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Predigt von Pfarrer Maximilian Pühringer zum heutigen Sonntag, 19.9.2021

Predigt 25. Sonntag im Jahreskreis, 19.9.2021
Perikopen: Weih 2,1a.12.17-20 Mk 9,30-37
Liebe Brüder und Schwestern im gemeinsamen Glauben!
In den Medien begegnen uns oft anonyme Zahlen und Größen: „so und so viele Menschen mit Corona infiziert…Familie bei Autounfall schwer verletzt …Bankräuber auf der Flucht angeschossen….“ Wir hören die Zahlen, nehmen sie hin, aber meist ist uns gar nicht bewusst, dass hier Menschen, wie du und ich dahinterstehen, dass es sich hier um Einzelschicksale handelt. Genau das ist die Botschaft jenes Abschnittes aus dem Buch der Weisheit, den wir in der Lesung gehört haben. Hier wird von einem namenlosen, gerechten Menschen gesprochen, der den Mitmenschen nicht in den Kram passt. Man will ihn aus dem Weg räumen. Er ist lästig, vermutlich hat er den Finger in so manche Wunden der damaligen Zeit gelegt. Wir können heute von diesem alten Bibeltext her, wieder einen guten Zugang für unsere Zeit finden. Erstens: Immer die Einzelschicksale sehen und Anonymität durchbrechen, in erster Linie durch unser Mitgefühl. Jeder Mensch ist vor Gott einmalig erdacht und gewollt. Gott kennt jeden, sieht ins Herz des Menschen, das Innerste kann vor Gott nicht versteckt werden. Der Mensch ist Gott nicht egal. So ist Gott, und wie sind wir? Ist es nicht oft so, dass uns diese anonymen Zahlen der Medien eher kalt lassen, ja dass selbst in unserer nächsten Umwelt, uns viel anonym bleibt, und das manchmal gar nicht so ungewollt. Anonymität, dispensiert uns zur Gleichgültigkeit und lässt das Mitgefühl verlieren. Wir brauchen neues Mitgefühl für jene, die hinter diesen anonymen Zahlen stehen. Es stehen immer Menschen dahinter. Wir brauchen Mitgefühl für die vielen Einzelschicksale um uns. Jeder ist ein Einzelschicksal, jeder braucht ein gewisses Mitgefühl. Mitgefühl kann sich verschiedenartig zeigen, je nach Möglichkeit. Ein Mittel Mitgefühl zu zeigen, an das wir meist auch nicht denken, ist das Gebet. Im Gebet für Menschen, gerade auch für die vielen Namenlosen, geschieht Solidarität und ein gewisser Widerstand. Betende finden sich nicht ab mit einer Welt, die so ist, wie sie ist. Betende vertrauen auf das Mitgefühl Gottes, das sie mit ihrem menschlichen Mitgefühl zusammenbringen können. Zweitens: Einen Umgang mit den Tätern finden. Wer sind jene, die diesem gerechten, unbequemen Einzelschicksal in der Lesung so schwer zu schaffen machen, die ihm auflauern, ihn foltern und töten wollen? Der biblische Text verwendet das Wort Frevler und das bedeutet übersetzt ein Mensch, der sich von Gott entfernt hat. Sünde heißt nichts anderes als Gottferne. Letztlich ist jeder Täter ein Mensch, der sich in einem gewissen Bereich von Gott entfernt hat. Hand aufs Herz, auch wenn es unterschiedliche Arten von Tätern gibt, auch wenn jetzt wahrscheinlich kein Schwerverbrecher unter uns ist, aber sind wir nicht alle auch manchmal Täter der Gottesferne? Sind wir wirklich immer so nahe an Gott dran? Leben wir nicht manchmal eine etwas distanzierte Gottesnähe? Sind wir wirklich existenziell, durch und durch, innerlich betroffen vom Geheimnis Gottes? Die heutige Glaubenskrise ist eine Gotteskrise! Gott vermag uns einfach nicht mehr innerlich zu ergreifen. „Gott nahe zu sein ist mein Glück.“ Dieses schöne Psalmwort muss in unser Herz. Es ist der Schlüssel im Umgang mit allen Tätern dieser Welt. Ich muss ja Gott nicht fern bleiben. Ich habe immer die Möglichkeit einen Schritt in seine Richtung zu tun. Ich habe immer die Möglichkeit der Hinzubewegung. Und so können Täter der Gottesferne zu Menschen der Gottesnähe werden. Drittens: Auf das Todesschicksal Jesu schauen. „Zu einem ehrlosen Tod wollen wir ihn (diesen Gerechten) verurteilen“ heißt es in der Lesung. Die Christen haben Jahrhunderte später in diesem Gerechten, den man nicht wollte, das Todesschicksal Jesu. Er war der leidende Gerechte schlechthin, der nicht in die Ungerechtigkeit seiner Zeit passte. Er ist den ehrlosen Verbrechertod am Kreuz gestorben. Er musste auch die Jünger immer wieder erinnern, auch im heutigen Evangelium, dass es nur über das Leiden geht. Das Schicksal Jesu war Leiden und der Tod am Kreuz. Als Pius X. noch Landpfarrer in Veneto war, hat er einen kleinen Katechismus geschrieben, der noch erhalten ist. Darin steht eine bedeutende Frage: „Warum ist Gott Mensch geworden?“ Die merkwürdige, uns überraschende Antwort lautet: „Um uns das Leiden zu lehren.“ Man muss wissen, dass Veneto damals sehr arm war. Die Menschen fristeten ihr Dasein unter katastrophalen Bedingungen. Das Leiden war dort allgegenwärtig und nur wer fähig war zu leiden, konnte dort überleben. Bei uns ist es heute Gott sei Dank anders. Es gilt im Blick auf die gekreuzigte Liebe Gottes, und der Gekreuzigte hat ja immer offene Arme, die zur Umarmung einladen, dass wer nicht leiden lernt auch nicht wirklich zu lieben und zu leben lernt. Das Christentum ist keine Zuckergussreligion, auch wenn wir das gerne hätten. Das Christentum gründet sich auf das Kreuz. Dort sehen wir was wir Gott wert sind, soviel, dass er leidend für uns den letzten Tropfen seines Blutes vergossen hat. Der Glaube ist immer Antwort auf die Liebestat Gott, und wenn diese Liebestat Gottes so groß war, dass sie bis ans Kreuz gegangen ist, dann muss unsere Antwort eine große sein, dann können wir uns nicht mit dieser Kleinheit und Mittelmäßigkeit im Glauben zufrieden geben.
Liebe Brüder und Schwestern!
Viel steckt wieder drinnen in diesem Text aus dem Alten Testament. Begnügen wir uns nicht mit anonymen Zahlen und Größen Es stehen immer Einzelschicksale dahinter, die unser Mitgefühl brauchen können. Leben wir als Menschen echter Gottesnähe, nicht als Täter der Gottferne. Und versuchen wir im Blick auf das Todesschicksal unseres Erlösers, dass letztlich das Schicksal einer großen Liebe zu uns Menschen ist, große Antworten unseres Glaubens zu geben, die durch unser Leben gedeckt sind. Amen
Sonia Chrisye
Leben wir als Menschen echter Gottesnähe, nicht als Täter der Gottferne. Gott schenke uns die Gnade, denn wir können es nivht aus uns selbst. Danke für diese Botschaft.