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2-G-Modell und Ende kostenloser Schnelltests: ungerecht und gefährlich (www.heise.de)

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2-G-Modell und Ende kostenloser Schnelltests: ungerecht und gefährlich
Während Ungeimpfte auch von Kultureinrichtungen ausgesperrt werden, die sie mitfinanzieren, wiegen sich Geimpfte ohne Abstand in falscher Sicherheit

11. Oktober 2021
Gisela Sonnenburg

Stars wie Klaus Florian Vogt (li.) und Simone Schneider (mittig) gibt es in der Hamburgischen Staatsoper bald nur noch für Geimpfte und Genesene. Foto: Gisela Sonnenburg

Mit der Großzügigkeit im Namen der Corona-Schutzmaßnahmen ist es vorbei. Die Wahlen sind gelaufen, Unmengen von Impfstoff sind geordert und sollen in Deutschland an den Mann und an die Frau gebracht werden. Durch gleich mehrere Hintertüren wird eine Art Impfzwang eingeführt. Immer mehr Bundesländer führen optional das 2-G-Modell zur Corona-Bekämpfung ein - auch für staatlich finanzierte Einrichtungen. Somit haben nur Geimpfte und Genesene Zutritt Ungeimpfte werden rigoros ausgesperrt. Zudem müssen sie ab heute bundesweit ihre Corona-Tests selbst bezahlen.
Derzeit sind nur knapp 65 Prozent der deutschen Bevölkerung vollständig gegen das Coronavirus geimpft. Mehr als ein Drittel hat Bedenken oder sich aus verschiedenen Gründen bereits gegen eine Impfung entschieden. Und wahrlich nicht alle sind sogenannte Querdenker:innen.
Viele Menschen haben auf Medikamente oder Chemikalien schon einmal mit Unverträglichkeit reagiert. Allergiker:innen oder anders Vorerkrankte befürchten bleibende oder späte Schäden durch eine noch nicht lange bekannte Impfsubstanz. Meldungen wie die Aussetzung der Impfungen mit dem Vakzin Moderna für unter 30-Jährige in Schweden vergangene Woche sorgen zusätzlich für Verunsicherung.

Impfentscheidungen nicht immer aus Überzeugung
Bisher galt das Recht auf freie Entscheidung. Wer sich impfen lassen wollte, dem wurde der doppelte Shot kostenlos ermöglicht. Wer das Risiko unerwünschter Nebenwirkungen aber nicht eingehen mochte, dem wurde das kaum zum Hemmschuh. Nur manche Firmen stellen ihren Angestellten nachgerade nötigende Bedingungen: Auf dem harten Arbeitsmarkt lassen sich auch Menschen, die nicht restlos von der Sicherheit und Wirksamkeit der Vakzine überzeugt sind, zur Impfung drängen.
Impfgeschädigte, wie es sie bei jeder Massenimpfung in einzelnen Fällen gibt, werden aus dem öffentlichen Bewusstsein ausgeblendet. Aber niemand, auch kein Arzt und keine Ärztin, kann vorab sicher sagen, wer nun spezifisch sensibel ist und mit einer Schädigung auf die Corona-Impfung reagieren wird und wer nicht. Fest steht nur: Die meisten Menschen fühlen sich dafür robust und gesund genug - oder eben stärker durch das Coronavirus gefährdet.
Aber darf man Menschen, die Bedenken haben, direkt oder indirekt zwingen? Schwere Schäden sind selten. Aber: Sie kommen vor. Eine Impfung bedeutet eine künstlich erzeugte Abwehrreaktion des Körpers. Diese kann sich auch gegen den Körper selbst richten. Impfschäden können kurzfristig sein oder auch lebenslang anhalten, sie reichen von Entzündungsvorgängen über Hormonstörungen bis zu reduzierten Organfunktionen. Einige unter Millionen von Geimpften kann es hammerhart erwischen, etwa durch Organversagen.
Die Politik will unbedingt durchimpfen - und sinnt auf Mittel und Möglichkeiten, den proklamierten Impfzwang für alle zu umgehen, ihn aber faktisch für möglichst viele durchzudrücken.

