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Weit verbreiteter Irrtum: "Sola scriptura" war nie Prinzip der Glaubensverbreitung

"Sola scriptura" war nie Prinzip der Glaubensverbreitung

Heutige Bibelgruppen schwören geradezu auf das
lutherische Prinzip "sola scriptura" und das, obwohl
sie meist gar nichts mehr von Luther halten. Woher
mag diese Ansicht wohl kommen? Von einer weit-
sichtigen Rückschau auf die Kirchengeschichte kann
sie jedenfalls nicht stammen.

Wir brauchen sogar nur einen einfachen Blick in die
Urkirchenzeit werfen. Jesus berief seine zwölf
Apostel und die Evangelisten. Diese schrieben die
Evangelien jeweils um ein paar Jahre zeitversetzt
ab dem Jahr 42 n. Christi Geburt auf, genaue Reihenfolge:
CHRONOLOGIE DER EVANGELIENABFASSUNG (Druckvorlage).

Zunächst wurden diese Schriften innerhalb der damaligen
Urkirche gesammelt, d.h. sie wurden von den Nachfol-
gern der Apostel im Bischofsamt gut aufbewahrt. 5
katholische Patriarchate haben sich bald herausge-
bildet, das waren: Jerusalem, Alexandria, Antiochia,
Byzanz (später Konstantinopel genannt) und Rom.
Antiochia war der erste Sitz des hl. Petrus, der dann
nach Rom ging und dort mit Paulus den Martyrertod
erlitt. Somit wurde Rom bereits ganz früh Zentrum
der Katholischen Kirche, wenngleich anfangs noch
in den Katakomben. Nach dem Toleranzedikt von
Mailand 313 wurde das Christentum allmählich zur
Staatsreligion, wobei noch einige römische
Kaiser nach Konstantin d. Gr. sich dagegen stellten.
Erst deutlich nach dieser Zeit, zwischen 400 und 450,
hat die Katholische Kirche den Kanon der biblischen
Schriften endgültig festgelegt. Mit Gründung der
Orden, v.a. des Benediktinerordens (nach 500) folgten
erste Abschriften der biblischen Originalschriften, die
jedoch nur für die jeweilige Ordensgemeinschaft
aufbewahrt wurde. Mit Zunahme der Orden nahmen
auch die Abschriften zu und die Bibliotheken wurden
allmählich reicher an solchen biblischen Reichtümern.
Da sich gegen das Lateinische immer mehr die Natio-
nalsprachen durchsetzten, wurde Latein nur noch auf
dem Papier gesprochen, aber die Kirche hat diese
als heilige Sprache bis auf den heutigen Tag in der
Lateinischen Liturgie (Hl. Trid. Opfermesse n. Pius V.)
bewahrt. Die Kirchensprache wurde meist aber nur
von den Gebildeten und von den Priestern verstanden.
Die einfacheren Laien waren auf die Predigtauslegung
der Priester angewiesen ... und dies jahrhundertelang!
Erst mit Aufkommen der Buchdruckerkunst durch
Gutenberg (ca. 1450) waren die technischen Voraus-
setzungen für Bibeldrucke gegeben. Doch wer sollte
sich so ein teures Exemplar leisten können? Wiederum
erst nur die Kirche selber und einzelne begüterte Leute.
Bis es so weit war, dass sich jeder eine Bibel kaufen
konnte, dauerte es noch einmal Jahrhunderte. Nach
der Säkularisation (1803) haben sich dann so manche
Bibelgruppen aus dem Nichts gegründet wie z.B. die
"Zeugen Jehovas", ca. 1870. Diese Gruppen haben
sich das einfache Motto "nur die Bibel" zum Grund-
prinzip ihres Glaubens gemacht und deren Bibel-
forscherdrang lag sehr stark auf dem Fokus, die
Schrift entgegen der langen Tradition der Katholischen
Kirche auszulegen, denn sie sagten sich: jetzt kommen
wir, denen jahrhundertelang die Bibel vorenthalten
wurde, jetzt werden wir sehen, was wirklich in der
Bibel steht. Und, was steht wirklich in der Bibel ???
Selbstverständlich nichts anderes als die Katholische
Kirche in ihren Dogmen lehrt, denn Dogma heißt
Wahrheit und die Bibel wurde den Leuten nicht vor-
enthalten, wie gewisse Verschwörungstheorien
behaupten, sondern es gab keinen Buchdruck!
Viele meinen heute in ihrer Milchmädchen-
Oberschlaumeier-Mentalität, dass sie nun gescheiter
als die gesamte Kirchenlehre seien, weil sie vielleicht
einmal die Bibel durchgelesen haben. Leider wird
heute den Leuten in Bibelgruppen v.a. eine anti-
katholische Bibellese verabreicht, welche den Leuten
nur allerlei Hass gegen und Unwahrheiten über die
Kirche einredet. Zur Erinnerung: Diese Bibelarbeit,
die man besserwisserisch zu tun glaubt, haben alle
großen Kirchenväter der ersten Jahrhunderte betrieben
und zwar mit einem dermaßen genialen wie demütigen
Geist, dass heutige Bibelleser davor in die Knie gehen
müssten. Man lese doch einfach nur mal die Auslegung
des hl. Augustinus zum hl. Johannesevangelium.

Mit welch einer Überzeugung predigen uns heute die Teil-
nehmer von konfessionsverschiedenen Bibelgruppen:
"Sola scriptura" und ach, die Kirche hätte ja so vieles
Unnötige und Falsche hinzugefügt. Nee nee, da täuscht
ihr euch! Aber ganz gewaltig!

Die Kenntnis der Evangelien hat sich in der Mensch-
heitsgeschichte bis etwa 1900 fast nur über die Katho-
lische Kirche verbreitet, also nie über das Prinzip
"sola scriptura", weil es überhaupt nicht gewährleistet
war, dass jeder eine Bibel hatte, noch sie verstand.

Darüber sollten die Bibelgruppen mal nachdenken.
Dann scheint in ihnen vielleicht doch mal ein Funke
Dankbarkeit gegenüber der Einen, Heiligen, Katho-
lischen und Apostolischen Kirche auf, ohne die der
festgelegte Bibelkanon gar nicht bis in unsere Zeit
herein tradiert worden wäre. Und das ist kein Zufall,
sondern Gottes wunderbare Fügung, denn wie die
Bibel schon sagt, lässt sich die Echtheit des Glaubens
an der Einheit mit den Aposteln erkennen.

Frohe und gesegnete Osterzeit!
Heilwasser