb habe ich mir
schließlich auch einen Farbenkasten und
Zeichenstifte gekauft.
Es ist schwer, sich in meinem Alter noch
einmal mit dem Zeichnen einzulassen, wenn
man seit seinem sechsten Lebensjahre nie
andere Versuche gemacht hat als die mit
einer geschlossenen und offenen
Klapperschlange. Ich werde
selbstverständlich versuchen, die Bilder so
wirklichkeitsgetreu wie möglich zu
machen. Aber ich bin nicht ganz sicher, ob
es mir gelingen wird. Die eine Zeichnung
geht, die andere ist schon nicht mehr
ähnlich. Ich irre mich auch mitunter in den
Maßen. Da ist der kleine Prinz zu groß und
da ist er zu klein. Auch die Farbe seiner
Kleider macht mir Kummer. Dann probiere
ich hin und her, so gut es eben geht. Ich
werde mich vermutlich auch bei
wichtigeren Einzelheiten irren. Aber das
muß man doch schon nachsehen. Mein
Freund hat mir nie Erklärungen gegeben. Er
glaubte wahrscheinlich, ich sei wie er.
Aber ich bin leider nicht imstande, durch
die Kistenbretter hindurch Schafe zu sehen.
Ich gleiche doch wohl schon eher den
großen Leuten. Ich mußte ja im Laufe der
Zeit älter werden.

V
Jeden Tag erfuhr ich etwas Neues über den
Planeten, über die Abreise und über die
Fahrt. Das ergab sich ganz sachte im Laufe
meiner Überlegungen. So lernte ich am
dritten Tage die Tragödie der
Affenbrotbäume kennen. Auch dies
verdanke ich schließlich dem Schaf, denn
unvermittelt fragte mich der kleine Prinz, als
wäre er von einem schweren Zweifel
geplagt:
»Es stimmt doch, daß Schafe Stauden
fressen?«
»Ja, das stimmt.«
»Ach, da bin ich froh!«
Ich verstand nicht, warum es so wichtig
war, daß Schafe Stauden fressen. Aber der
kleine Prinz fügte hinzu:
»Dann fressen sie doch auch
Affenbrotbäume?«
Ich erklärte dem kleinen Prinzen
ausführlich, daß Affenbrotbäume doch keine
Stauden sind, sondern kirchturmhohe
Bäume, und selbst wenn er eine ganze
Herde Elefanten mitnähme, würde diese
Herde nicht mit einem einzigen
Affenbrotbaum fertig werden.
Der Einfall mit den Elefanten brachte ihn
zum Lachen.
»Man müßte sie übereinanderstellen...«

Aber dann bemerkte er klugerweise:
»Bevor die Affenbrotbäume groß werden,
fangen sie ja erst damit an, klein zu sein.«
»Das ist schon richtig. Aber warum
willst du, daß deine Schafe die kleinen
Affenbrotbäume fressen?«
Er antwortete: »Schon gut! Wir werden ja
sehen!« als ob es sich da um das klarste
Ding der Welt handelte. Und ich mußte
meinen ganzen Verstand aufbieten, um der
Sache auf den Grund zu kommen.
In der Tat gab es auf dem Planeten des
kleinen Prinzen wie auf allen Planeten gute
Gewächse und schlechte Gewächse.
Infolgedessen auch gute Samenkörner von
guten Gewächsen und schlechte
Samenkörner von schlechten Gewächsen.
Aber die Samen sind unsichtbar. Sie
schlafen geheimnisvoll in der Erde, bis es
einem von ihnen einfällt, aufzuwachen.
Dann streckt er sich und treibt zuerst
schüchtern einen entzückenden kleinen
Sproß zur Sonne, einen ganz harmlosen.
Wenn es sich um einen Radieschen- oder
Rosentrieb handelt, kann man ihn wachsen
lassen, wie er will. Aber wenn es sich um
eine schädliche Pflanze handelt, muß man
die Pflanze beizeiten herausreißen, sobald
man erkannt hat, was für eine es ist. Auf
dem Planeten des kleinen Prinzen gab es
fürchterliche Samen... und das waren die
Samen der Affenbrotbäume. Der Boden des
Planeten war voll davon. Aber einen
Affenbrotbaum kann man, wenn man ihn zu
spät angeht, nie mehr loswerden. Er
bemächtigt sich des ganzen Planeten. Er
durchdringt ihn mit seinen Wurzeln. Und
wenn der Planet zu klein ist und die
Affenbrotbäume zu zahlreich werden,
sprengen sie ihn.
»Es ist eine Frage der Disziplin«, sagte
mir später der kleine Prinz. »Wenn man
seine Morgentoilette beendet hat, muß man
sich ebenso sorgfältig an die Toilette des
Planeten machen. Man muß sich regelmäßig
dazu zwingen, die Sprößlinge der
Affenbrotbäume auszureißen, sobald man
sie von den Rosensträuchern unterscheiden
kann, denen sie in der Jugend sehr ähnlich
sehen. Das ist eine zwar langweilige, aber
leichte Arbeit.«

Und eines Tages riet er mir, ich solle
mich bemühen, eine schöne Zeichnung
zustande zu bringen, damit es den Kindern
bei mir daheim auch richtig in den Kopf
gehe. »Wenn sie eines Tages auf die Reise
gehen«, sagte er, »kann es ihnen zugute
kommen. Zuweilen macht es ja wohl nichts
aus, wenn man seine Arbeit auf später
verschiebt. Aber wenn es sich um
Affenbrotbäume handelt, führt das stets zur
Katastrophe. Ich habe einen Planeten
gekannt, den ein Faulpelz bewohnte. Er
hatte drei Sträucher übersehen...«
Und so habe ich denn diesen Planeten
nach den Angaben des kleinen Prinzen
gezeichnet. Ich nehme nicht gerne den
Tonfall eines Moralisten an. Aber die
Gefährlichkeit der Affenbrotbäume ist so
wenig bekannt, und die Gefahren, die jedem
drohen, der sich auf einen Asteroiden
verirrt, sind so beträchtlich ,daß ich für
dieses eine Mal aus meiner Zurückhaltung
heraustrete. Ich sage: Kinder, Achtung! Die
Affenbrotbäume!

Um meine Freunde auf eine Gefahr
aufmerksam zu machen, die - unerkannt -
ihnen wie mir seit langem droht,
habe ich so viel an dieser Zeichnung
gearbeitet. Die Lehre, die ich damit gebe,
ist gewiß der Mühe wert. Ihr werdet euch
vielleicht fragen: Warum enthält dieses
Buch nicht noch andere, ebenso großartige
Zeichnungen wie die Zeichnung von den
Affenbrotbäumen ? Die Antwort ist sehr
einfach: Ich habe wohl den Versuch gewagt,
aber es ist mir nicht gelungen. Als ich die
Affenbrotbäume zeichnete, war ich vom
Gefühl der Dringlichkeit beseelt.


