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Plötzliche Heilung einer Sterbenden von schwerstem Fieber auf die Fürbitte des hl. Leonhard von Porto Maurizio

Der Heilige, in Porto Maurizio, dem heutigen Imperia an der ligurischen Küste, am 20. 12. 1676 geboren, hat von 1708 an bis zu seinem Tode in Rom am 26. 11. 1751 als Volksmissionar gewirkt. Um die Früchte der Mission zu sichern, hat er über 500 Kreuzwege errichtet und dadurch den Kreuzweg zu einer allgemeinen katholischen Andacht gemacht.

Der folgende Text ist übersetzt aus der Positio super novis miraculis post indultam venerationem, Romae 1838, S. 26–45.

Nach der Diagnose des behandelnden Arztes hatte die Geheilte „perniziöses Fieber“, d. h. die gefährliche (tropische) Form von Malaria. Am gefährlichsten und fast immer tödlich ist nach Luigi Segatore, Dizionario medico, Novara 1967, S. 771, die malaria perniciosa algida, „die durch das rasche Fallen der Temperatur charakterisiert ist. Der Kranke hat die Stirn übersät mit kalten und klebrigen Schweißtropfen, das Gesicht ist bleich und wie das eines Toten, die Extremitäten eisig und bläulich, der Puls fast nicht feststellbar. Wenn nicht rechtzeitig mit Chinin und Herzmitteln geholfen wird, kann der Patient von einem Augenblick zum andern an Herzkollaps sterben.“ Der behandelnde Arzt nannte die Krankheit auch lethargisches Fieber. Durch Festsetzen und schnelle Vermehrung der Malariaerreger im Gehirn kommt es nämlich zu Benommenheit und Bewußtlosigkeit. Die Diagnose Malaria findet eine starke Stütze in dem, was Zeuge 5 über das epidemische Auftreten der Krankheit sagt. – – Diese Bemerkungen sollen nur Hinweise zu einem besseren Verständnis geben, und keine gesicherte Diagnose darstellen. Für die Beurteilung ist nicht die genaue Diagnose wichtig, sondern der sekundenschnelle Übergang vom Sterben zu vollkommener Gesundheit.


Zeuge 5, Herr Apotheker Michael Paterni, erklärte: Ich muß, glaube ich, vorausschicken, daß dies Ereignis geschah, wie ich mich jetzt gut erinnere, vor 19 oder 20 Jahren. Damals herrschte eine Epidemie von dieser perniziösen Lethargie, an der sehr viele starben, und es war eine so klare Krankheit, daß kein Zweifel über die Behandlung bestehen konnte. Was notwendig verabreicht werden mußte, war Chinarinde. Wer damals von dieser Krankheit befallen war, mußte ohne Zweifel sterben, wenn ihm keine Chinarinde verabreicht wurde oder wenn er sie nicht einnehmen konnte: Nach dieser Vorbemerkung sage ich, daß die Frau Carpineti von einem dieser Anfälle überrascht wurde, und der Arzt erkannte tatsächlich die Krankheit sofort. Ich erinnere mich sehr gut, daß Klemens Colucci in meinen Laden kam und mir über den Zustand berichtete, in dem sich Frau Elisabeth befand, nämlich daß sie Fieber habe mit starker Benommenheit oder schon richtiger mit wahrer Lethargie. Es war darum kein Zweifel, daß sie an der damals grassierenden Krankheit litt, für die Chinarinde unumgänglich ist. Er sagte mir, diese sei ihr vom Arzt verordnet worden, und er war sehr darauf bedacht, sie in der besten Qualität zu bekommen. Da mir als Freund des Hauses ebenfalls das Gesundwerden dieser Dame am Herzen lag, suchte ich zusammen mit Colucci in den Schubläden mit Chinarinde jene heraus, die mir die kräftigste zu sein schien. Er selbst zerstampfte sie mit seinen eigenen Händen, siebte sie und brachte sie der Kranken, oder richtiger, in das Haus der Kranken. Denn alle Bemühungen waren umsonst gewesen. In ihrem Zustand von Ohnmacht nämlich und bei ihren zusammengepreßten Zähnen konnte Frau Elisabeth auch nicht die kleinste Dosis zu sich nehmen. Das sagten mir jene, die sie pflegten, und ich selbst habe es gesehen, und ich erinnere mich, daß mir nach der Heilung der Frau Elisabeth das Chinapulver unvermindert zurückgegeben wurde, damit ich es weitergeben könne, denn wegen der Epidemie war großer Bedarf danach. – –

