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Nicky41
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Aus Liebe leben - Therese von Lisieux

„Wenn einer mich liebt, wird er mein Wort,
halten, und mein Vater wird ihn lieben, und wir
werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm
nehmen…… Meinen Frieden gebe ich euch. …
Bleibet in meiner Liebe.“
(Joh. XIV, 23, 27, XV, 9.

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Am Abend war es, nach dem Mahl der Liebe,
Als unser Heiland ohne Gleichnis sprach:
„Der hat zu mir die allergrößte Liebe,
Dem immer treu mein Wort am Herzen lag.
Ich und der Vater werden bei ihm wohnen,
Sein Herz ist uns wie ein Palast so lieb.
Mit Frieden werden wir ihn reich belohnen,
Mit unsrer Lieb‘.“

Aus Liebe leben, heißt, dich treu behalten,
O unerschaffner Sohn, des Vaters Wort!
Du kennst mein Herz, o nie wird es erkalten,
Der Heilige Geist entflammt es immerfort.
Durch Liebe zieh‘ ich auch mein ganz Verlangen,
Den Vater, mir herab, und er bleibt mein.
Dreifaltigkeit, das Herz hält dich gefangen
Durch Lieb‘ allein.

Aus Liebe leben, heißt dir nachzustreben,
Glorreicher Herr, der Heil’gen Seligkeit.
Im Sakrament verborgen ist dein Leben,
Für dich verkannt zu sein, bin ich bereit.
Geliebten gleich, die Einsamkeit erwählen,
Um Herz an Herz mit sich allein zu sein;
Dein Blick schon spendet Himmelslust den Seelen.
Ich leb‘ aus Lieb‘ allein.

Aus Liebe leben, heißt den Tabor fliehen,
Um nimmer dort sein Ruhezelt zu bau’n.
Doch freudig hin zum Kreuzeshügel ziehen,
Im Kreuz den größten Seelenschatz zu schau’n.
Dann kann ich Himmelsfreuden einst genießen,
Vorüber wird des Lebens Prüfung sein.
Jetzt laßt des Karmels Leiden mich begrüßen.
Ich leb‘ von Lieb‘ allein.

Aus Liebe leben, heißt: gib unermessen,
Und heische keinen Lohn für Liebespflicht.
So will ich geben und mich selbst vergessen.
Wer liebt, der gibt und zählt und rechnet nicht.
O, göttlich Herz, so grenzenlos im Lieben,
Dir schenk‘ ich alles, alles; es ist dein.
Ich laufe leicht, ein Schatz ist mir verblieben:
Ich leb‘ von Lieb‘ allein.

Aus Liebe leben, heißt, die Furcht verbannen,
Vergessen die vergang’nen Sünden auch.
Von meiner Schuld floh jede Spur von dannen,
Im Gottesfeuer schwand sie fort wie Rauch.
O heil’g Flamme, milde Glut, ich bringe
Mein Herz, in dir soll seine Wohnung sein.
Damit aus voller Lust es immer singe:
Ich leb‘ von Lieb‘ allein.

Aus Liebe leben, heißt in mir bewahren
Ein großes Gut, obgleich ich sterblich bin,
Bei meinen vielen Schwächen und Gefahren
Fehlt mir der Engel Gottes reiner Sinn.
Und fall‘ ich stündlich auch auf meinem Pfade,
Du, Herr, erhebst die schwache Seele mein,
Kommst in mein Herz und schenkst mir deine Gnade.
Ich leb‘ von Lieb‘ allein.

Aus Liebe leben, heißt in Frieden wandeln,
In alle Herzen emsig Freuden streu’n.
Mich drängt die Liebe, Herr, zu solchem Handeln,
In jeder Seele will ich dich erfreu’n.
Die Liebe ist mein Lebensstern geblieben,
Mein Weg wird hell von seinem Lichte sein.
Auf meine Fahne hab‘ ich es geschrieben:
Ich leb‘ aus Lieb‘ allein.

Aus Liebe leben, wenn der Herr im Schiffe,
Heißt ruhen selbst im brausenden Orkan.
Ich weck‘ ihn nicht, ich fürcht‘ nicht Felsenriffe,
Ich warte friedlich, es geht himmelan.
Nicht lang‘ mehr werden Glaubensschleier wallen,
Es währt nur einen Tag der Hoffnung Schein.
Die Liebe schwellt und drängt zu ew’gen Hallen.
Ich leb‘ von Lieb‘ allein.

Aus Liebe leben heißt, o Herr, gedenken
Der Priester dein in innigem Gebet.
Wollst deine Glut in ihre Seelen senken,
Daß vor dir engelrein ein jeder steht.
Beschütze deine Kirche bis zum Ende!
An jedem Tag soll dies mein Bitten sein,
Für sie als Opfer mich, ihr Kind, verwende,
Ich leb‘ von Lieb‘ allein.