Kapitel VI-X
Jessi
Antoine de Saint-Exupéry lebte für das Fliegen und das Schreiben. Am 29. Juni 1900 wurde er im französischen Lyon geboren. Schon während seiner Schulzeit in einem Jesuiteninternat begann er seine Pilotenausbildung; seinen Militärdienst leistete er in einem Fliegerregiment. "Der Flieger" hieß dann auch seine erste Novelle. Mit 35 Jahren musste Saint-Exupéry als Pilot in der ägyptischen Wüste …More
Antoine de Saint-Exupéry lebte für das Fliegen und das Schreiben. Am 29. Juni 1900 wurde er im französischen Lyon geboren. Schon während seiner Schulzeit in einem Jesuiteninternat begann er seine Pilotenausbildung; seinen Militärdienst leistete er in einem Fliegerregiment. "Der Flieger" hieß dann auch seine erste Novelle. Mit 35 Jahren musste Saint-Exupéry als Pilot in der ägyptischen Wüste notlanden und wurde erst Tage später gerettet - eine Szene, die sich in seinem Buch "Der kleine Prinz" wiederfindet. Im II. Weltkrieg emigrierte Saint-Exupéry nach der Besetzung Frankreichs in die USA. Als die Alliierten 1942 in Nordafrika landeten, schloss er sich der Armee des Generals de Gaulle an. Von einem Aufklärungsflug, den er am 31. Juli 1944 startete, kehrte er nicht zurück.
"Der kleine Prinz" erzählt die Geschichte eines Mannes, der mit seinem Flugzeug in der Sahara notlandet und dort zufällig dem kleinen Prinzen begegnet. "Zeichne mir ein Schaf", bittet ihn der Junge, und der Erzähler tut ihm den Gefallen. Er erfährt, dass der kleine Prinz vom Planeten B 612 stammt. Auf der Suche nach Freunden hat er viele Planeten besucht und ungewöhnliche Menschen getroffen, bevor er schließlich auf der Erde landete. Nun plagt ihn die Sehnsucht nach der geliebten Rose, die auf seinem Planeten wartet. Doch um nach Hause zurückkehren zu können, muss er seinen Körper zurücklassen, er wäre zu schwer. Und so lässt sich der kleine Prinz von einer giftigen Schlange beißen, fällt lautlos in den Sand - und ist am nächsten Tag verschwunden. —
Jessi
Zum Anhören!
Der Kleine Prinz
Antoine de Saint-Exupéry


Widmung

FÜR LÉON WERTH
Ich bitte die Kinder um Verzeihung, dass
ich dieses Buch einem Erwachsenen
widme. Ich habe eine ernstliche
Entschuldigung dafür: Dieser Erwachsene
ist der beste Freund, den ich in der Welt
habe. Ich habe noch eine Entschuldigung:
Dieser Erwachsene kann alles verstehen,
sogar die Bücher für Kinder. Ich habe …
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Zum Anhören!
Der Kleine Prinz
Antoine de Saint-Exupéry


Widmung

FÜR LÉON WERTH
Ich bitte die Kinder um Verzeihung, dass
ich dieses Buch einem Erwachsenen
widme. Ich habe eine ernstliche
Entschuldigung dafür: Dieser Erwachsene
ist der beste Freund, den ich in der Welt
habe. Ich habe noch eine Entschuldigung:
Dieser Erwachsene kann alles verstehen,
sogar die Bücher für Kinder. Ich habe eine
dritte Entschuldigung: Dieser Erwachsene
wohnt in Frankreich, wo er hungert und
friert. Er braucht sehr notwendig einen
Trost. Wenn alle diese Entschuldigungen
nicht ausreichen, so will ich dieses Buch
dem Kinde widmen, das dieser
Erwachsene einst war. Alle großen Leute
sind einmal Kinder gewesen (aber wenige
erinnern sich daran). Ich verbessere also
meine Widmung:
FÜR LÉON WERTH
als er noch ein Junge war

I
Als ich sechs Jahre alt war, sah ich einmal
in einem Buch über den Urwald, das
»Erlebte Geschichten« hieß, ein prächtiges
Bild. Es stellte eine Riesenschlange dar,
wie sie ein Wildtier verschlang. Hier ist eine
Kopie der Zeichnung.

In dem Buche hieß es: »Die Boas
verschlingen ihre Beute als Ganzes, ohne
sie zu zerbeißen. Daraufhin können sie sich
nicht mehr rühren und schlafen sechs
Monate, um zu verdauen.«
Ich habe damals viel über die Abenteuer
des Dschungels nachgedacht, und ich
vollendete mit einem Farbstift meine erste
Zeichnung. Meine Zeichnung Nr. 1. So sah
sie aus:

Ich habe den großen Leuten mein
Meisterwerk gezeigt und sie gefragt, ob
ihnen meine Zeichnung nicht Angst mache.
Sie haben geantwortet: »Warum sollen
wir vor einem Hut Angst haben?«
Meine Zeichnung stellte aber keinen Hut
dar. Sie stellte eine Riesenschlange dar,
die einen Elefanten verdaut. Ich habe dann
das Innere der Boa gezeichnet, um es den
großen Leuten deutlich zu machen. Sie
brauchen ja immer Erklärungen. Hier meine
Zeichnung Nr. 2:

Die großen Leute haben mir geraten, mit
den Zeichnungen von offenen oder
geschlossenen Riesenschlangen aufzuhören
und mich mehr für Geographie,
Geschichte, Rechnen und Grammatik zu
interessieren. So kam es daß ich eine
großartige Laufbahn, die eines Malers
nämlich, bereits im Alter von sechs Jahren
aufgab. Der Mißerfolg meiner Zeichnungen
Nr. 1 und Nr. 2 hatte mir den Mut
genommen. Die großen Leute verstehen nie
etwas von selbst, und für die Kinder ist es
zu anstrengend, ihnen immer und immer
wieder erklären zu müssen.
Ich war also gezwungen, einen anderen
Beruf zu wählen, und lernte fliegen. Ich bin
überall in der Welt herumgeflogen, und die
Geographie hat mir dabei wirklich gute
Dienste geleistet. Ich konnte auf den ersten
Blick China von Arizona unterscheiden.
Das ist sehr praktisch, wenn man sich in
der Nacht verirrt hat.
So habe ich im Laufe meines Lebens mit
einer Menge ernsthafter Leute zu tun
gehabt. Ich bin viel mit Erwachsenen
umgegangen und habe Gelegenheit gehabt,
sie ganz aus der Nähe zu betrachten. Das
hat meiner Meinung über sie nicht
besonders gut getan.
Wenn ich jemanden traf, der mir ein
bißchen heller vorkam, versuchte ich es
mit meiner Zeichnung Nr. 1, die ich gut
aufbewahrt habe. Ich wollte sehen, ob er
wirklich etwas los hatte. Aber jedesmal
bekam ich zur Antwort: »Das ist ein Hut.«
Dann redete ich mit ihm weder über Boas,
noch über Urwälder, noch über die Sterne.
Ich stellte mich auf seinen Standpunkt. Ich
sprach mit ihm über Bridge, Golf, Politik
und Krawatten. Und der große Mensch war
äußerst befriedigt, einen so vernünftigen
Mann getroffen zu haben.

