06.01. Epiphanie Erscheinung des Herrn

Zur Entstehung des Festes

Das Wort Epiphanie meint "Erscheinung, Offenbarwerden" und steht in Zusammenhang mit dem römischen Kaiserkult. Durch sein prunkvolles Auftreten in der Öffentlichkeit wird die Macht und Würde des Herrschers offenbar. Im christlichen Sinn meint dieses Fest, dass die göttliche Würde Jesu Christi den Menschen offenbar wird. Wir können sagen, dass an diesem Fest, anders als beim Weihnachtsfest, das die Menschheit des Sohnes Gottes betont, hier seine Gottheit im Mittelpunkt steht. Besonders drei Ereignisse sind es, durch die die göttliche Würde Jesu offenbar wurde, und die sich als Inhalt des heutigen Festes herausgebildet haben:
Zunächst einmal stehen, insbesondere im westlichen Kulturkreis, die "Heiligen Drei Könige" im Mittelpunkt des Festes. Durch die Anbetung der Weisen aus dem Morgenland wird die göttliche Würde des Kindes offenbar. Die Weisen sind dem Stern gefolgt, der sie zu dem neugeborenen König der Juden geführt hat, dem Messias, dem Sohn Gottes. Ihm bringen sie ihre Verehrung und ihre Gaben dar.
Ein weiteres Festgeheimnis ist die Taufe Jesu im Jordan. Mit ihr beginnt das öffentliche Wirken Jesu. Die Stimme des Vaters spricht aus dem Himmel:

Das ist mein geliebter Sohn, an dem ich Gefallen gefunden habe. (Mt 3,17)

So offenbart der Vater der Welt die Göttlichkeit des Sohnes. Da die Taufe des Herrn als eigenes Fest am Sonntag nach Epiphanie gefeiert wird, tritt dieser Aspekt des Festes eher in den Hintergrund.
Das dritte Festgeheimnis ist die Verwandlung von Wasser in Wein bei der Hochzeit in Kana. Nach dem Johannesevangelium ist dies das erste Wunder Jesu. Hier zeigt sich zum ersten Mal die Macht Jesu, Wunder zu tun und Johannes schreibt:

So tat Jesus sein erstes Zeichen und offenbarte seine Herrlichkeit. (Joh 2,11)

Epiphanie, das Hochfest der Erscheinung des Herrn, ist das ursprüngliche Fest der Geburt Christi im Osten, wo es spätestens ab dem 4. Jahrhundert allgemein verbreitet ist. Neben dem Osterfest ist Epiphanie eines der ältesten Feste der Christen und das erste Fest überhaupt, das auf ein festes Datum gelegt wurde (Ostern ist ja wegen seiner Abhängigkeit vom Mondkalender ein variables Fest). Ähnlich dem ebenfalls im 4. Jahrhundert entstandenen römischen Weihnachtsfest am 25.12., das auf den heidnischen Festtag des unbesiegbaren Sonnengottes (sol invictus) am Tag der Wintersonnenwende gelegt wurde, ist auch das östliche Fest der Epiphanie von einem heidnischen Festtag beeinflusst.
Die Ursprünge von Epiphanie liegen wahrscheinlich in Ägypten. Dort feierte man in der Nacht vom 5. auf den 6. Januar die Geburt des Sonnengottes Aion aus der Jungfrau Kore und am 6. Januar schöpfte man in einem feierlichen Zeremoniell Wasser aus dem Nil. Zu diesem Fest gehörte auch die Vorstellung, dass an diesem Tag die Quellen des Nil Wein statt Wasser fließen lassen. Wasser und Taufe sind von Anfang an zentrale Themen von Epiphanie. Zuerst im Osten und bald darauf auch im Westen wurde das Fest nach Ostern zu einem wichtigen Tauftermin. Bis heute wird an diesem Tag das Dreikönigswasser geweiht.
Im Westen wurde die Feier der Ankunft der Weisen beim göttlichen Kind in Betlehem schließlich zum zentralen Inhalt des Festes, das man seit dem Mittelalter auch Dreikönigsfest nennt. Diese Entwicklung wurde vor allem durch die Übertragung der Gebeine der Heiligen Drei Könige in den Kölner Dom im Jahr 1164 beeinflusst. Aus den Magiern des Matthäusevangeliums wurden drei Könige, die man nun auch mit Namen kannte, Caspar, Melchior und Balthasar. Es entstanden das Brauchtum der Segnung der Wohnungen mit Dreikönigswasser und Weihrauch und die Sternsinger.