Herr Paul Pozzi, der behandelnde Arzt, erklärte: Tägliches Fieber hatte ungefähr sieben oder acht Tage Frau Carpineti gequält. Darauf ging es ihr etwa eine Woche lang gut. Dann befiehl sie hohes Fieber mit lethargischer Benommenheit. Ich wurde sofort gerufen und sah die Kranke gegen Mittag, den Tag weiß ich nicht mehr, aber es war im April des Jahres 1815. Zunächst glaubte ich, die täglichen Fieberanfälle kämen wieder, und dachte, die Benommenheit sei eine Wirkung von Schlaflosigkeit in der vorausgegangenen Nacht. Am gleichen Abend stellte ich wieder das Fieber fest und daß sie bewußtlos war. Ich rief sie mehrere Male an, aber vergeblich, sie gab kein Zeichen von sich, daß sie mich gehört, geschweige denn erkannt hätte. Da konnte ich mit Sicherheit sagen, die Krankheit der Frau Elisabeth sei perniziöses, lethargisches Fieber. Die Kranke hat auch nicht die kleinste Dosis Chinapulver genommen. Nach dem Essen hörte ich bei meinem Besuch, sie habe kein China genommen. Ich betonte stark die unbedingte Notwendigkeit dieses Medikamentes, aber alle Bemühungen der Hausgenossen waren vergeblich. So kam es, wie ich vorausgesehen hatte: Am nächsten Tage neuer Fieberanfall mit Lethargie. Als ich am Morgen wieder hinging, sah ich schon, daß das Fieber wieder zurückkehrte. Bevor in diesem zweiten Anfall die Kranke bewußtlos wurde, klagte sie über stechenden Schmerz unter der Brust – ich weiß nicht mehr, ob unter der rechten oder der linken –, und ich sah, daß ihr Auswurf Blutfäden zeigte, teils geronnene und teils frische, die aus der Lunge kamen, da sie mit dem Husten herausbefördert wurden und von hellroter Farbe waren. Da die Krankheit, wie gesagt, perniziöses Fieber war, mußte, da keinerlei China eingenommen war, ein dritter Fieberanfall kommen und zwar stärker als die vorausgegangenen. Dieser kam nach einem anfallfreien Tage, das Fieber packte sie gegen Mittag und war von der gewöhnlichen Bewußtlosigkeit begleitet. Das Fieber war hoch, der Puls wurde spürbar schwächer, und meine Prognose war, daß dieser dritte Anfall tödlich verlaufen würde. Bei Anrufen gab sie keinerlei Zeichen von Verstehen. Auch Salmiakgeist, unter ihre Nase gehalten, hatte keinerlei Wirkung. Ich ließ ihr zwei Senfpflaster unter den Fußsohlen anbringen und ein blasenziehendes Mittel unter der Brust. Ich hielt all das für unnütz, wollte aber nichts unversucht lassen. Ich erklärte jedoch, daß ich ihren letzten Augenblick nahe glaubte, darum ließ ich den Pfarrer holen, daß er ihr wenigstens die heilige Ölung spende. Es war etwa 22 Uhr, als die Krankheit ihren letzten Grad erreicht hatte und die Wendung zur vollkommenen Heilung auf wundersame Weise geschah. Die Augen der Kranken waren da glasig und unbeweglich und mit der letzten Träne, die Nase spitz, das Gesicht leichenhaft, die Schläfen eingefallen, kalter Schweiß im Gesicht, die Extremitäten kalt, der Puls fast nicht wahrnehmbar und unregelmäßig. Röcheln, völlige Kraftlosigkeit, Liegen auf dem Rücken, alles Zeichen des nahen Todes. – –

Die Geheilte: Das Fieber fing mit einer großen Mattigkeit an, ich lag noch, da ich mich von dem vorausgegangenen Fieber noch nicht erholt hatte. Dazu kamen Kopfschmerzen, die am ersten und zweiten Tag nicht so schwer waren, mich aber doch benommen machten, so daß ich nicht recht verstand. Ich erkannte anfangs noch die Personen und den Arzt, aber nachher nicht mehr. Auch kam mir weiter Blut aus dem Munde. Es wurde der Pfarrer geholt, Don Dominikus Maria Pini, er gab mir das heilige Öl, ich erinnere mich an nichts. Er gab es mir nicht beim ersten Besuch, sondern als man mich aufgegeben hatte. Ich erinnere mich auch nicht, daß er mir die Sterbegebete verrichtete, obwohl er sie mit lauter Stimme und mit dem Mund bei meinem Ohre betete. In den beiden letzten Tagen der Krankheit war ich ohne Bewußtsein, das mag eine Wirkung des Fiebers oder der großen Schwäche oder der heftigen Kopfschmerzen gewesen sein. Wenn der Herr mich in diesen beiden Tagen abberufen hätte, wäre ich gegangen, ohne den großen Schritt zu erkennen, den ich tat. Ich war ganz kalt, und man wärmte mir die Füße und Knie mit Stücken von weißer Wolle. – –