II
Ich blieb also allein, ohne jemanden, mit
dem ich wirklich hätte sprechen können, bis
ich vor sechs Jahren einmal eine Panne in
der Wüste Sahara hatte. Etwas an meinem
Motor war kaputtgegangen. Und da ich
weder einen Mechaniker noch Passagiere
bei mir hatte, machte ich mich ganz allein an
die schwierige Reparatur. Es war für mich
eine Frage auf Leben und Tod. Ich hatte für
kaum acht Tage Trinkwasser mit.
Am ersten Abend bin ich also im Sande
eingeschlafen, tausend Meilen von jeder
bewohnten Gegend entfernt. Ich war viel
verlassener als ein Schiffbrüchiger auf
einem Floß mitten im Ozean. Ihr könnt euch
daher meine Überraschung vorstellen, als
bei Tagesanbruch eine seltsame kleine
Stimme mich weckte:
»Bitte... zeichne mir ein Schaf!«
»Wie bitte?«
»Zeichne mir ein Schaf...«
Ich bin auf die Füße gesprungen, als wäre
der Blitz in mich gefahren. Ich habe mir die
Augen gerieben und genau hingeschaut. Da
sah ich ein kleines, höchst ungewöhnliches
Männchen, das mich ernsthaft betrachtete.
Hier das beste Porträt, das ich später von
ihm zuwege brachte.

Aber das Bild ist bestimmt nicht so
bezaubernd wie das Modell. Ich kann nichts
dafür. Ich war im Alter von sechs Jahren von
den großen Leuten aus meiner Malerlaufbahn
geworfen worden und hatte nichts zu zeichnen
gelernt als geschlossene und offene
Riesenschlangen.
Ich schaute mir die Erscheinung also mit
großen, staunenden Augen an. Vergeßt nicht,
daß ich mich tausend Meilen abseits jeder
bewohnten Gegend befand. Auch schien mir
mein kleines Männchen nicht verirrt, auch
nicht halbtot vor Müdigkeit, Hunger, Durst
oder Angst. Es machte durchaus nicht den
Eindruck eines mitten in der Wüste
verlorenen Kindes, tausend Meilen von
jeder bewohnten Gegend. Als ich endlich
sprechen konnte, sagte ich zu ihm:
»Aber... was machst denn du da?«
Da wiederholte es ganz sanft, wie eine
sehr ernsthafte Sache:
»Bitte... zeichne mir ein Schaf...«
Wenn das Geheimnis zu eindrucksvoll ist,
wagt man nicht zu widerstehen. So absurd es
mir erschien - tausend Meilen von jeder
menschlichen Behausung und in Todesgefahr
ich zog aus meiner Tasche ein Blatt Papier
und eine Füllfeder. Dann aber erinnerte ich
mich, daß ich vor allem Geographie,
Geschichte, Rechnen und Grammatik studiert
hatte, und mißmutig sagte ich zu dem
Männchen, daß ich nicht zeichnen könne.Es
antwortete:
»Das macht nichts. Zeichne mir ein
Schaf.«
Da ich nie ein Schaf gezeichnet hatte,
machte ich ihm eine von den einzigen zwei
Zeichnungen, die ich zuwege brachte.
Die von der geschlossenen
Riesenschlange. Und ich war höchst
verblüfft, als ich das Männchen sagen hörte:
»Nein, nein! Ich will keinen Elefanten in
einer Riesenschlange. Eine Riesenschlange
ist sehr gefährlich und ein Elefant braucht
viel Platz. Bei mir zu Hause ist wenig Platz.
Ich brauche ein Schaf. Zeichne mir ein
Schaf.«
Also habe ich gezeichnet.

Das Männchen schaute aufmerksam zu,
dann sagte es:
»Nein! Das ist schon sehr krank. Mach ein
anderes.«
Ich zeichnete.

Mein Freund lächelte artig und mit
Nachsicht:
»Du siehst wohl... das ist kein Schaf, das
ist ein Widder. Es hat Hörner...«
Ich machte also meine Zeichnung noch
einmal. Aber sie wurde ebenso abgelehnt
wie die vorigen:

»Das ist schon zu alt. Ich will ein Schaf,
das lange lebt.«
Mir ging die Geduld aus, es war höchste
Zeit, meinen Motor auszubauen, so kritzelte
ich diese Zeichnung da zusammen und
knurrte dazu:
»Das ist die Kiste. Das Schaf, das du
willst, steckt da drin.«

Und ich war höchst überrascht, als ich
das Gesicht meines jungen Kritikers
aufleuchten sah:
»Das ist ganz so, wie ich es mir
gewünscht habe. Meinst du, daß dieses
Schaf viel Gras braucht?«
»Warum?«
»Weil bei mir zu Hause alles ganz klein
ist...«
»Es wird bestimmt ausreichen. Ich habe
dir ein ganz kleines Schaf geschenkt.«
Er neigte den Kopf über die Zeichnung:
»Nicht so klein wie... Aber sieh nur! Es
ist eingeschlafen...«
So machte ich die Bekanntschaft des
kleinen Prinzen.

III
Ich brauchte lange Zeit, um zu verstehen,
woher er kam. Der kleine Prinz, der viele
Fragen an mich richtete, schien die meinen
nie zu hören. Zufällig aufgefangene Worte
haben mir nach und nach sein Geheimnis
enthüllt. So fragte er, als er zum erstenmal
mein Flugzeug sah (ich werde mein
Flugzeug nicht zeichnen, das ist eine viel zu
komplizierte Sache für mich):
»Was ist das für ein Ding da?«
»Das ist kein Ding. Das fliegt. Das ist ein
Flugzeug.«
Und ich war stolz, ihm sagen zu können,
daß ich fliege. Da rief er:
»Wie! Du bist vom Himmel gefallen?«
»Ja«, sagte ich bescheiden.
»Ah! Das ist ja lustig...«
Und der kleine Prinz bekam einen ganz
tollen Lachanfall, der mich ordentlich
ärgerte. Ich legte Wert darauf, daß meine
Unfälle ernst genommen werden. Er aber
fuhr fort:
»Also auch du kommst vom Himmel! Von
welchem Planeten bist du denn?«
Da ging mir ein Licht auf über das
Geheimnis seiner Anwesenheit und ich
fragte hastig:
»Du kommst also von einem anderen
Planeten?«
Aber er antwortete nicht. Er schüttelte
nur sanft den Kopf, indem er mein Flugzeug
musterte:
»Freilich, auf dem Ding da kannst nicht
allzu weit herkommen...«
Und er versank in eine Träumerei, die
lange dauerte. Dann nahm er mein Schaf aus
der Tasche und vertiefte sich in den
Anblick seines Schatzes.
Ihr könnt euch vorstellen, wie stark diese
Andeutung über die »anderen Planeten«
mich beunruhigen mußte. Ich bemühte mich
also, mehr zu erfahren:

