Wer wird gerettet?

Eine grundlegende Frage für jeden Christen: Wer wird gerettet? Derjenige, der den richtigen Glauben aber
ein hartes Herz hat, oder derjenige, der die Werke hat, aber einen schlechten Glauben?

Die Antwort findet sich in den beiden Geboten, die das Gesetz zusammenfassen: "Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit all deiner Kraft" (also musst den richtigen Glauben haben, denn es gibt nur einen Gott und nur eine Wahrheit), aber auch "Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst" (also musst du auch die guten Werke haben). Jesus Christus antwortet uns also klar und deutlich, dass die Einhaltung beider Gebote unerlässlich ist, um gerettet zu werden (auch wenn das erste Gebot chronologisch Vorrang vor dem zweiten hat).

Denn wer behauptet, Gott zu lieben und gleichzeitig den Menschen (der doch ein Abbild Gottes ist) zu verachten, widerspricht sich zwangsläufig selbst und geht in die Irre. Man kann nicht Gott lieben und gleichzeitig seine wertvollste Schöpfung verabscheuen. Diejenigen, die sich in diese Sackgasse begeben, stammen in der Regel aus dem sedevakantistischen Milieu; sie benutzen ihre Liebe zu Gott, um ihren Hass auf die Menschen im Grunde zu rechtfertigen. Sie sind wie die Pharisäer und die "Gesetzeslehrer" Fetischisten des Legalismus. Dies ist natürlich eine teuflische Sackgasse (die der Herr oft angeprangert hat).

Auf der anderen Seite des Schachbretts haben wir diejenigen, die im Gegenteil behaupten, dass das Wesentliche die Liebe zu den Menschen sei und dass Gott in gewisser Weise "überflüssig" sei. Das ist im Grunde die Ideologie der Freimaurerei. Das Ergebnis dieser nicht-transzendentalen Ethik ist bekannt: Selbstvergötterung des Menschen (der zu seinem eigenen Gott und damit zu seinem eigenen Dämon wird), die ihn unumkehrbar und inhärent zu seiner Zerstörung führt (Legalisierung der Abtreibung und der Homo-Ehe etc.)

Die Liebe Gottes aber, wenn sie echt ist, ist in Wirklichkeit untrennbar mit der Liebe (Liebe im Sinne der Agape) des Menschen (Abbild Gottes) verbunden, und die Liebe des Menschen "in der Wahrheit" kann auch nicht wiederum von der Liebe Gottes entwurzelt werden.

Wenn die Liebe zu Gott den Menschen ablehnt, ist das der Neo-Pharisäismus, der heute durch den Sedevakantismus verkörpert wird.
Wenn die Liebe zum Menschen Gott ablehnt, ist es die Freimaurerei.


Jean-Pierre Aussant