Aus Liebe leben, heißt dir Schmach versüßen
Und Sündern Nachlaß wirken ihrer Schuld.
„Sei ihnen mild“, ruf‘ ich zu deinen Füßen,
Auf daß sie ewig preisen deine Huld.
Empfunden hab‘ ich tief die Lästerungen,
Und sie zu sühnen, fiel das Wort mir ein,
Womit ich deinem Namen Lob gesungen:
Ich leb‘ aus Lieb‘ allein.

Aus Liebe leben, heißt oft büßend weilen,
Zu deinen Füßen, Herr, Marien gleich,
Die Waschung und die Salbung mit ihr teilen,
Bedecken sie mit meinen Küssen reich.
Mit heil’gem Stolz möcht‘ ich wie sie verehren
Dein mildes Antlitz, lieber Jesus mein.
Mein Balsam soll mein Sehnen und Verzehren,
Soll meine Liebe sein.

Aus Liebe leben, scheint ein töricht Leben.
Es spricht die Welt: „Was singst du? Höre auf!
Du sollst nicht nutzlos mehr das Höchste geben,
Zieh‘ größ’ren Vorteil aus dem Lebenslauf.“
Dich lieben, Gott, heißt im Verlust gewinnen,
Mein Wohlgeruch soll dein auf ewig sein.
Und sterbend scheide singend ich von hinnen:
„O Tod aus Lieb‘ allein!“

Aus Liebe sterben, dahin geht mein Denken,
Die Harfe, Cherubinen, holt herbei!
O süße Qual, bald kann ich heimwärts lenken!
Die Zeiten der Verbannung sind vorbei. . . .
O Liebesglut, du wollest mich erfüllen,
O Liebepfeil, durchbohr das Herze mein!
O süßer Jesu, komm den Wunsch zu stillen:
Laß sterben mich aus Lieb‘ allein!

Aus Liebe sterben ist mein süßes Hoffen!
Wenn einst die Seele ihre Fesseln sprengt,
Steht ihr die ew’ge Himmelsfreude offen,
Sie ist bei Gott, der ew’gen Lohn ihr schenkt.
O, seine Liebe wird mich ganz verzehren!
Wann hüllt ihr Flammenmantel ganz mich ein?
Das ist mein Himmel, Ziel und heiß Begehren:
Zu leben nur aus Lieb‘ allein.

25. Februar 1895.

Quelle: Die ehrwürdige Theresia vom Kinde Jesu, Geschichte einer Seele von ihr selbst geschrieben, 4. Aufl., Kirnach-Villingen (Baden) 1922, S. 371-374
Nicky41
Fürs Herz habe ich mir dieses heute bestellt.

Louis und Zelie Martin - Buchtipp 😍
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Nicky41
Zélie Martin, geborene Guérin lebte von 1831–1877, ihr Mann Louis Martin von 1823–1894. Das Paar heiratete 1858 und bekam neun Kinder, alles Mädchen, die auf den Namen Maria in Kombination mit einem Zweitnamen getauft wurden. Alle fünf Kinder, die das Erwachsenenalter erreichten, wurden Ordensfrauen. Vier Schwestern traten in den Karmel von Lisieux ein, eine fünfte Schwester, Marie-Léonie, wurde …More
Zélie Martin, geborene Guérin lebte von 1831–1877, ihr Mann Louis Martin von 1823–1894. Das Paar heiratete 1858 und bekam neun Kinder, alles Mädchen, die auf den Namen Maria in Kombination mit einem Zweitnamen getauft wurden. Alle fünf Kinder, die das Erwachsenenalter erreichten, wurden Ordensfrauen. Vier Schwestern traten in den Karmel von Lisieux ein, eine fünfte Schwester, Marie-Léonie, wurde Salesianerin in Caen.
Die jüngste Tochter des Ehepaars Matin, Marie-Françoise-Thérà¨se (1873–1897), wurde als Schwester Therese vom Kinde Jesus und vom heiligen Antlitz Karmelitin im Karmel von Lisieux. Besser bekannt ist Therese von Lisieux als „kleine Therese“, um sie von der heiligen Teresa von Avila unterscheiden zu können.
1923 wurde Therese von Papst Pius XI. selig- und 1925 heiligesprochen. 1927 erklärte sie derselbe Papst zusammen mit dem heiligen Franz Xaver zur Patronin der Weltmission. 1997 erhob sie Papst Johannes Paul II. zusammen mit Teresa von Avila und Katharina von Siena zur Kirchenlehrerin. Papst Benedikt XVI. unterzeichnete schließlich das Dekret zur Seligsprechung von Thereses Eltern, die am 19. Oktober 2008 in Lisieux erfolgte.
Zélie und Louis Martin sind das erste Ehepaar, das heiliggesprochen wird, ohne das Martyrium erlitten zu haben. Im März 2015 erkannte Papst Franziskus eine wissenschaftlich nicht erklärbare Heilung als Wunder an, die der Fürsprache des Ehepaars zugeschrieben wird.