HEUTE wurde die Kirche dem himmlischen Bräutigam vermählt. Im Jordan wusch Christus sie rein von ihren Sünden. Die Weisen eilen mit Geschenken zur königlichen Hochzeit. Wasser wird in Wein gewandelt und erfreut die Gäste.

Diese Antiphon bringt die drei Geheimnisse von Epiphanie zum Ausdruck. Mit dem einleitenden „heute“ wird deutlich, dass wir mit diesem Fest nicht an vergangene Ereignisse erinnern, sondern dass immer wieder das geschieht, was wir feiern. Wir feiern das Fest unserer Erlösung, und was kann ein schöneres Fest sein, als eine Hochzeit? Wenn wir die Worte der oben zitierten Antiphon genau betrachten, so sehen wir, dass das Bild der Hochzeit in allen drei Aspekten aufscheint.
Die Taufe Jesu wird als Hochzeit des Herrn mit der Kirche betrachtet. Die Kirche ist die Braut, die der Herr gereinigt hat, um sich mit ihr in ihrer ganzen Würde und Pracht zu vermählen. Jeder, der in die Kirche eintritt, wird durch das Wasser der Taufe rein gewaschen. So wird in jedem Menschen das Bild Gottes wiederhergestellt, das durch die Sünde entstellt war. Gott krönt die menschliche Natur mit seiner Ehre, er hat sie selbst angenommen und so ihre Würde wiederhergestellt und noch strahlender vollendet. Die Würde Gottes ist der lebendige Mensch. Kein Bild kann dies schöner ausdrücken als das der Hochzeit, Gott verlangt nach unserer Schönheit.
Zu dieser Hochzeit eilen die Weisen aus dem Morgenland. Sie kommen, um das Fest unserer Erlösung mitzufeiern. Jesus vergleicht das Reich Gottes oft mit einem Festmahl, einem Hochzeitsmahl. Dieses Hochzeitsmahl ist mit der Geburt Jesu eröffnet. Ab sofort werden die Boten ausgesandt, um die Geladenen - das sind alle Menschen - zu rufen. Die Weisen hat der Stern gerufen. Sie haben alles verlassen und sind ihm gefolgt, bis sie das göttliche Kind fanden. Von nun an tun es ihnen unzählige Menschen gleich und folgen dem Ruf Gottes zum ewigen Hochzeitsmahl in seinem Reich.
Heute wird das Fest der Erlösung gefeiert. Das, was damals geschah, ist auch heute Wirklichkeit. Die schon vollendeten Heiligen warten auf uns, sie wollen dieses Fest nicht ohne uns feiern. Das Fest ist noch nicht vorbei, es fängt erst noch richtig an. Der Herr Jesus Christus ist in der Welt erschienen. Überall leuchten seine Zeichen. Seien wir weise und deuten wir sie richtig, damit auch wir den Weg zu ihm finden.

Epiphanie - Freude über das Licht

Steh auf, werde licht, denn es kommt dein Licht und die Herrlichkeit des Herrn geht strahlend auf über dir. (Jes 60,1)

