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Damian De Veuster

Rita 3
In der Kindheit und in der Jungmannzeit hätte wohl niemand in dem dicken flämischen Bauernsohn, der auf dem heimischen Hof zwischen Pferden, Kühen. Schweinen, Hühnern, Gänsen und Enten stark und …More
In der Kindheit und in der Jungmannzeit hätte wohl niemand in dem dicken flämischen Bauernsohn, der auf dem heimischen Hof zwischen Pferden, Kühen. Schweinen, Hühnern, Gänsen und Enten stark und stämmig heranwuchs, einen Helden gesucht. Ein Bauer war er wie der Pieter und der Job und der Jan und der Hendrick auf den Nachbarhöfen auch. Als von den Geschwistern ein Bruder und zwei Schwestern ins Kloster gingen, blieb Damian daheim, war mit Leib und Seele Bauer, der die Arbeit und auch das Essen liebte und der den erlaubten Freuden der Welt durchaus nicht abhold war. Bis schließlich eine Volksmission den Achtzehnjährigen in neue Bahnen warf.
Eine unerklärliche Unruhe kam damals über den Jungmann. Sein Sinn, der bisher im Irdischen verankert lag, spaltete sich und neigte sich den Überirdischen zu, und am Ende der Erwägungen faßte Damian Deveuster den Entschluß, es den Geschwistern gleichzutun und ins Kloster zu gehen.
Bald darauf folgte dem Plan die Ausführung. Bei Gelegenheit eines Besuches, den Damian dem geistlichen Bruder abstattete, blieb er gleich im Kloster. Als Laienbruder nahm man ihn auf, weil er mit seinen achtzehn Jahren für die Studien auf das Priesteramt schon zu alt erschien. Der junge Mann war mit allem einverstanden.
Damit der Novize besser dem Gottesdienst folgen könnte, erhielt er die eine oder andere Unterrichtsstunde in der lateinischen Sprache. Bald staunten alle im Kloster über den hellen Verstand des alten Knaben, und man schickte ihn auf die Schule, und weil er rasch und leicht lernte, überflog er wie ein Stürmer die Klassen, und mit vierundzwanzig Jahren erhielt er die heilige Priesterweihe. Als das geschah, war Damian Deveuster schon nicht mehr in der Heimat, sondern weilte bereits auf der anderen Seite der Erdkugel, auf den Hawai-Inseln, wohin er sich gemeldet hatte und wo er die ersten neun Priesterjahre als Missionar wirkte.

Im Jahre 1873 schlug dann Damian Deveuster große Stunde. Aus freien Stücken bot er sich an, die Seelsorge der Aussätzigen auf der Insel Molokai zu übernehmen. Molokai war ein polizeiliches Absperrgebiet für die zahlreichen Aussätzigen, die es damals auf den Hawai-Inseln gab. Etwa tausend aussätzige Menschen, Männer, Frauen und Kinder, lebten dort unter unvorstellbaren Verhältnissen in elenden Schilfhütten, ohne Ärzte, ohne Pflege, ohne Heilmittel. Niemand kümmerte sich um die Unglücklichen, die langsam, Glied für Glied, bei lebendigem Leib abstarben, die aber trotzdem voll Lebensgier waren und untereinander rücksichtslos das Recht des Stärkeren zur Geltung brachten. Diebstahl, Schlägereien, Totschlag, Trunksucht und andere böse Dinge mehr machten das Leben auf Molokai zu einer grauenvolle Hölle.

Damian Deveuster im Kreis der Waisenkinder
Dahin also ging trotz der großen Ansteckungsgefahr aus freien Stücken Damian Deveuster, nahm sich der verwahrlosten Kranken an, reinigte und verband, anfangs unter ständigen Brechreiz, die ekelhaften Wunden und schnitt das faulende Fleisch hinweg. Der Held griff zu Hobel und Hammer, war Maurer, Glaser und Anstreicher, baute Häuser für die Aussätzigen, sorgte für Essen, für Kleider und Schule, richtete eine Schule ein, veranstaltete ablenkende Spiele und Feste und tat unter unsagbaren persönlichen Opfern viele andere Dinge, um das Los der Ausgestoßenen zu erleichtern, und bei all dem was Damian Deveuster Priester, Priester zuerst, der durch Wort und Beispiel das sittliche Leben der Kranken hob, und wo ehedem einer den andern belog und betrog, schlug und erschlug, da kehrte die Liebe ein, und wo sich ehedem alle Laster ein Stelldichein gaben, da blühten die christlichen Tugenden.

So wirkte Damian Deveuster auf Molokai sechzehn Jahre lang, ist er längst angesteckt, am l5. April 1889 unter seinen Kranken das Leben aushauchte, ein großer Mensch, ein herrlicher Held, ein Christusjünger von seltener Prägung und edelster Art.