»Woher kommst du, mein kleines
Kerlchen? Wo bist du denn zu Hause?
Wohin willst du mein Schaf mitnehmen?«
Er antwortete nach einem nachdenklichen
Schweigen:
»Die Kiste, die du mir da geschenkt hast,
hat das Gute, daß sie ihm nachts als Haus
dienen kann.«
»Gewiß. Und wenn du brav bist, gebe ich
dir auch einen Strick, um es tagsüber
anzubinden. Und einen Pflock dazu.«
Dieser Vorschlag schien den kleinen
Prinzen zu kränken:
»Anbinden? Was für eine komische
Idee!«
»Aber wenn du es nicht anbindest, wird
es doch weglaufen...«
Da brach meine Freund in ein neuerliches
Gelächter aus:
»Aber wo soll es denn hinlaufen?«
»Irgendwohin. Geradeaus...«
Da versetzte der kleine Prinz ernsthaft:
»Das macht nichts aus, es ist so klein bei
mir zu Hause!«

Und, vielleicht ein bißchen schwermütig,
fügte er hinzu:
»Geradeaus kann man nicht sehr weit
gehen...«

IV
Ich hatte eine zweite sehr wichtige Sache
erfahren: der Planet seiner Herkunft war
kaum größer als ein Haus!
Das erschien mir gar nicht
verwunderlich. Ich wußte ja, daß es außer
den großen Planeten wie der Erde, dem
Jupiter, dem Mars, der Venus, denen man
Namen gegeben hat, noch Hunderte von
anderen gibt, die manchmal so klein sind,
daß man Mühe hat, sie im Fernrohr zu
sehen. Wenn ein Astronom einen von ihnen
entdeckt, gibt er ihm statt des Namens eine
Nummer.

Er nennt ihn zum Beispiel:
Asteroid Nr. 3.251.
Ich habe ernsthafte Gründe zu glauben,
daß der Planet, von dem der kleine Prinz
kam, der Asteroid B 612 ist. Dieser Planet
ist nur ein einziges Mal im Jahre 1909 von
einem türkischen Astronomen im Fernrohr
gesehen worden.
Er hatte damals beim internationalen
Astronomen- kongreß einen großen Vortrag
über seine Entdeckung gehalten.

Aber niemand hatte ihm geglaubt, und zwar
ganz einfach seines Anzuges wegen. Die großen
Leute sind so.
Zum Glück für den Ruf des Planeten B
612 befahl ein türkischer Diktator seinem
Volk bei Todesstrafe, nur noch europäische
Kleider zu tragen. Der Astronom
wiederholte seinen Vortrag im Jahre 1920
in einem sehr eleganten Anzug. Und
diesmal gaben sie ihm alle recht.

Wenn ich euch dieses nebensächliche
Drum und Dran über den Planeten B 612
erzähle und euch sogar seine Nummer
anvertraue, so geschieht das der großen
Leute wegen. Die großen Leute haben eine
Vorliebe für Zahlen. Wenn ihr ihnen von
einem neuen Freund erzählt, befragen sie
euch nie über das Wesentliche. Sie fragen
euch nie: Wie ist der Klang seiner Stimme?
Welche Spiele liebt er am meisten?
Sammelt er Schmetterlinge? Sie fragen
euch: Wie alt ist er? Wieviele Brüder hat
er? Wieviel wiegt er? Wieviel verdient
sein Vater? Dann erst glauben sie, ihn zu
kennen. Wenn ihr zu den großen Leute sagt:
Ich habe ein sehr schönes Haus mit roten
Ziegeln gesehen, mit Geranien vor den
Fenstern und Tauben auf dem Dach... dann
sind sie nicht imstande, sich dieses Haus
vorzustellen. Man muß ihnen sagen: Ich
habe ein Haus gesehen, das hunderttausend
Franken wert ist. Dann schreien sie gleich:
Ach wie schön!
So auch, wenn ihr ihnen sagt: Der
Beweis dafür, daß es den kleinen Prinzen
wirklich gegeben hat, besteht darin, daß er
entzückend war, daß er lachte und daß er
ein Schaf haben wollte; denn wenn man
sich ein Schaf wünscht, ist es doch ein
Beweis dafür, daß man lebt, - dann werden
sie die Achseln zucken und euch als Kinder
behandeln. Aber wenn ihr ihnen sagt: der
Planet, von dem er kam, ist der Planet B
612, dann werden sie überzeugt sein und
euch mit ihren Fragen in Ruhe lassen. So
sind sie. Man darf ihnen das auch nicht
übel nehmen. Kinder müssen mit großen
Leuten viel Nachsicht haben.
Wir freilich, die wir wissen, was das
Leben eigentlich ist, wir machen uns nur
lustig über die albernen Zahlen. Viel lieber
hätte ich diese Geschichte begonnen wie
ein Märchen. Am liebsten hätte ich so
angefangen:
Es war einmal ein kleiner Prinz, der
wohnte auf einem Planeten, der kaum
größer war als er selbst, und er brauchte
einen Freund... Für die, die das Leben
richtig verstehen, würde das viel
glaubwürdiger klingen.
Denn ich möchte nicht, daß man mein
Buch leicht nimmt. Ich empfinde so viel
Kummer beim Erzählen dieser
Erinnerungen. Es ist nun schon sechs Jahre
her, daß mein Freund mit seinem Schaf
davongegangen ist. Wenn ich hier versuche,
ihn zu beschreiben, so tue ich das, um ihn
nicht zu vergessen. Nicht jeder hat einen
Freund gehabt. Und ich könnte wie die
großen Leute werden, die sich nur für
Ziffern interessieren, deshalb habe ich mir
schließlich auch einen Farbenkasten und
Zeichenstifte gekauft.
Es ist schwer, sich in meinem Alter noch
einmal mit dem Zeichnen einzulassen, wenn
man seit seinem sechsten Lebensjahre nie
andere Versuche gemacht hat als die mit
einer geschlossenen und offenen
Klapperschlange. Ich werde
selbstverständlich versuchen, die Bilder so
wirklichkeitsgetreu wie möglich zu
machen. Aber ich bin nicht ganz sicher, ob
es mir gelingen wird. Die eine Zeichnung
geht, die andere ist schon nicht mehr
ähnlich. Ich irre mich auch mitunter in den
Maßen. Da ist der kleine Prinz zu groß und
da ist er zu klein. Auch die Farbe seiner
Kleider macht mir Kummer. Dann probiere
ich hin und her, so gut es eben geht. Ich
werde mich vermutlich auch bei
wichtigeren Einzelheiten irren. Aber das
muß man doch schon nachsehen. Mein
Freund hat mir nie Erklärungen gegeben. Er
glaubte wahrscheinlich, ich sei wie er.
Aber ich bin leider nicht imstande, durch
die Kistenbretter hindurch Schafe zu sehen.
Ich gleiche doch wohl schon eher den
großen Leuten. Ich mußte ja im Laufe der
Zeit älter werden.