In einer freudigen Lichtvision spricht hier der Prophet von Jerusalem und sieht die Stadt in herrlichem Glanz erstrahlen, der von Gottes Herrlichkeit kommt. Mit Tritojesaja, aus dem diese Verse stammen, befinden wir uns in der Zeit nach dem Exil. Die Juden sind aus Babylon wieder zurückgekehrt in ihr Land und sind dabei, die Stadt Jerusalem und den Tempel neu aufzubauen. Sie sehen eine neue Heilszeit angebrochen, in der Jerusalem in neuem Glanz erstrahlt.
Im Exil in Babylon hat man viel darüber nachgedacht, was der Plan Gottes mit seinem Volk ist. Die Juden wurden mit der Religion des Zweistromlandes konfrontiert und haben vor allem auch in Abgrenzung zu diesen fremden Einflüssen ihren eigenen Glauben neu reflektiert. Nach dem Schock über den Verlust des verheißenen Landes musste man vor allem auch neu darüber nachdenken, was die Erwählung durch Gott bedeutet. Nicht mehr das Land, nicht mehr der Tempel sind Zeichen der Erwählung, sondern das Gesetz das Gott durch Mose und die Propheten dem Volk gegeben hat.
Im neuen Bewusstsein der Erwählung, dem Ziel, das Gesetz treu zu befolgen und der Arbeit am Wiederaufbau Jerusalems sah man das neue Heil Wirklichkeit werden, das Gott seinem Volk schenken will. Das neue Jerusalem mit einem gesetzestreuen Volk sollte von nun an unter den Völkern ein Zeichen für Gottes Herrlichkeit sein. Doch der Euphorie wich bald die Einsicht, dass auch die neue Zeit ihre eigenen Probleme mit sich bringt und so richtete sich die Vision vom Heil bald wieder auf die Zukunft.

Ein Licht über Gottes heiliger Stadt und ihrem Volk, diese Vision wird in der Geburt des Sohnes Gottes Wirklichkeit. Gott zeigt die Menschwerdung seines Sohnes durch ein lichtvolles Zeichen an, durch eine Himmelserscheinung. Dies entdecken sternkundige Magier im Morgenland und machen sich auf, um den zu suchen, den dieses Zeichen angekündigt hat. Ist die Reise der Magiern oder Heiligen Drei Könige, wie man sie seit dem Mittelalter nennt, nur eine schön ausgedachte Geschichte des Matthäus (Mt 2,1-12) oder liegt ihr eine historische Tatsache zugrunde?
Die Sternbeobachtung hatte im Alten Orient eine lange Tradition und es gab in den dortigen Hochkulturen sternkundige Priester, die vor allem für die Bestimmung der Festzeiten zuständig waren, aber es auch verstanden, besondere Himmelserscheinungen zu deuten. Ob eine solche zur Zeit der Geburt Jesu vorlag und wie diese konkret aussah, damit beschäftigen sich Astrologen von der Antike bis heute. Es kommt dafür vor allem ein Komet, eine Supernova oder eine besondere Konjunktion von Planeten in Frage.
Moderne astronomische Berechnungen ergeben, dass durchaus die Möglichkeit besteht, dass Sternkundige in der damaligen Zeit ein besonderes Ereignis beobachtet haben. Trotz vieler Versuche konnte aber nicht zweifelsfrei nachgewiesen werden, welches Ereignis das genau war und ob es auch wirklich auf die Umgebung von Jerusalem hingewiesen hat. Wir müssen also sagen, dass der Stern von Betlehem wissenschaftlich weder genau belegbar, aber auch nicht unmöglich ist.
Gott lässt über seinem Volk ein Licht aufgehen, das die Völker herbeiruft. Das Zeichen deutet auf die Geburt eines neuen Königs aus dem Haus David hin. Die Sterndeuter aus dem Morgenland sind die ersten, die dieses Licht sehen und sich auf den Weg machen. Sie finden ein Kind, Gottes Sohn, dem sie huldigen. Mit den Magiern aus dem Orient beginnt die Wallfahrt der Völker zu Gottes heiligem Volk. Das Ziel dieser Wallfahrt aber ist nicht mehr Jerusalem mit dem Tempel, oder das Volk, das nach dem Gesetz Gottes lebt, sondern der Sohn Gottes. Alle Heiden werden durch ihn gerufen, zu Gottes neuem Volk zu werden, das im Licht Gottes wandelt.
Das will uns Matthäus mit seinem Bericht über die Magier aus dem Osten sagen. Jesus Christus ist das verheißene Licht, in dem Gottes Herrlichkeit über seinem Volk aufgeht. Und so lautet der Name des Festtags bis heute, Epiphanie, Erscheinung des Herrn. Die Herrlichkeit des Sohnes Gottes wird zum ersten Mal sichtbar durch den Stern, dem die Magier gefolgt sind. Sie zeigt sich dann zum ersten Mal dem Volk Gottes bei der Taufe Jesu im Jordan und sie zeigt sich den Glaubenden bei Jesu Wunder bei der Hochzeit zu Kana, von dem es heißt, dass Jesus dadurch seine "Herrlichkeit offenbarte" (Joh 2,11).
Gottes Licht ist aufgestrahlt in Jesus Christus. Stehen auch wir auf und gehen wir hin zu diesem Licht, lassen wir uns von ihm erleuchten und so selbst licht und hell werden und strahlen in diese Welt!