Zeuge 3 sah die Kranke in dem Augenblick, als das Wunder geschah. Diese lag völlig kraftlos da mit offenem Mund, die Augen aufgerissen in einer Weise, daß man nur das Weiße sah, während die Pupille völlig unter dem Oberlid verschwunden war, das Gesicht war eine feurige Maske, es schien mir wie geschwollen und als wenn die Kranke erstickte. Bewegungslos und bewußtlos lag sie da, der Anblick flößte Entsetzen und Ekel ein. Die Zeugin war überzeugt, die Sterbende müsse binnen kurzem tot sein, der Arzt hatte gesagt, sie werde nicht bis 22 Uhr leben. „Da sah ich mit einem Mal, daß sie anfing, mit dem Mund Sprechbewegungen zu machen, den Kopf zu drehen, sie schien etwas zu sagen, was ich aber nicht verstand, so wenig wie die anderen, da sie eine geschwollene Zunge hatte, auch fing sie an, die Hände zu bewegen. Bei diesen Zeichen glaubte ich, sie stehe unmittelbar vor ihrem letzten Atemzug und es wären das die letzten Zuckungen des Lebens, darum erhob ich mich und ging näher zur Tür, um zu fliehen, da ich keinen sterben sehen kann. Auch die anderen glaubten, sie stürbe, und alle traten ans Bett.“

Eine Zeugin (Zeuge 4) hatte den Pfarrer der Bewußtlosen die Sterbegebete verrichten gehört. Sie hob dann die Decke hoch, um zu sehen, ob die Füße kalt seien, „und ich spürte, daß sie kälter als Marmor waren, der Eindruck von dieser Kälte blieb mir derart tagelang haften, daß ich glaubte, sie immer noch zu fühlen, und auch jetzt noch erinnere ich mich mit Schauder daran. Sie war so häßlich, daß sie schon eine Leiche zu sein schien. Die Lippen waren trocken und bleich, die Augen halb geschlossen und sehr häßlich, die Nase spitz, die Backen gelb, die Knochen hervorstechend, der Atem sehr schlecht, in einem Wort, sie glich schon einem Leichnam, und zum Tode fehlte nur ein Augenblick. Ich war so entsetzt, daß ich, als ich mich kurz aufgehalten und ein paar Vaterunser zum sel. Leonhard gebetet hatte, nach einem neuen Blick auf den erbarmungswürdigen Zustand mich davonmachte, um im Augenblick des Todes nicht dabei zu sein.“ – –

Zeuge 9: Zu der Krankheit der Frau Elisabeth kamen Lethargie und Ohnmacht hinzu. Der Arzt erklärte, es sei absolut unmöglich, daß sie wieder gesund werden könne. Ich hatte dem Herrn Antonius die Nachricht gebracht, daß man den Tod seiner Gattin als unmittelbar bevorstehend ansehe. Dieser gab mir Anweisungen für die Beerdigung, um durch solche nicht die Trauer zu vermehren nach Eintritt des Todes. Ich sah Frau Elisabeth wenig mehr als eine Viertelstunde vor dem Wunder. Beim ersten Blick schien sie mir schon gestorben zu sein, so daß ich fragte, ob sie schon wirklich tot sei.

Zeuge 10, von Amts wegen zitiert, der Vikar: Man hatte mich eilends in das Haus gerufen, da man jeden Augenblick den Tod erwartete. Ich erinnere mich gut, daß ich auf Grund meiner Erfahrung an vielen Sterbebetten glaubte, der Tod stehe unmittelbar bevor. Alle Anwesenden waren derselben Meinung. – –

Die Geheilte wie auch ihre Familie verehrte in besonderer Weise den sel. Leonhard von Porto Maurizio.