V
Jeden Tag erfuhr ich etwas Neues über den
Planeten, über die Abreise und über die
Fahrt. Das ergab sich ganz sachte im Laufe
meiner Überlegungen. So lernte ich am
dritten Tage die Tragödie der
Affenbrotbäume kennen. Auch dies
verdanke ich schließlich dem Schaf, denn
unvermittelt fragte mich der kleine Prinz, als
wäre er von einem schweren Zweifel
geplagt:
»Es stimmt doch, daß Schafe Stauden
fressen?«
»Ja, das stimmt.«
»Ach, da bin ich froh!«
Ich verstand nicht, warum es so wichtig
war, daß Schafe Stauden fressen. Aber der
kleine Prinz fügte hinzu:
»Dann fressen sie doch auch
Affenbrotbäume?«
Ich erklärte dem kleinen Prinzen
ausführlich, daß Affenbrotbäume doch keine
Stauden sind, sondern kirchturmhohe
Bäume, und selbst wenn er eine ganze
Herde Elefanten mitnähme, würde diese
Herde nicht mit einem einzigen
Affenbrotbaum fertig werden.
Der Einfall mit den Elefanten brachte ihn
zum Lachen.
»Man müßte sie übereinanderstellen...«

Aber dann bemerkte er klugerweise:
»Bevor die Affenbrotbäume groß werden,
fangen sie ja erst damit an, klein zu sein.«
»Das ist schon richtig. Aber warum
willst du, daß deine Schafe die kleinen
Affenbrotbäume fressen?«
Er antwortete: »Schon gut! Wir werden ja
sehen!« als ob es sich da um das klarste
Ding der Welt handelte. Und ich mußte
meinen ganzen Verstand aufbieten, um der
Sache auf den Grund zu kommen.
In der Tat gab es auf dem Planeten des
kleinen Prinzen wie auf allen Planeten gute
Gewächse und schlechte Gewächse.
Infolgedessen auch gute Samenkörner von
guten Gewächsen und schlechte
Samenkörner von schlechten Gewächsen.
Aber die Samen sind unsichtbar. Sie
schlafen geheimnisvoll in der Erde, bis es
einem von ihnen einfällt, aufzuwachen.
Dann streckt er sich und treibt zuerst
schüchtern einen entzückenden kleinen
Sproß zur Sonne, einen ganz harmlosen.
Wenn es sich um einen Radieschen- oder
Rosentrieb handelt, kann man ihn wachsen
lassen, wie er will. Aber wenn es sich um
eine schädliche Pflanze handelt, muß man
die Pflanze beizeiten herausreißen, sobald
man erkannt hat, was für eine es ist. Auf
dem Planeten des kleinen Prinzen gab es
fürchterliche Samen... und das waren die
Samen der Affenbrotbäume. Der Boden des
Planeten war voll davon. Aber einen
Affenbrotbaum kann man, wenn man ihn zu
spät angeht, nie mehr loswerden. Er
bemächtigt sich des ganzen Planeten. Er
durchdringt ihn mit seinen Wurzeln. Und
wenn der Planet zu klein ist und die
Affenbrotbäume zu zahlreich werden,
sprengen sie ihn.
»Es ist eine Frage der Disziplin«, sagte
mir später der kleine Prinz. »Wenn man
seine Morgentoilette beendet hat, muß man
sich ebenso sorgfältig an die Toilette des
Planeten machen. Man muß sich regelmäßig
dazu zwingen, die Sprößlinge der
Affenbrotbäume auszureißen, sobald man
sie von den Rosensträuchern unterscheiden
kann, denen sie in der Jugend sehr ähnlich
sehen. Das ist eine zwar langweilige, aber
leichte Arbeit.«

Und eines Tages riet er mir, ich solle
mich bemühen, eine schöne Zeichnung
zustande zu bringen, damit es den Kindern
bei mir daheim auch richtig in den Kopf
gehe. »Wenn sie eines Tages auf die Reise
gehen«, sagte er, »kann es ihnen zugute
kommen. Zuweilen macht es ja wohl nichts
aus, wenn man seine Arbeit auf später
verschiebt. Aber wenn es sich um
Affenbrotbäume handelt, führt das stets zur
Katastrophe. Ich habe einen Planeten
gekannt, den ein Faulpelz bewohnte. Er
hatte drei Sträucher übersehen...«
Und so habe ich denn diesen Planeten
nach den Angaben des kleinen Prinzen
gezeichnet. Ich nehme nicht gerne den
Tonfall eines Moralisten an. Aber die
Gefährlichkeit der Affenbrotbäume ist so
wenig bekannt, und die Gefahren, die jedem
drohen, der sich auf einen Asteroiden
verirrt, sind so beträchtlich ,daß ich für
dieses eine Mal aus meiner Zurückhaltung
heraustrete. Ich sage: Kinder, Achtung! Die
Affenbrotbäume!

Um meine Freunde auf eine Gefahr
aufmerksam zu machen, die - unerkannt -
ihnen wie mir seit langem droht,
habe ich so viel an dieser Zeichnung
gearbeitet. Die Lehre, die ich damit gebe,
ist gewiß der Mühe wert. Ihr werdet euch
vielleicht fragen: Warum enthält dieses
Buch nicht noch andere, ebenso großartige
Zeichnungen wie die Zeichnung von den
Affenbrotbäumen ? Die Antwort ist sehr
einfach: Ich habe wohl den Versuch gewagt,
aber es ist mir nicht gelungen. Als ich die
Affenbrotbäume zeichnete, war ich vom
Gefühl der Dringlichkeit beseelt.


Kapitel VI-X
Jessi
Das, worauf es im Leben ankommt, können wir nicht vorausberechnen. Die schönste Freude erlebt man immer da, wo man sie am wenigsten erwartet hat.
(L'essentiel, nous ne savons pas le prévoir. Chacun de nous a connu les joies les plus chaudes là où rien ne les promettait.)
Antoine de Saint-Exupéry, Terre des Hommes (Wind, Sand und Sterne)
Jessi
Bekannte Aussprüche aus diesem Werk:

"Die Sprache ist die Quelle aller Missverständnisse"

"(...) nach ihrem Tun und nicht nach ihren Worten beurteilen (...)"

"Es ist so geheimnisvoll, das Land der Träume"

"Die Eitlen hören immer nur die Lobreden"

"Man muss von jedem fordern, was er leisten kann"

"Die Autorität beruht vor allem auf der Vernunft"

"Die Zeit, die du für deine Rose verloren …
More
Bekannte Aussprüche aus diesem Werk:

"Die Sprache ist die Quelle aller Missverständnisse"

"(...) nach ihrem Tun und nicht nach ihren Worten beurteilen (...)"