Allherrschender Gott,
durch den Stern, dem die Weisen gefolgt sind,
hast du am heutigen Tag
den Heidenvölkern deinen Sohn geoffenbart.
Auch wir haben dich schon im Glauben erkannt.
Führe uns vom Glauben
zur unverhüllten Anschauung deiner Herrlichkeit.
(Tagesgebet am Hochfest Epiphanie)


Denn siehe, Finsternis bedeckt die Erde und Dunkel die Völker, doch über dir geht strahlend der Herr auf, seine Herrlichkeit erscheint über dir. Nationen wandern zu deinem Licht und Könige zu deinem strahlenden Glanz. (Jes 60,2-3)

Die Welt ist in Finsternis, doch über Gottes Volk leuchtet die Herrlichkeit des Herrn. Wir dürfen uns diese Worte des Propheten auf der Zunge zergehen lassen, sie immer und immer wieder lesen. Sie sind eine unvergängliche Zusage an uns, dass das Licht mächtiger ist als die Finsternis und das Helle kraftvoller als die Schatten. Wir haben keinen Gott, der uns fesselt und niederdrückt, sondern einen Gott, der uns aufrichtet und unseren Blick zum Licht lenkt. Er hat sich selbst klein gemacht, um uns groß herauskommen zu lassen. Stauend dürfen wir das Geheimnis betrachten, das Gottes Liebe uns schenkt. Im Dunkeln geht ein Licht auf und in der Nacht leuchtet ein heller Stern.
Diesem Stern sind die Magier aus dem Orient gefolgt als erste der Heiden, die den Sohn Gottes erkannt haben. Nationen mit ihren Königen und unzählige Menschen werden es ihnen gleichtun. Da hier von Königen die Rede ist, hat man wohl irgendwann die Magier auch zu Königen gemacht, vielleicht, weil man im Mittelalter nicht mehr viel mit diesem Begriff anfangen konnte. Es wird eine gewaltige Menge sein, die kommen wird, ein gewaltiger Zug mit vielen Geschenken, von denen die Gaben der Magier nur ein schwacher Abglanz sind.

Blick auf und schau umher: Sie alle versammeln sich und kommen zu dir. Deine Söhne kommen von fern, deine Töchter trägt man auf den Armen herbei. Du wirst es sehen und du wirst strahlen, dein Herz bebt vor Freude und öffnet sich weit. Denn der Reichtum des Meeres strömt dir zu, die Schätze der Völker kommen zu dir. Zahllose Kamele bedecken dein Land, Dromedare aus Midian und Efa. Alle kommen von Saba, bringen Weihrauch und Gold und verkünden die ruhmreichen Taten des Herrn. (Jes 60,4-6)

Bereits von König Salomo hören wir, dass die Königin von Saba und andere ferne Herrscher kamen, um Salomos Weisheit zu bestaunen. Doch hier ist einer, der größer ist als Salomo, größer als David. Gottes Sohn ist der Welt erschienen. Jesus Christus ist der Messias, der lange ersehnte Herrscher aus dem Haus Davids. Mit ihm strahlt das Licht der Weisheit Gottes in die ganze Welt. Daher hat die Kirche diesen Text aus Jesaja auch zur Lesung am Hochfest Epiphanie gewählt und die Kirche singt in einer Antiphon zur Vesper:

Omnes de Saba venient aurum et thus deferentes.
Alle kommen von Saba und bringen Gold und Weihrauch.