Über die Heilung berichtete Zeuge 1, der behandelnde Arzt Dr. Pozzi: Plötzlich sahen wir, wie sie sich erhob, mit dem Körper sich krümmte, indem sie sich auf die Fußsohlen und den Hinterkopf stützte, die Hände hatte sie zum Himmel erhoben. Ich wies den Pfarrer auf diesen unerwarteten Anblick hin und stand auf, um zu sehen, was los sei. Die Kranke sagte mit klarer und unbehinderter Stimme, nachdem sie sich im Bett aufgesetzt hatte: „Der Strick, der Strick“ und „der sel. Leonhard“, und sie wiederholte dies mehrmals. Überrascht, wie wir waren, sagten wir ihr, sie möge sich beruhigen, und um sie zu beruhigen, wurde ihr eine Gardinenkordel in die Hand gegeben. Aber sie sagte, sie suche den Strick des sel. Leonhard, der dick sei und am Ende einen Knoten habe. Von uns gefragt, warum sie ihn suche, antwortete sie, sie habe den Seligen auf zwei Wolken aus der Höhe herabsteigen gesehen, und er sei dann ungefähr zwei Spannen über ihrem Bett schweben geblieben und habe ihr gesagt, sie solle in seine Kirche gehen und dort die Messe hören. Die Frau Carpineti hat ihm darauf geantwortet, es sei ihr das wegen ihrer großen Schwäche unmöglich. Der Selige erwiderte darauf, sie solle sich an seinem Strick festhalten. Die Frau tat das, und so erhob sie sich an dem Strick in ihrem Bett. Es hatte ihr geschienen, als ob sie sehr hoch mitgezogen worden sei. Das Gesicht verschwand, und sie versicherte uns, sie fühle sich ausgezeichnet. Sie hatte in der Tat sehr gut den Gebrauch der Vernunft, Sprache und natürliche Farbe wiedererlangt, in einem Wort, dem ganzen Anblick nach war sie in den Zustand von guter Gesundheit zurückgekehrt. Um ihre völlige Heilung zu beweisen, sagte sie, daß sie sofort aufstehen wolle, und mit Gewalt wollte sie es tun. Wir hielten sie hin, indem wir sagten, wir müßten ihr erst die Senfpflaster abnehmen und uns um die blasenziehenden Pflaster kümmern. Die Senfpflaster wurden abgenommen, aber ich glaube, daß bei der freudigen Überraschung ihr nicht gut die ganze klebrige Masse abgemacht worden ist, und die Fußsohlen wurden ihr nicht gewaschen. Die blasenziehenden Pflaster auf den Hüften wurden gelöst, die einige Tage vorher angelegt waren und am Morgen besorgt worden waren. Man hatte da eine richtige Wunde festgestellt, jedoch eine blasse, wie sie natürlicherweise zu sein pflegt, wenn der Tod bevorsteht. Es war zum Staunen, wie man jetzt sah, daß die Haut zurückgekehrt war und die Wunde geschlossen, in einem Wort, sie war vollkommen geheilt . . . Nach diesen Feststellungen kleidete sie sich sofort an, ging mit größter Behendigkeit durch das Haus, empfing die Glückwünsche der Freundinnen und Hausleute und der Besucher. Kurz nach dem Wunder aß sie mit Appetit und bewies durch all ihr Tun ihre vollkommene Heilung. Die Heilung war so vollständig und vollkommen, daß sie nicht nur befreit blieb von dem perniziösen Fieber, sondern auch von allen anderen Krankheiten und Beschwerden, an denen sie vorher gelitten hatte, von denen ich nur den Bluthusten erwähne, der von da an aufgehört hat. Vor diesem perniziösen Fieber wurde ich fast jede Woche zu ihr geholt. Nach dem Wunder ist sie immer bei guter Gesundheit gewesen und hat keinen Arzt mehr nötig gehabt. – –