"Es ist so geheimnisvoll, das Land der Träume"

"Die Eitlen hören immer nur die Lobreden"

"Man muss von jedem fordern, was er leisten kann"

"Die Autorität beruht vor allem auf der Vernunft"

"Die Zeit, die du für deine Rose verloren hast, sie macht deine Rose so wichtig."

"Man darf den Blumen nicht zuhören,
man muss sie anschauen und einatmen"

"On ne voit bien qu'avec le cœur, l'essentiel est invisible pour les yeux."

"Aber wenn du mich zähmst, werden wir einander brauchen. Du wirst für mich einzig sein in der Welt. Ich werde für dich einzig sein in der Welt. Ich werde den Klang deines Schrittes kennen, der sich von allen anderen unterscheidet"

"Die Menschen haben diese Wahrheit vergessen", sagte der Fuchs, "Aber du darfst sie nicht vergessen. Du bist zeitlebens für das verantwortlich, was du dir vertraut gemacht hast. Du bist für deine Rose verantwortlich..."

"Die Menschen haben keine Zeit mehr, irgend etwas kennenzulernen. Sie kaufen sich alles fertig in den Geschäften. Aber da es keine Kaufläden für Freunde gibt, haben die Leute keine Freunde mehr."

"Die großen Leute verstehen nie etwas von selbst - und für die Kinder ist es zu anstrengend ihnen immer wieder erklären zu müssen"

" »Die Menschen bei dir zu Hause«, sagte der kleine Prinz, züchten fünftausend Rosen in ein und demselben Garten
...und doch finden sie dort nicht, was sie suchen...«

»Aber die Augen sind blind. Man muß mit dem Herzen suchen.« "

"Es ist viel schwerer, sich selbst zu verurteilen, als über ander zu richten. Wenn es dir gelingt, über dich zu selbst gut zu Gericht zu sitzen, dann bist du ein wirklicher Weiser"

"Ich betrachtete im Mondlicht diese blasse Stirn, diese geschlossenen Augen, diese im Winde zitternde Haarsträhne, und ich sagte mir: Was ich da sehe, ist nur eine Hülle. Das Eigentliche ist unsichtbar..."
Jessi
"Die Menschen bei dir zu Hause", sagte der kleine Prinz, "züchten fünftausend Rosen in ein und demselben Garten ...und doch finden sie dort nicht, was sie suchen ..."

"Sie finden es nicht", antwortete ich ...

"Und dabei kann man das, was sie suchen, in einer einzigen Rose oder in ein bißchen Wasser finden ..."

"Ganz gewiß", antwortete ich. Und der kleine Prinz fügte hinzu:

"Aber die Augen …More
"Die Menschen bei dir zu Hause", sagte der kleine Prinz, "züchten fünftausend Rosen in ein und demselben Garten ...und doch finden sie dort nicht, was sie suchen ..."

"Sie finden es nicht", antwortete ich ...

"Und dabei kann man das, was sie suchen, in einer einzigen Rose oder in ein bißchen Wasser finden ..."

"Ganz gewiß", antwortete ich. Und der kleine Prinz fügte hinzu:

"Aber die Augen sind blind. Man muß mit dem Herzen suchen."
Jessi
Zitate von Antoine de Saint-Exupéry

Das, worauf es im Leben ankommt, können wir nicht vorausberechnen. Die schönste Freude erlebt man immer da, wo man sie am wenigsten erwartet hat.
(L'essentiel, nous ne savons pas le prévoir. Chacun de nous a connu les joies les plus chaudes là où rien ne les promettait.)
Antoine de Saint-Exupéry, Terre des Hommes (Wind, Sand und Sterne)

Man sieht nur mit …More
Zitate von Antoine de Saint-Exupéry

Das, worauf es im Leben ankommt, können wir nicht vorausberechnen. Die schönste Freude erlebt man immer da, wo man sie am wenigsten erwartet hat.
(L'essentiel, nous ne savons pas le prévoir. Chacun de nous a connu les joies les plus chaudes là où rien ne les promettait.)
Antoine de Saint-Exupéry, Terre des Hommes (Wind, Sand und Sterne)

Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.
- Antoine de Saint-Exupéry, Der kleine Prinz

Wenn Du ein Schiff bauen willst, so trommle nicht Männer zusammen, um Holz zu beschaffen, Werkzeuge vorzubereiten, Aufgaben zu vergeben und die Arbeit einzuteilen, sondern lehre die Männer die Sehnsucht nach dem weiten endlosen Meer.
- Antoine de Saint-Exupéry (zugeschrieben, Quelle unklar)

Die Erfahrung lehrt uns, daß Liebe nicht darin besteht, daß man einander ansieht, sondern daß man gemeinsam in gleicher Richtung blickt.
- Antoine de Saint-Exupéry, Wind, Sand und Sterne

So ist das Wesentliche einer Kerze nicht das Wachs, das seine Spuren hinterläßt, sondern das Licht.
- Antoine de Saint-Exupéry, Die Stadt in der Wüste

Denn um klar zu sehen, genügt ein Wechsel der Blickrichtung.
- Antoine de Saint-Exupéry, Die Stadt in der Wüste

Die Vollkommenheit ist unerreichbar. Gewiß ist die Vollkommenheit unerreichbar. Sie hat nur den Sinn, deinen Weg wie ein Stern zu leiten. Sie ist Richtung und Streben auf etwas hin.
- Antoine de Saint-Exupéry, Die Stadt in der Wüste

Und wenn sich andere irren, weil sie deine Wahrheiten unter Berufung auf ihre eigenen Einsichten ablehnen, so sage dir, daß auch du ihre Wahrheiten ablehnst, wenn du unter Berufung auf deine eigenen Einsichten gegen sie zu Felde ziehst. Bejahe sie! Nimm sie an der Hand und führe sie! Sage ihnen: "Ihr habt recht, wir wollen indes den Berg ersteigen!". So stellst du die Ordnung wieder her, und alle atmen die Weite, die sie erobert haben.
- Antoine de Saint-Exupéry, Die Stadt in der Wüste
Jessi
Der kleine Prinz – Antoine de Saint Exupéry

Kapitel XXI


In diesem Augenblick erschien der Fuchs: "Guten Tag", sagte der Fuchs. "Guten Tag", antwortete höflich der kleine Prinz, der sich umdrehte, aber nichts sah. "Ich bin da", sagte die Stimme, "unter dem Apfelbaum ..." "Wer bist du?" sagte der kleine Prinz. "Du bist sehr hübsch ... " "Ich bin ein Fuchs", sagte der Fuchs. "Komm und spiel mit …More
Der kleine Prinz – Antoine de Saint Exupéry

Kapitel XXI


In diesem Augenblick erschien der Fuchs: "Guten Tag", sagte der Fuchs. "Guten Tag", antwortete höflich der kleine Prinz, der sich umdrehte, aber nichts sah. "Ich bin da", sagte die Stimme, "unter dem Apfelbaum ..." "Wer bist du?" sagte der kleine Prinz. "Du bist sehr hübsch ... " "Ich bin ein Fuchs", sagte der Fuchs. "Komm und spiel mit mir", schlug ihm der kleine Prinz vor. "Ich bin so traurig ..." "Ich kann nicht mit dir spielen", sagte der Fuchs. "Ich bin noch nicht gezähmt!" "Ah, Verzeihung!" sagte der kleine Prinz.
Aber nach einiger Überlegung fügte er hinzu: "Was bedeutet das: ,zähmen'?"