Da ist zunächst die Klammer der Finanzierung, die sozial Schwachen in naher Zukunft die Corona-Tests erschwert. Während die Impfungen weiterhin kostenlos bleiben und manchmal - wie kürzlich in der Elbphilharmonie in Hamburg - wie staatlich bezahlte Werbe-Aktionen für die Pharma-Industrie abgehalten werden, müssen die bisher kostenfreien Schnelltests auf Covid-19-Antikörper ab heute bundesweit selbst bezahlt werden.
Es sei denn, es liegt ein Attest darüber vor, dass eine Impfung aus medizinischen Gründen nicht möglich ist. Das Problem: Nicht alle, die möglicherweise gefährdet sind, können das vorab nachweisen. Zwischen 11,50 Euro und 30 Euro pro Schnelltest und mindestens 48 Euro pro PCR-Test kommen an Kosten auf impfscheue Bürger:innen zu. Wer nur kurz was essen gehen oder für zwei Stunden ins Theater gehen möchte, fühlt sich da massiv benachteiligt. Wenn er oder sie denn überhaupt noch ohne Impfung in ein Restaurant oder ins Theater reinkommt.
Denn das sogenannte 2-G-Modell, das zunehmend in vielen Bundesländern Anwendung findet, verbietet Getesteten auch mit negativem Ergebnis glattweg den Zutritt.

Die 3-G-Regel hatte sich bewährt
So gesehen, ist das 2-G-Modell ohne Ausnahmeregelung im Sinne der Gleichbehandlung der Menschen nicht nachvollziehbar. Hier sind Juristen gefragt, die Sache auszuloten. Nun hat die Gesellschaft in den letzten Monaten mit der 3-G-Regel sehr gute Erfahrungen gemacht. Viele sehen darum nicht ein, wieso man davon abrücken soll.
In Baden-Württemberg, "schwarz-grün" regiert, war das 2-G-Modell, das nur noch Geimpfte und Genesene zulässt, zunächst als Notfallregelung gedacht: für den Fall, dass die Intensivstationen wieder stark belastet werden. Demnächst soll das 2-G-Modell im Schwabenland aber favorisiert und mit "Privilegien" wie Maskenfreiheit nach vorn gebracht werden.
Zusätzlich zum Kostendruck durch bezahlpflichtige Schnelltests wird ein Zugzwang auf die Bürger:innen ausgeübt, Motto: Lass dich impfen oder bleibe zuhause! Als seien die Menschen nicht in der Lage, selbständig für sich und ihre Gesundheit zu entscheiden.
Auch andere Bundesländer haben seit dem Wahlsonntag keine Scheu mehr, ihre Bevölkerung derart zu bedrängen. Der "rot-grüne" Hamburger Senat zwängt die hanseatischen Gastronomiebetriebe sogar schon seit dem Sommer systematisch in das 2-G-Modell hinein. Vordergründig ist 2-G zwar auch in Hamburg nur eine Option, also eine freiwillige Möglichkeit. Das 3-G-Modell, das Geimpfte, Genesene und Getestete zu Teilnehmer:innen macht, ist weiterhin erlaubt.

Aber faktisch wird die Entscheidung für das 2-G-Modell mit so vielen Privilegien ausgestattet, dass der freie Wettbewerb verzerrt wird. So gelten für Hamburger Restaurants und Clubs, die das 2-G-Modell anwenden, keine Maskenpflicht und keine Sperrstunden mehr und auch keine Auflagen bezüglich der Dichte der Besucher:innen. Beim 2-G-Diktat dürfen alle ohne Maske rein, es darf proppenvoll werden, und das bis weit nach Mitternacht.
Dabei können bis zu zehn Prozent der Geimpften trotz Impfung mit Corona-Viren infiziert und ansteckend sein. Und an "Long Covid", also der langwierigen Nacherkrankung mit chronischer Erschöpfung und Konzentrationsstörungen, können auch Geimpfte erkranken.
Nicht-Geimpfte, die nicht zufällig genesen sind, werden derweil abgestraft und ausgesperrt, auch dann, wenn sie negativ getestet sind - und das, obwohl sie mit ihren Steuergeldern zum Beispiel die teure Hamburger Hochkultur, die sie dann nicht mehr sehen dürfen, mitfinanzieren.