Die Geheilte: Wie schon gesagt, war es gegen 20.30 Uhr des 28. April, der in jenem Jahre auf einen Freitag fiel. Ich glaubte also, den sel. Leonhard zu sehen, oder ich sah ihn wirklich, wie er auf zwei Wolken vom Himmel herabstieg. Ich sah weder Sonnenschein noch Himmel, sondern aus großer Höhe ganz langsam unsern Seligen auf zwei Wolken herabsteigen. Er hatte den Franziskanerhabit an ohne Mantel, ohne Kapuze auf dem Kopf, die Hände hielt er auf der Brust, die eiserne Geißel hing an seinem Strick, das Kreuz war vor der Brust, um sein Haupt hatte er einen Strahlenkranz, wie er ihn in seiner Urne hat unter dem Altar der Kirche San Bonaventura. Ich sah ihn ganz langsam aus dieser großen Höhe herabsteigen. Er blieb ungefähr zwei Spannen über meinen Füßen schweben. Dann schaute er mich an und sagte mit engelgleicher, übermenschlicher Stimme: „Kommt morgen früh zur Kirche, um die hl. Messe zu hören!“ Ich hatte da, wie mir nach dem Wunder die Anwesenden bestätigten, die Augen auf, und so kann ich, ohne Gefahr mich zu irren, versichern, daß ich mit meinen eigenen Augen meinen großen Wohltäter, den sel. Leonhard, gesehen habe. Kaum hatte ich die angegebenen Worte gehört, da antwortete ich: „Jawohl, mein Herr, aber ich bin schwach“, ohne die schwere Krankheit bedacht zu haben, an der ich litt, denn ich war mir wirklich nicht bewußt gewesen, daß ich meiner Sinne nicht mehr mächtig gewesen war, und ich dachte nur an die äußerst große Schwachheit, in der ich mich befand, bevor ich das Bewußtsein verlor. Mit derselben engelgleichen Stimme erwiderte der Selige: „Haltet euch fest an meinem Strick!“, und er reichte ihn mir mit seiner rechten Hand, und ich ergriff ihn mit allen beiden Händen. Da sah ich, wie der Selige geradeaus zum Himmel zurückkehrte, und mir schien, er zöge mich auch mit durch die Luft. Diejenigen, die im Zimmer dabei waren, sagten mir in der Tat, als ich wieder zu mir gekommen war, ich hätte mich mit dem Körper im Bett erhoben, oder, genauer gesagt, ich hätte mich mit ihm gebogen, indem ich mich im Bett nur auf die Füße und den Kopf stützte.

Ich setzte mich auf das Bett und war wieder hell bei mir, wie wenn ich die beiden Tage geschlafen hätte. Ich fühlte mich plötzlich bei Kräften und spürte keine Schmerzen mehr, weder in der Brust, noch im Hals, noch im Kopf, noch sonstwo. Ich verspürte nur, daß ich unbedingt zu essen bekommen müsse. Dieses Bedürfnis hatte ich lange Zeit nicht gehabt. Ich bat darum um Brot. Überrascht über dieses Neue, waren alle starr. Aber auf mein wiederholtes Bitten, sie möchten mir ein Stück Brot geben, brachte man mir zu essen. Ich aß sofort mit Heißhunger und mit Wohlgefallen auch Fleisch, weil ich nicht wußte, daß Freitag war. Darauf nahm ich ein frisches Trinkei und dann mit Brot zwei gebratene kleine Fische, weil ich Appetit hatte. Da ich mich wohl bei Kräften fühlte, verlangte ich meine Kleider. Und in Gegenwart meines Mannes, meiner Dienerin, Frau Theresa, meiner Schwestern – alle diese sind schon tot – fing ich an, mich anzuziehen. Aber da fielen allen die blasenziehenden Pflaster an den Füßen und Schenkeln ein, die am Morgen noch, glaube ich, und am Vortage nachgesehen waren, und man sagte, man müsse diese aufmachen und erst nachsehen. Man tat es, und groß war die Überraschung aller, als sie sahen, daß die Stellen geheilt und mit Haut überzogen waren, so daß nur ein Fleck da war ohne eine Spur von Wunde. Alles war sauber wie die Fläche einer Hand, und man brauchte keinen Reispuder oder sonst etwas zum Trockenhalten aufzulegen, weil alles sauber war . . . Ich fühlte mich so wohl und kräftig, daß ich an diesem Tage die Glückwünsche meiner Freundinnen empfangen konnte, die kamen, um sich mit mir zu freuen. Ich konnte an diesem Abend alles tun, was Gesunde tun. Ich speiste zu Abend mit großem Appetit, ich aß eine große Portion Makkaroni, die Frau Theresa im Hause gemacht hatte, um meine Heilung zu feiern. Ich aß auch gebackene Artischocken und in Öl gesottene Eierkuchen mit Artischocken. Klemens Colucci und der Arzt, Herr Dr. Pozzi, die unsere Tischgäste waren, wollten nicht, daß ich diese Speisen äße, da sie zu schwer wären, insbesondere nach einer so langen und gefährlichen Krankheit und vor allem, weil ich wenige Stunden vorher in den letzten Zügen gelegen hatte. Ich fühlte mich sehr wohl und lachte über sie alle und aß, wie gesagt, sehr kräftig, und habe nachher nicht die geringste Beschwerde davon gehabt. Am folgenden Morgen ging es, wie es mit dem Herrn Pfarrer Pini schon abgemacht war, zur Kirche San Bonaventura, um dem sel. Leonhard zu danken. Ich hörte die Messe, kommunizierte, ohne daß mir die Nüchternheit irgendwie schwergefallen wäre. Ich fühlte mich so wohl und stark, daß ich hätte zu Fuß hingehen und zurückgehen können. Aber um meinem Manne zu gehorchen, fuhren wir im Wagen hin. Er hatte zwei Wagen mitgenommen, weil mit uns der Pfarrer, Klemens Colucci, der Arzt und andere fuhren. Das ist, so gut ich mich erinnere, die genaue Geschichte meiner wunderbaren augenblicklichen Heilung. Seitdem erfreue ich mich einer vollen und vollkommenen Gesundheit, und ich habe niemals mehr irgendeine Krankheit gehabt.