"Du bist nicht von hier", sagte der Fuchs, "was suchst du?"

"Ich suche die Menschen", sagte der kleine Prinz. "Was bedeutet ,zähmen'?"

"Die Menschen", sagte der Fuchs, "die haben Gewehre und schießen. Das ist sehr lästig. Sie ziehen auch Hühner auf. Das ist ihr einziges Interesse. Du suchst Hühner?"

"Nein", sagte der kleine Prinz, "ich suche Freunde. Was heißt ,zähmen'?"

"Zähmen, das ist eine in Vergessenheit geratene Sache", sagte der Fuchs. "Es bedeutet: sich vertraut machen "

"Vertraut machen?"

"Gewiß", sagte der Fuchs. "Du bist für mich noch nichts als ein kleiner Knabe, der hunderttausend kleinen Knaben völlig gleicht. Ich brauche dich nicht, und du brauchst mich ebensowenig. Ich bin für dich nur ein Fuchs, der hunderttausend Füchsen gleicht. Aber wenn du mich zähmst, werden wir einander brauchen. Du wirst für mich einzig sein in der Welt. Ich werde für dich einzig sein in der Welt ..."

"Ich beginne zu verstehen", sagte der kleine Prinz. "Es gibt eine Blume ... ich glaube, sie hat mich gezähmt ..."

"Das ist möglich", sagte der Fuchs. "Man trifft auf der Erde alle möglichen Dinge ..."

"Oh, das ist nicht auf der Erde", sagte der kleine Prinz.

Der Fuchs schien sehr aufgeregt: "Auf einem anderen Planeten?" – "Ja."

"Gibt es Jäger auf diesem Planeten?" – "Nein."

"Das ist interessant! Und Hühner?" – "Nein."

"Nichts ist vollkommen!" seufzte der Fuchs. Aber der Fuchs kam auf seinen Gedanken zurück: "Mein Leben ist eintönig. Ich jage Hühner, die Menschen jagen mich. Alle Hühner gleichen einander, und alle Menschen gleichen einander. Ich langweile mich also ein wenig. Aber wenn du mich zähmst, wird mein Leben wie durchsonnt sein. Ich werde den Klang deines Schrittes kennen, der sich von allen andern unterscheidet. Die anderen Schritte jagen mich unter die Erde. Der deine wird mich wie Musik aus dem Bau locken. Und dann schau! Du siehst da drüben die Weizenfelder? Ich esse kein Brot. Für mich ist der Weizen zwecklos. Die Weizenfelder erinnern mich an nichts. Und das ist traurig. Aber du hast weizenblondes Haar. Oh, es wird wunderbar sein, wenn du mich einmal gezähmt hast! Das Gold der Weizenfelder wird mich an dich erinnern. Und ich werde das Rauschen des Windes im Getreide liebgewinnen."

Der Fuchs verstummte und schaute den Prinzen lange an: "Bitte ... zähme mich!" sagte er.

"Ich möchte wohl", antwortete der kleine Prinz, "aber ich habe nicht viel Zeit. Ich muß Freunde finden und viele Dinge kennenlernen."

"Man kennt nur die Dinge, die man zähmt", sagte der Fuchs. "Die Menschen haben keine Zeit mehr, irgend etwas kennenzulernen. Sie kaufen sich alles fertig in den Geschäften. Aber da es keine Kaufläden für Freunde gibt, haben die Leute keine Freunde mehr. Wenn du einen Freund willst, so zähme mich!"

"Was muß ich da tun?" sagte der kleine Prinz.

"Du mußt sehr geduldig sein", antwortete der Fuchs.

"Du setzt dich zuerst ein wenig abseits von mir ins Gras. Ich werde dich so verstohlen, so aus dem Augenwinkel anschauen, und du wirst nichts sagen. Die Sprache ist die Quelle der Mißverständnisse. Aber jeden Tag wirst du dich ein bißchen näher setzen können ..."

Am nächsten Morgen kam der kleine Prinz zurück.

"Es wäre besser gewesen, du wärst zur selben Stunde wiedergekommen", sagte der Fuchs. "Wenn du zum Beispiel um vier Uhr nachmittags kommst, kann ich um drei Uhr anfangen, glücklich zu sein. Je mehr die Zeit vergeht, um so glücklicher werde ich mich fühlen. Um vier Uhr werde ich mich schon aufregen und beunruhigen; ich werde erfahre, wie teuer das Glück ist. Wenn du aber irgendwann kommst, kann ich nie wissen, wann mein Herz da sein soll ... Es muß feste Bräuche geben."

"Was heißt ,fester Brauch?'"

"Auch etwas in Vergessenheit Geratenes", sagte der Fuchs. "Es ist das, was einen Tag vom andern unterscheidet, eine Stunde von den andern Stunden. Es gibt zum Beispiel einen Brauch bei meinen Jägern. Sie tanzen am Donnerstag mit dem Mädchen des Dorfes. Daher ist der Donnerstag der wunderbare Tag. Ich gehe bis zum Weinberg spazieren. Wenn die Jäger irgendwann einmal zum Tanze gingen, wären die Tage alle gleich und ich hätte niemals Ferien."

So machte denn der kleine Prinz den Fuchs mit sich vertraut. Und als die Stunde des Abschieds nahe war:

"Ach!" sagte der Fuchs, "ich werde weinen."

"Das ist deine Schuld", sagte der kleine Prinz, "ich wünschte dir nichts Übles, aber du hast gewollt, daß ich dich zähme ..."

"Gewiß", sagte der Fuchs.

"Aber nun wirst du weinen!" sagte der kleine Prinz.

"Bestimmt", sagte der Fuchs.

"So hast du also nichts gewonnen!"

"Ich habe", sagte der Fuchs, "die Farbe des Weizens gewonnen."

Dann fügte er hinzu: "Geh die Rosen wieder anschauen. Du wirst begreifen, daß die deine einzig ist in der Welt. Du wirst wiederkommen und mir adieu sagen, und ich werde dir ein Geheimnis schenken."