Ab 1. November "2 G" ohne Abstand und Maske
Die Hamburgische Staatsoper etwa hat sich - als erstes Opernhaus in Deutschland - entschieden, ab dem 1. November 21 das 2-G-Modell einzuführen. Denn nur so darf sie endlich wieder alle Platzkarten verkaufen. Derzeit herrscht im Hamburger Opernhaus noch Maskenpflicht. Außerdem müssen die Abstände eingehalten werden, auch im Zuschauersaal. Finanzielle Einbußen sind daher der Preis für größtmögliche Sicherheit für alle. Damit soll ab dem 1. November 21 Schluss sein. Die Maske soll im ganzen Opernhaus Vergangenheit sein, ebenso das Abstandsgebot.
Viren- und Bazilleninfekte aller Art werden dann zur Musik von Mozart und Verdi, zu Balletten wie "Dornröschen" und "Der Nussknacker" wieder ihre üblichen Verbreitungswege erhalten. Mit hoher Wahrscheinlichkeit wird es dann wohl auch Infektionen mit dem Corona-Virus im Opernhaus geben, die anschließend weiterverbreitet werden.
Zudem sind in Hamburg Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren von vornherein mit Erwachsenen, die den 2-G-Status haben, gleichgestellt. auch ohne Impfung oder Genesung. Kritiker:innen finden das fahrlässig. Aber die ungeimpften Erwachsenen von vornherein von der Staatskultur auszusperren, scheint für Hamburger Politiker:innen in Ordnung.
Sollten Klagen beim Verwaltungsgericht Hamburg eingehen, darf man auf deren Ausgang gespannt sein. Ein Opernhaus ist immerhin subventioniert und hat dem Bildungsauftrag gemäß allen zur Verfügung zu stehen. Das ist schon ein Unterschied zu einer privaten Gastronomieeinrichtung.
In Berlin wird denn auch differenziert. Für Kneipen und Restaurants ist das 2-G-Modell zwar erlaubt. Aber Kultursenator Klaus Lederer (Die Linke) empfiehlt für Theater, Konzerthallen und die drei Opernhäuser der Metropole weiterhin das 3-G-Modell. Dabei denkt er nach eigenem Bekunden vor allem an die ganz jungen Zuschauer:innen, denen er nicht von vornherein bescheinigen mag, nicht ansteckend zu sein. Denn Kinder und Jugendliche sind in Deutschland überwiegend nicht geimpft und werden es in absehbarer Zeit auch nicht sein.
Im Unterschied zu den Locations der Kultur in Hamburg dürfen die Theater und Opernhäuser in Berlin allerdings auch mit der einfachen 3-G-Regel alle Plätze anbieten. Auf ihrem Sitz angekommen, dürfen die Besucher:innen zudem ihre Masken abnehmen. Da Personen mit Erkältungsbeschwerden keinen Einlass begehren dürfen, hat man das Infektionsrisiko minimiert.