Zeuge 9: Als ich bei Herrn Antonius war und von ihm Anweisungen für das Begräbnis erhielt, hörte man aus den Zimmern der Kranken lautes Schreien. Wir konnten nicht unterscheiden, ob es Klage oder Freude war, und ihr Gatte, der in keiner Weise an ein Wunder dachte, sagte zu mir: „Geht und schaut, ob sie jetzt tot ist!“ Ich ging, wirklich überzeugt davon, daß es so sei, aber ich war hoch überrascht, als ich, statt einer Toten, Frau Elisabeth vollkommen geheilt auf dem Bette sitzen sah, wie wenn sie niemals krank gewesen wäre, und dem Stimmengewirr entnahm ich, dies sei durch ein Wunder des sel. Leonhard gekommen. Ich kümmerte mich in diesem Augenblick nicht um die Frage, wie das geschehen sei, sondern eilte, die Nachricht ihrem Mann zu bringen. Jeder kann sich die freudige Überraschung des Herrn Antonius vorstellen . . . Ich habe später die Geheilte häufig besucht und habe immer die Freude gehabt, sie in bester Gesundheit zu sehen. – –

Der ausgezeichnete Gesundheitszustand ist auch zwanzig Jahre nach der Heilung gerichtsärztlich von den Sachverständigen festgestellt worden, es sind also keine Schäden, z. B. an Leber und Milz, zurückgeblieben.

Der Apotheker Michael Paterni erklärte, ein Beweis für den guten Gesundheitszustand der Geheilten sei, daß er ihr niemals mehr habe eine Medizin bereiten müssen, was vor dem Wunder ganz anders gewesen sei.

Es seien noch ein paar kurze Sätze der folgenden Augenzeugen der Heilung herausgezogen:

Zeuge 3: Die Heilung geschah in einem Augenblick und war vollkommen. Ich sah sie plötzlich auf ihrem Bette sitzen, sie sprach mit natürlicher Stimme. Die Stimme war, nachdem sie gegessen hatte, noch besser. Sie hatte Kräfte wie ein Gesunder, verstand alle und schien niemals krank gewesen zu sein.

Zeuge 4: Sie war so gut geheilt, daß sogar ihr Gesicht ein gesundes, wenn auch blasses, farbloses Aussehen hatte. Sie selbst erkannte, daß sie ihre Kräfte wiedererlangt hatte, darum verlangte sie ihre Kleider. Ich sah sie frei und behende durch das Zimmer gehen, wie wenn sie nie krank gewesen wäre.

Zeuge 8, die Nichte der Geheilten: Während ich in der größten Angst schwebte, sie würde jeden Augenblick sterben, sahen wir plötzlich, wie sie ihre Arme erhob, sich bog, und in einem Nu saß sie auf dem Bett und sagte, sie sei geheilt . . . Von denen, die im Zimmer waren, und mir scheint, der Pfarrer Pini kam auch noch, wurden Gebete zu Ehren des sel. Leonhard verrichtet als Danksagung für das Wunder.

Aus: Wilhelm Schamoni, Wunder sind Tatsachen. Eine Dokumentation aus Heiligsprechungsakten, 2. Auflage, Würzburg/Stein am Rhein/Linz 1976, S. 135-141.
sudetus
Beten wir bitte auch oft das wunderbare Gnadengebet des hl. Benedikt Josef Labre, so wichtig gerade jetzt !