Der kleine Prinz ging, die Rosen wiederzusehn: "Ihr gleicht meiner Rose gar nicht, ihr seid noch nichts", sagte er zu ihnen. "Niemand hat sich euch vertraut gemacht und auch ihr habt euch niemandem vertraut gemacht. Ihr seid, wie mein Fuchs war. Der war nichts als ein Fuchs wie hunderttausend andere. Aber ich habe ihn zu meinem Freund gemacht, und jetzt ist er einzig in der Welt."

Und die Rosen waren sehr beschämt.

"Ihr seid schön, aber ihr seid leer", sagte er noch. "Man kann für euch nicht sterben. Gewiß, ein Irgendwer, der vorübergeht, könnte glauben, meine Rose ähnle euch. Aber in sich selbst ist sie wichtiger als ihr alle, da sie es ist, die ich begossen habe. Da sie es ist, die ich unter den Glassturz gestellt habe. Da sie es ist, die ich mit dem Wandschirm geschützt habe. Da sie es ist, deren Raupen ich getötet habe (außer den zwei oder drei um der Schmetterlinge willen). Da sie es ist, die ich klagen oder sich rühmen gehört habe oder auch manchmal schweigen. Da es meine Rose ist."

Und er kam zum Fuchs zurück: "Adieu", sagte er ...

"Adieu", sagte der Fuchs. "Hier mein Geheimnis. Es ist ganz einfach: man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar."

"Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar", wiederholte der kleine Prinz, um es sich zu merken.

"Die Zeit, die du für deine Rose verloren hast, sie macht deine Rose so wichtig."

"Die Zeit, die ich für meine Rose verloren habe ...", sagte der kleine Prinz, um es sich zu merken.

"Die Menschen haben diese Wahrheit vergessen", sagte der Fuchs. "Aber du darfst sie nicht vergessen. Du bist zeitlebens für das verantwortlich, was du dir vertraut gemacht hast. Du bist für deine Rose verantwortlich ..."

"Ich bin für meine Rose verantwortlich ...", wiederholte der kleine Prinz, um es sich zu merken.

Kapitel XXIV

Als wir stundenlang schweigend dahingezogen waren, brach die Nacht herein, und die Sterne begannen zu leuchten. Ich sah sie wie im Traum, ich hatte ein wenig Fieber vor Durst. Die Worte des kleinen Prinzen tanzten durch mein Bewußtsein:

"Du hast also auch Durst?" fragte ich ihn. Er antwortete nicht auf meine Frage. Er sagte einfach: "Wasser kann auch gut sein für das Herz ..."

Ich verstand seine Worte nicht, aber ich schwieg ... Ich wußte gut, daß man ihn nicht fragen durfte.

Er war müde. Er setzte sich. Ich setzte mich neben ihn. Und nach einem Schweigen sagte er noch: "Die Sterne sind schön, weil sie an eine Blume erinnern, die man nicht sieht ..." Ich antwortete: "Gewiß", und betrachtete schweigend die Falten des Sandes unter dem Monde.

"Die Wüste ist schön", fügte er hinzu ...

Und das war wahr. Ich die Wüste immer geliebt. Man setzt sich auf eine Sanddüne. Man sieht nichts. Man hört nichts. Und währenddessen strahlt etwas in der Stille.

"Es macht die Wüste schön«, sagte der kleine Prinz, »daß sie irgendwo einen Brunnen birgt."

Ich war überrascht, dieses geheimnisvolle Leuchten des Sandes plötzlich zu verstehen. Als ich ein kleiner Knabe war, wohnte ich in einem alten Haus, und die Sage erzählte, daß darin ein Schatz versteckt sei. Gewiß, es hat ihn nie jemand gesucht. Aber er verzauberte dieses ganze Haus. Mein Haus barg ein Geheimnis auf dem Grunde seines Herzens ...

"Ja", sagte ich zum kleinen Prinzen, "ob es sich um das Haus, um die Sterne oder um die Wüste handelt, was ihre Schönheit ausmacht, ist unsichtbar!"

"Ich bin froh", sagte er, "daß du mit meinem Fuchs übereinstimmst."

Da der kleine Prinz einschlief, nahm ich ihn in meine Arme und machte mich wieder auf den Weg. Ich war bewegt. Mir war, als trüge ich ein zerbrechliches Kleinod. Es schien mir sogar, als gäbe es nichts Zerbrechlicheres auf der Erde. Ich betrachtete im Mondlicht diese blasse Stirn, diese geschlossenen Augen, diese im Winde zitternde Haarsträhne, und ich sagte mir: Was ich da sehe, ist nur eine Hülle. Das Eigentliche ist unsichtbar ... [...]

Kapitel XXV

[...]

Der Brunnen, den wir erreicht hatten, glich nicht den Brunnen der Sahara. Die Brunnen der Sahara sind einfache, in den Sand gegrabene Löcher. Dieser da glich einem Dorfbrunnen. Aber es war keinerlei Dorf da, und ich glaubte zu träumen.

"Das ist merkwürdig", sagte ich zum kleinen Prinzen, "alles ist bereit: die Winde, der Kübel und das Seil ..."

Er lachte, berührte das Seil, ließ die Rolle spielen. Und die Rolle knarrte wie ein altes Windrad, wenn der Wind lange geschlafen hat.

"Du hörst", sagte der kleine Prinz, "wir wecken diesen Brunnen auf, und er singt ..." Ich wollte nicht, daß er sich abmühte: "Laß mich das machen", sagte ich zu ihm, "das ist zu schwer für dich."

Langsam hob ich den Kübel bis zum Brunnenrand. Ich stellte ihn dort schön aufrecht. In meinen Ohren war noch immer der Gesang der Zugwinde, und im Wasser, das noch zitterte, sah ich die Sonne zittern. "Ich habe Durst nach diesem Wasser", sagte der kleine Prinz, "gib mir zu trinken ..."

Und ich verstand, was er gesucht hatte.

Ich hob den Kübel an seine Lippen. Er trank mit geschlossenen Augen. Das war süß wie ein Fest. Dieses Wasser war etwas ganz anderes als ein Trunk. Es war entsprungen aus dem Marsch unter den Sternen, aus dem Gesang der Rolle, aus der Mühe meiner Arme. Es war gut fürs Herz, wie ein Geschenk. Genau so machten, als ich ein Knabe war, die Lichter des Christbaums, die Musik der Weihnachtsmette, die Sanftmut des Lächelns den eigentlichen Glanz der Geschenke aus, die ich erhielt.

"Die Menschen bei dir zu Hause", sagte der kleine Prinz, "züchten fünftausend Rosen in ein und demselben Garten ...und doch finden sie dort nicht, was sie suchen ..."

"Sie finden es nicht", antwortete ich ...

"Und dabei kann man das, was sie suchen, in einer einzigen Rose oder in ein bißchen Wasser finden ..."

"Ganz gewiß", antwortete ich. Und der kleine Prinz fügte hinzu:

"Aber die Augen sind blind. Man muß mit dem Herzen suchen." —