Die Heiden haben den Sohn Gottes erkannt, Jerusalem aber tut sich schwer damit, diesen als König in seiner Mitte anzuerkennen. Für uns alle gilt es, aufzustehen, ihm entgegenzugehen, ihn heimzuholen und auf den Thron zu setzen. Nur so kann das Licht seiner Weisheit in die Welt strahlen. Gottes Weisheit kommt im Verborgenen. Gottes Wort kommt unscheinbar als ein kleines Kind in die Welt. Es werden nur wenige in Israel sein, die ihm glauben, ihn als Messias erkennen. Und doch geht das Licht von Jerusalem in die ganze Welt hinaus.
Schließen wir uns dem Zug der Weisen aus dem Morgenland an, ziehen wir hin zum göttlichen Kind, in dem Gottes Licht und Weisheit der Welt erschienen ist. Auch wenn der Weg manchmal beschwerlich ist und wir manchmal in die Irre gehen, wie die Weisen, die zunächst beim "falschen" König in Jerusalem angeklopft haben. Immer wieder leuchtet der Stern uns auf und zeigt uns den Weg.

Lasst auch uns auf die abenteuerliche Reise des Herzens zu Gott gehen! Lasst uns laufen! Lasst uns vergessen, was hinter uns liegt. Es ist noch alles Zukunft. Es sind noch alle Möglichkeiten des Lebens offen, weil wir Gott noch finden, noch mehr finden können. Nichts ist vorbei und dem verloren, der Gott entgegenläuft, dessen kleinste Wirklichkeit größer ist als unsere kühnsten Illusionen, dem Gott, der die ewige Jugend ist, in deren Land keine Resignation wohnt.
Wir wandern durch die Wüsten. Herz, verzage nicht über den Anblick des Pilgerzuges der Menschheit, der Menschen, die gebückt unter der Last ihrer verschwiegenen Qual weiterziehen, immer weiter, scheinbar alle in die gleiche Ziellosigkeit. Verzage nicht: Der Stern ist da und leuchtet. Die heiligen Bücher sagen, wo der Erlöser zu finden ist. Die sehnsüchtige Unruhe treibt. Sag es selbst: Steht der Stern nicht still am Firmament deines Herzens? Er ist klein? Er ist fern? Aber er ist da. Er ist nur klein, weil du noch weit zu laufen hast! Er ist nur fern, weil deiner Großmut eine unendliche Reise zugetan wird.
Aber der Stern ist da! Auch die Sehnsucht nach Freiheit des inneren Menschen, nach Güte, nach Seligkeit, auch das Bedauern, ein schwacher, sündiger Mensch zu sein, ist ein Stern. Warum schiebst du selbst die Wolken vor den Stern? Die Wolken der Verdrossenheit, der Enttäuschung, der Bitterkeit darüber, versagt zu haben, die Wolken höhnischer oder resignierter Worte über die ausgeträumten Träume seliger Hoffnung? Gib die Wehr auf: Der Stern leuchtet! Ob du ihn zum Polarstern deiner Seefahrt machst oder nicht, er steht an deinem Himmel, und auch dein Trotz und deine Schwachheit löschen ihn nicht aus.
Warum sollen wir also nicht glauben und wandern? Warum sollten wir also nicht zum Stern am Firmament des Herzens aufblicken? Warum nicht dem Lichte nachgehen? Weil es Menschen wie die Schriftgelehrten in Jerusalem gibt, die den Weg nach Betlehem wissen und ihn nicht gehen? Weil es Könige wie Herodes gibt, denen solche Kunde vom Messias nur eine Störung ihrer politischen Pläne ist, Könige, die auch heute noch dem Kinde nach dem Leben trachten? Weil die meisten mit der verdrossenen Lebensklugheit ihrer engen Herzen zu Hause sitzen bleiben und solche abenteuerliche Reisen des Herzens für Kindereien halten? Lassen wir sie und folgen wir dem Stern des Herzens!
Wie soll ich laufen? Das Herz muss sich bewegen! ... Brich auf, mein Herz, und wandre! Es leuchtet der Stern. Viel kannst du nicht mitnehmen auf den Weg. Und viel geht dir unterwegs verloren. Lass es los. Gold der Liebe, Weihrauch der Sehnsucht, Myrrhe der Schmerzen hast du ja bei dir. Er wird sie annehmen.
(Aus: Karl Rahner, Kleines Kirchenjahr)


