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Die Heiligenlegende des Fridolin "Die Legende erzählt, dass Fridolin, der Sohn vornehmer reicher Eltern, der Welt entsagte, seinen Besitz verschenkte und sich zu geistlichem Leben entschied. Nachdem …More
Die Heiligenlegende des Fridolin

"Die Legende erzählt, dass Fridolin, der Sohn vornehmer reicher Eltern, der Welt entsagte, seinen Besitz verschenkte und sich zu geistlichem Leben entschied. Nachdem er in Irland an vielen Orten missioniert hatte, begab er sich aufs Festland, zog predigend durch Frankreich und kam schließlich nach Poitiers ans Grab des von ihm verehrten Hilarius. Er fand das Grab und die Kirche durch die Völkerwanderung zerstört vor; bewegt durch eine Vision, in der ihm Hilarius erschienen war, bestattete er die im Schutt gefundenen Gebeine von Hilarius und erbaute eine neue Hilarius-Kirche, wofür ihn der Bischof von Poitiers zum Abt des zur Kirche gehörenden Klosters erhob. Zusammen mit dem Bischof reiste Fridolin dann zu Merowingerkönig Chlodwig I., um diesen um Bestätigung zu bitten; während des Empfangs beim König vollbrachte Fridolin das erste Wunder, als er einen durch Unachtsankeit des Königs zerbrochenes Trinkgefäß wieder schadlos zusammenfügte; viele noch nicht Bekehrte aus dem Hofstaat ließen sich daraufhin taufen; der König versprach ihm Unterstützung für seine weiteren missionarischen Vorhaben.

Nachdem Fridolin wundersamer Weise den Bischof von Poitiers von einer Lähmung geheilt hatte und nach einer zweiten Vision, in der Hilarius ihn zur missionierenden Weiterreise aufforderte, zog Fridolin weiter, gründete 509 Kirche und Kloster in Eleriacum - dem heutigen St-Avold oder in Eller an der Mosel, heute Teil von Ediger-Eller - und weihte sie Hilarius, dann ein weiteres Kloster in den Vogesen, möglicherweise im heutigen Wasselnheim / Wasselone oder in Dillersmünster - dem heutigen Reinhardsmunster - bei Saverne, und eine Hilarius geweihte Kirche in Straßburg 1. Über Konstanz zog er dann durch Alemannien nach Chur und gründete auch dort eine Hilarius geweihte Kirche, aus der später ein Kloster wurde. Dann begab er sich auf die unbewohnte damalige Rheininsel Säckingen östlich von Basel - der nördliche Rheinarm wurde erst viel später trocken gelegt -, um sich dort niederzulassen; der Widerstand der Bevölkerung war aber groß, deshalb ließ sich Fridolin diesen Besitz nochmals vom König bestätigen. Als er müde dort ankam, legte er sich zum Schlafen unter einen Baum und hängte den Beutel, der die immer mitgeführte Hilarius-Reliquie enthielt, an einen Baum, der sich daraufhin ehrfurchtsvoll neigte und so bestätigte, dass Fridolin an diesem Ort verweilen solle.

Nachdem inzwischen König Chlodwig gestorben war, wollten die Einheimischen Fridolin wieder seinen Besitz entreißen. Mit Gebet umd Gottvertrauen gelang ihm wundersamer Weise, den nördlichen Rheinarm, der oft trocken lag, durch Umleitung des Flusses so mit Wasser zu füllen, dass die Leute diese Barriere nicht mehr überwinden konnten. Nun konnte Fridolin in Ruhe ein Doppelkloster gründen - das älteste Kloster Süddeutschlands. Als Abt des Männerklosters missionierte er das Gebiet am Oberrhein und wirkte viele weitere Wunder, so die mehrfache Heilung eines Mannes oder das Löschen einer Feuersbrunst.

In einem Anhang zur Legenda aurea ist das seit um 1290 erzählte Urso-Wunder überliefert: Urso, der Fridolin ein großes Stück Land - den heutigen Kanton Glarus in der Schweiz - geschenkt habe, soll er wieder zum Leben erweckt haben, damit er diese Schenkung gegenüber Ursos Bruder Landolf bezeuge, der Fridolin das Land wieder abnehmen wollte. In der Basilika in Rankweil in Vorarlberg ist der Fridolins-Stein, auf dem er um Hilfe in dieser Angelegenheit gebetet habe; der Stein soll weich geworden und Fridolin mit Armen und Knien eingesunken sein; dann habe er eine Stimme gehört, er solle zum Grabe des Urso gehen und ihn vor das Gericht in Rankweil holen, damit er die Schenkung bezeuge. Landolf sei, als er den bereits in Verwesung übergegangenen Bruder vor Gericht erscheinen sah, so erschrocken und beschämt gewesen, dass er Fridolin auch seinen Teil des Landes schenkte. Nun baute Fridolin auch in dieser Gegend Hilarius-Kirchen, daher der Name des heutigen Schweizer Kantons, Glarus.

Noch zu Fridolins Lebzeiten oder wohl eher im 7. Jahrhundert unter König Chlodwig II. an seinem Grab bildete sich tatsächlich eine religiöse Gemeinschaft, die im 9. Jahrhundert als Kanonissenstift Säckingen bezeugt ist; damals stand es in großer Nähe zum Kaiserhaus der Karolinger: Bertha, eine Tochter von Ludwig dem Deutschen und später Richardis, die vormalige Ehefrau von Karl III. waren Äbtissinnen des Klosters Säckingen, im 10. Jahrhundert auch Reglind, die Großmutter von Kaisergattin Adelheid. Aus dem Jahr 825 stammt das älteste Zeugnis einer Verehrung von Fridolin, die sich über das Elsass, Südbaden und die Nordschweiz erstreckte. Der Sieg der Schweizer Eidgenossen über die Habsburger bei Näfels im Kanton Glarus 1388 wird dem Beistand Fridolins zugeschrieben, deshalb wird er dort besonders verehrt; auf dem Schlachtfeld wurde damals sogleich eine Kapelle erbaut und um 1525 durch die Hilariuskirche ersetzt; bis heute ist der erste Donnerstag im April ein Feiertag im Kanton Glarus und es findet die Näfelser Fahrt statt, bei der zahlreiche Menschen nach Näfels ziehen und dort der Schlacht gedenken."