Predigt von Pfarrer Maximilian Pühringer zum Hohen Pfingstfest am 5.6. 2022

Predigt Pfingstsonntag, Übertragung Servus TV, 5.6.2022 Perikopen: Apg 13,14.43b-52 Joh 10,27-30
Liebe Brüder und Schwestern im gemeinsamen Glauben!
„Der große Unbekannte,“ lautet ein Filmtitel. So geht es vielen mit dem Heiligen Geist. Man kann sich wenig unter ihm vorstellen. Das war schon zu biblischen Zeiten so. Als Paulus bei der Missionsreise in Ephesus einige Jünger fragte: „Habt ihr den Heiligen Geist empfangen als ihr gläubig wurdet?“ bekam er zur Antwort: „Wir haben nicht einmal gehört, dass es einen Heiligen Geist gibt.“ Heutige Christen würden mitunter sagen: „Wir haben vom Heiligen Geist gehört, aber viel vorstellen können wir uns nicht.“ Wir sind eingeladen uns dem Geist Gottes auszusetzen. Die Heilige Schrift gibt uns Bilder. Drei möchte ich betrachten. Erstens: Der Schöpfergeist. Gottes Geist bringt Schöpfung hervor. Gott sendet den Geist. Aus Chaos wird Kosmos, aus Ungeordnetem wird Ordnung, Sprachschwierigkeiten werden überwunden. Gott hat Freude am Schaffen. In der Schöpfung Gottes ist sein Geist anwesend. Dem dürfen wir auf die Spur kommen. Wir tun dies, wo wir uns als Geschöpfe wahrnehmen. Wir verdanken uns einem Schöpfergott und nicht uns selber. Ich verdanke mich Gott und bin von ihm gewollt. Wir sollten stets neu versuchen daran zu glauben. Und wenn das für mich gilt, muss es für alle Menschen gelten. Dann müssen wir so leben, als ob alle sich Gott verdanken und von ihm gewollt sind. Wir sollen uns vom Geist leiten lassen, wie es Paulus in der zweiten Lesung ausdrückt. Unser Bekenntnis zum Schöpfergeist ist auch Bekenntnis zur Schöpfung. Christen können nicht in allem zur Welt Ja sagen. Wir dürfen schauen, dass es in seiner Schöpfung immer wieder recht wird, wenn wir das rechte Menschsein und Christsein hervorbringen. Zweitens: Der Beistand. Jesus verspricht den Jüngern, bevor er weggeht, sie nicht alleine zu lassen. Er verspricht den Beistand. Fühlen wir uns nicht manchmal verlassen? Haben wir nicht immer wieder Beistand nötig? Sehnen wir uns nicht alle nach einem, der bei uns ist, auf den man sich verlassen kann? Menschen können freilich auch einander beistehen, tun es auch, aber es bleibt das menschliche Ungenügen dabei. Gott steht uns bei. „Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt,“ hat Jesus gesagt. Das ist ein Satz zum Festhalten. Was können wir tun, um diesen Beistand zu entdecken? Nur eines: Augen auf, Ohren auf, Herz auf! Gott will uns von innen her aufbrechen, wie der Auferstandene die Jünger hinter den verschlossenen Türen hervorgeholt hat, ehe sie seine Zeugen in der Welt wurden. Sie konnten das, weil sie wussten, dass Gott ihnen beisteht. Unser ganzes Leben bleibt ein Wandern ohne Ziel, ein Irren in der Wüste und ein Stolpern ohne Halt, wenn wir den Beistand nicht entdecken und wahrnehmen, durch den Jesus auch heute bei uns ist. Wer so vertraut, darf sich geborgen wissen in der Sorge des Herrn, der darf den Beistand erfahren. Drittens: Der Tröster. Der Heilige Geist wird auch Tröster genannt. Viele Menschen brauchen in dieser Zeit Trost. Ich denke an Menschen in der Ukraine. Ich denke an Menschen, denen die Coronakrise Traurigkeit beschert hat. Ich denke an Menschen mit alltäglichen Sorgen und verborgenen Nöten. Doch was ist Trost? Es geht nicht um Vertrösten. Trost kommt vom Englischen „trust“ und heißt Vertrauen. Ohne Vertrauen kein Trost. Es geht um Vertrauen in Gott. Er enttäuscht unser Vertrauen nie. Es geht darum Misstrauen zu überwinden. Martin Luther hat das Wort Trost vom Hebräischen übersetzt mit Raum gewinnen. Der Mensch darf mit allem, was ihn ausmacht bei Gott vollen Raum gewinnen. Trost = Raum gewinnen. Es tröstet bei Gott Raum zu haben in dieser Welt und in Ewigkeit. Es tröstet Gott als innere Kraft zu erfahren.
Liebe Brüder und Schwestern! Den heiligen Geist Gottes dürfen wir in unser Leben hereinlassen. Er ist Schöpfer, Beistand und Tröster. Diesen Geist dürfen wir erbitten, dass er unser Leben ergreife und begeistere: „Komm, Heiliger Geist, erfülle die Herzen deiner Gläubigen und entzünde in ihnen das Feuer deiner Liebe.“ Amen