Siehe, es kamen Magier aus dem Orient

Die Heiligen Drei Könige sind seit alters her ein beliebtes Motiv in der christlichen Kunst. Schon früh haben sie die Menschen fasziniert. Nur Matthäus berichtet uns von ihnen – genauer gesagt von Sterndeutern aus dem Osten, von Weisen aus Babylonien und Persien. In diesen Hochkulturen hatte die Sterndeutung einen hohen Stellenwert. In Israel stand man solchen Praktiken eher ablehnend gegenüber. Doch gerade diese aus jüdischer Sicht schlimmsten aller Heiden sind es, die zuerst den Weg zum Messias finden. Sie sind aufgestanden, um den Licht zu folgen, während die Priester Israels fromm sitzen blieben, um ihre alten Traditionen zu hüten. In diese Dunkelheit des Herzens konnte das Licht nicht dringen, da diese nicht bereit waren, aufzusehen und ins Licht zu schauen.
Unübersehbar leuchtet der Stern, auch heute noch, er leuchtet gleich loderndem Feuer, wie es in einer Antiphon zum heutigen Fest heißt:

Dieser Stern leuchtet auf wie ein loderndes Feuer. Er zeigt Gott an, den König der Könige. Die Weisen sahen den Stern und brachten dem König ihre Gaben dar.

Über diese Gaben schreibt Gregor der Große:

Die Weisen bringen nun Gold, Weihrauch und Myrrhe dar. Gold gebührt nämlich dem König, Weihrauch wird beim Opfer für Gott verwendet, mit Myrrhe aber werden die Körper der Toten einbalsamiert. Den die Weisen anbeten, verkünden sie also auch mit geheimnisvollen Gaben: mit dem Gold als König, mit dem Weihrauch als Gott, mit der Myrrhe als Sterblichen.
Matthäus lässt sein Evangelium mit dem Stammbaum Jesu beginnen. Es ist ein königlicher Stammbaum, der zeigt, dass Jesus aus dem Geschlecht Davids stammt. Doch mit Herodes ist eine andere Dynastie an der Macht, ein Herrscherhaus ohne göttliche Legitimation, wie viele Juden damals meinten und weiterhin ihre Hoffnung auf einen neuen König aus dem erwählten Geschlecht Davids richteten.
Wir denken bei der Geburt Jesu an das Kind von Betlehem, an das Kind in der Krippe. Aber es gibt viele Darstellungen, die uns das Jesuskind anders zeigen. Auf dem Schoß seiner Mutter thronend, zeigt sich das Kind in seinen Gesten als König. Um diesem König zu huldigen, kommen die Weisen aus dem Morgenland, die nun selbst als Könige dargestellt werden. Als König und Herrscher ruft auch der Eröffnungsvers der Messe am Dreikönigstag Jesus Christus an:

Seht, gekommen ist der Herrscher, der Herr.
In seiner Hand ist die Macht und das Reich.


Epiphanie - Erscheinung des Herrn - wird das heutige Fest auch genannt. Erschienen ist Christus als Herrscher der Welt. Christus ist Herr und König, aber wir nennen ihn auch unseren Bruder. Er ist unser Bruder, indem er klein wird wie ein Kind und sich in seinem Leben und Wirken allen Menschen, besonders den Armen und Schwachen, den Verachteten und Ausgegrenzten zuwendet und allen Gottes Nähe zeigt.