"3-G-plus" mit teurem PCR-Test
In Bayern gibt es derweil - zusätzlich zur Option von 2 G - seit kurzem eine neue Spielart des 3-G-Modells. Sie trägt den klingenden Namen "3-G-plus". Das "plus" mag für die erhöhten Kosten der Nutzer:innen stehen. Gemeint ist nämlich das negative Ergebnis eines teuren PCR-Tests statt eines normalen Schnelltests als Entrée-Berechtigung.
Opern-, Kino-, Sportstätten-, Club- und Restaurantbesuche in Bayern werden solchermaßen schwer zugänglich für all jene, denen die Euros nicht eben locker auf der Tasche liegen und die sich dennoch nicht impfen lassen wollen. Armut als Druckmittel zur Impfung. Das kann nicht legal sein, meinen Skeptiker:innen.
Sollte der bayerische Staat einkommensschwächere Menschen, die auf ihre freie Entscheidung pochen, nun rigoros abstrafen wollen, so wird das ohne Gerichtsverfahren wohl gelingen. Sie werden auf vieles verzichten müssen und in eine Isolation zurückrutschen, die seit dem Lockdownende im Frühsommer eigentlich überwunden schien.
Im Gegenzug locken für Geimpfte und Genesene Maskenfreiheit und erlaubtes Gedrängel. Aber das geschieht auf Kosten derjenigen, die da sich aus medizinischen Gründen impfen lassen können.
Ist das noch gerecht? Oder handelt es sich um staatliche Zuarbeit an bestimmte Wirtschaftszweige?

So sind Fußballstadien im Bayern unter Ministerpräsident Markus Söder (CSU) offenbar der höchste Maßstab, was die Änderungen der Corona-Regeln angeht: Die Stadien sollen sich wieder maximal mit brüllenden - und zahlenden - Fans füllen, die sich von keiner Maske und keiner Abstandsregel in ihrem Vergnügen gestört fühlen. So siegt König Fußball über die Intelligenz. Auch in bayerischen Clubs soll das Abtanzen ohne Maskerade und ohne Beschränkung auf eine bestimmte Personenanzahl durch das 2-G-Modell erreicht werden. Man hat schon fast den Eindruck, hier solle auf Biegen und Brechen eine künstliche Normalität vorgespiegelt werden.

Denn Fakt ist: Viele Expert:innen halten einen weiteren Lockdown im kommenden Winter für nicht unwahrscheinlich. Und: Wir haben immer noch die Corona-Pandemie, auch wenn wir das bei lauter Techno-Musik, begröhlten Fußballspielen oder vornehmen Opernarien einfach mal vergessen wollen.
Droht der nächste Lockdown nun nicht trotz, sondern wegen der neuen Corona-Schutzregeln? - Wer glaubt, das 2-G-Modell sei sicherer als das 3-G-Modell, wird womöglich eines Besseren belehrt: mit weiterhin steigenden Infektionszahlen.

Gisela Sonnenburg leitet das 2014 von ihr gegründete Online-Magazin Ballett-Journal auf ballett-journal.de und ist seit über zwanzig Jahren auch als Wissenschaftsreporterin tätig.
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Ein eigentlich netter Umstand bei diesem Spielchen um die Bezahlung des Testes ist, dass plötzlich alle steuerzahlende Ungeimpfte laut des Bundesgesundheitsministeres keine Steuerzahler mehr sind ! Nun, frage ich mal so nebenbei. " Ob dieser Hr, Spahn, es diesen Steuerzahlern freundlicherweise schriftlich geben könnte, um so den zuständigen finazämtern mitzuteilen, dass man auf Grund seiner …More
Ein eigentlich netter Umstand bei diesem Spielchen um die Bezahlung des Testes ist, dass plötzlich alle steuerzahlende Ungeimpfte laut des Bundesgesundheitsministeres keine Steuerzahler mehr sind ! Nun, frage ich mal so nebenbei. " Ob dieser Hr, Spahn, es diesen Steuerzahlern freundlicherweise schriftlich geben könnte, um so den zuständigen finazämtern mitzuteilen, dass man auf Grund seiner mehrfach wiederholten aussage auch tatsächlich keine Steuern mehr an ein Bundesland bzw. den Bund entrichten braucht, weil er sonst auch hier mal wieder schlichtweg gelogen hat und dies ein Vorstoss gegen das Gleichheitsprinzip in Deutschland verstösst . Also Hr. Spahn, nicht nur Reden, sondern auch die ungeimpften Steuerzahler von der Steuerpflicht, Danke ihres Vorstosses, befreiden. Denn dann wird erst ein Schuh aus ihrer Unterstellung, die sie freundlicherweise mehrfach öffentlich von sich gegeben
haben !!!