Als sie den Stern sahen, wurden sie von sehr großer Freude erfüllt. (Mt 2,10)

Der Weg der Magier hin zum Kind von Betlehem, er kann ein Sinnbild sein für unseren Lebensweg. Vielleicht erscheint manchen Menschen heute die Rede von Gottes Sohn, der der Welt machtvoll erschienen ist, als fremd und fern ihrer Realität. Aber können wir uns nicht wiederfinden in diesen suchenden Menschen, die der Sehnsucht ihres Herzens gefolgt sind, fernab aller ausgetretenen Pfade und Konventionen? Menschen, die aus der Bahn geworfen wurden und am Rande des Scheiterns waren, die aber ihrer Sehnsucht treu geblieben sind und so zum Ziel gefunden haben.
Es gibt Menschen, die nicht mehr an das Licht über ihrem Leben glauben. Resigniert schließen sie mit dem Leben ab, ohne Hoffnung, dass sich etwas zum Besseren wenden könnte. Sie sind so hart vom Leid getroffen, dass sie es selbst nicht schaffen, den Blick zum Licht zu erheben. Wie können wir ihnen die Freude des heutigen Tages vermitteln, die die Magier empfanden, als sie den Stern wieder sahen und die am Ende jeder Durststrecke des Lebens steht? Wie können wir die Hoffnung vermitteln, dass das Licht stark ist und nicht vom nächsten kleinen Windstoß wieder ausgelöscht wird?
Ich habe lange überlegt, wie man da einem Menschen Mut machen könnte und bin ich auf einen Text von Gregor von Nyssa gestoßen, einem Heiligen aus der zweiten Hälfte des vierten Jahrhunderts, dessen Gedenktag wir wenige Tage nach Dreikönig feiern. Er sagt:

Nicht der Himmel ist nach dem Bild Gottes geschaffen worden, nicht der Mond, nicht die Sonne, nicht die Schönheit der Sterne, nichts anderes, was es in der Schöpfung gibt. Nur du bist Bild der Natur geworden, die allen Verstand übersteigt, Ebenbild unvergänglicher Schönheit, Abdruck wahrer Göttlichkeit, ein Sammelbecken des seligen Lebens, Abbild des wahren Lichtes ... nichts Seiendes ist so groß, dass es deiner Größe gleichkäme.

Hoffnungsworte. Ich bin nach Gottes Bild geschaffen und nichts und niemand kann mir diese Würde nehmen. Wir sind Abbild des wahren Lichtes, tragen das Licht in uns. Wir müssen nicht nach etwas suchen, das außerhalb von uns liegt. Wir müssen in uns unsere Kräfte und Fähigkeiten entdecken und auch die Schwächen, die uns oft daran hindern, unsere Stärken zu leben. Jeder Mensch hat in sich eine so unendlich große Würde, weil jede und jeder als Bild Gottes geschaffen ist. Wir sind es wert, im Licht zu sein und all das Schöne zu empfangen, das vom Licht kommt. Wir gehören nicht der Finsternis. Wir sind Kinder des Lichtes.
Wir dürfen voll Hoffnung und Zuversicht in die Zukunft blicken, auch wenn wir sehen, dass an vielen Orten der Glaube zurückgeht und die Gläubigen angefeindet und verfolgt werden. Gottes Reich hat sein Zentrum nicht in dieser Welt, daher kann niemand seine Hauptstadt erobern und so das Reich vernichten. Niemand kann die Kommunikation und die Versorgungslinie zwischen dem Herrscher von Gottes Reich und seinen Getreuen unterbrechen. Gottes Macht ist überall auf dieser Erde gegenwärtig, an jedem Ort der Welt kann der Mensch mit Gott ins Gebet treten und überall kann Gott den Menschen mit seiner Gnade beschenken.
Bitten wir Gott um die Kraft, standhaft zu sein. Manchmal verlieren wir den Blick auf unser Ziel. Doch dann gibt es auch immer wieder jemanden, der uns zeigt, wo der Weg ist und Momente, in denen wir Kraft und Zuversicht spüren. Bitten wir um den Mut, den die Könige hatten, die den Weg ins Unbekannte gewagt haben, die durch alle Mühsale und Zweifel hindurch dem Stern gefolgt sind und bleiben wir stets in Verbindung mit Gott, der Mitte und dem Ziel unseres Lebens.

praedica.de/Weihnachtszeit/Epiphanie.htm
Tina 13
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