Heiliger Irenäus, Kirchenlehrer, Bischof und Martyrer von Lyon, + 28.6.202 - Fest: 28. Juni

Man hätte im Heiligenkalender wohl kaum einen anderen finden können, der so würdig wie Irenäus den morgigen Festtag Peter und Paul einläutet.

Der heilige Irenäus wurde um das Jahr 140 in Kleinasien von griechischen Eltern geboren, besaß hervorragende Geistesanlagen und genoss eine vortreffliche Ausbildung, so dass er zu den gescheitesten Männern seiner Zeit gehörte.

Von den Aposteln lebte damals keiner mehr, wohl aber gab es vereinzelt noch Apostelschüler, das sind solche, welche die heiligen Apostel und mindestens den heiligen Apostel Johannes, der um das Jahr 100 starb, noch gekannt und von ihnen die christliche Lehre aus erster Quelle erhalten hatten.

Irenäus ließ es sich angelegen sein, alle damals noch lebenden Apostelschüler aufzusuchen, und besonders lange weilte er bei dem heiligen Polykarp, der fünfzig Jahre vorher vom heiligen Apostel Johannes die Bischofsweihe empfangen hatte. Alles diese Männer forschte Irenäus aus nach dem, was die Apostel mündlich gelehrt hatten, und was er da von den Apostelschülern hörte, schrieb er sorgfältig nieder.

Dadurch hat Irenäus der Kirche einen großen Dienst erwiesen, denn die christliche Lehre ist nicht nur im geschriebenen Wort der Heiligen Schrift, sondern auch in den mündlichen Unterweisungen und Predigten der Apostel enthalten. Dadurch hat uns also der heilige Irenäus sicherlich einen großen Dienst erwiesen, dass er die mündliche Lehre der Apostel bei den damals noch lebenden Apostelschülern erforschte und sammelte.

Wie notwendig die Sammlung der mündlichen Überlieferung war, sollte sich bald zeigen, denn es traten unter den Christen Irrlehrer auf, die sagten, dass für den Glauben die Heilige Schrift allein maßgebend sei, welche diese Leute dazu auch noch nach eigenem Kopf mit ihrem beschränkten Verstand auslegten, ohne sich um die Auslegung der Kirche zu kümmern, die doch die Grundsäule und Grundfeste der Wahrheit ist. Es war ohne Zweifel eine gefährliche Irrlehre, welche vor allem die Einheit unter den Christen gefährdete. Da erhob sich Irenäus gegen die Glaubensverfälscher und wies an Hand der von ihm gesammelten Aussagen der Apostelschüler nach, dass sich der Glaube nicht nach der Bibel allein richten darf, sondern auch nach der mündlichen Überlieferung gestaltet werden muss, und zwar in der Form, wie beide, Bibel und Überlieferung, von der Kirche in Rom ausgelegt werden, die vor allen anderen Kirchen den höchsten Vorrang besitzt.

So verteidigte Irenäus die mündliche Überlieferung gegen die Glaubensverwässerer, kämpfte für den Frieden unter den Gläubigen und die Einheit der christlichen Welt unter dem obersten Hirten in Rom und stellte sich gleichsam schützend vor die Apostelfürsten Petrus und Paulus, weswegen ihm als ihrem Herold auch mit Fug und Recht die Ehre gebührt, dass sein Fest vor ihrem Fest am morgigen Tag gefeiert wird.

Die weiteren Schicksale des heiligen Irenäus sind in drei Worten schnell berichtet, denn er wurde Priester, Bischof und Martyrer.

Was also der heilige Irenäus uns heute an seinem Fest, am Vortag von Peter und Paul, zur Beherzigung vorlegt, ist die Tatsache, dass der wahre christliche Glaube auf der Bibel und auf der mündlichen Überlieferung in der Weise beruht, wie beide, Bibel und Überlieferung, von der römischen Kirche ausgelegt und zu glauben befohlen werden. Deshalb beten wir heute mit der Kirche:

„O Gott, du hast deinem heiligen Martyrer und Bischof Irenäus die Gnade verliehen, durch die Wahrheit seiner Lehre die Irrtümer zu überwinden und erfolgreich den Frieden der Kirche zu festigen; wir bitten dich daher: gib deinem Volk Standhaftigkeit im heiligen Glauben und spende unseren Zeiten deinen Frieden. Amen.“

heiligen-legende.de/irenäus-von-lyon/
Oenipontanus
"Da erhob sich Irenäus gegen die Glaubensverfälscher und wies an Hand der von ihm gesammelten Aussagen der Apostelschüler nach, dass sich der Glaube nicht nach der Bibel allein richten darf, sondern auch nach der mündlichen Überlieferung gestaltet werden muss, und zwar in der Form, wie beide, Bibel und Überlieferung, von der Kirche in Rom ausgelegt werden, die vor allen anderen Kirchen den höchs…More
"Da erhob sich Irenäus gegen die Glaubensverfälscher und wies an Hand der von ihm gesammelten Aussagen der Apostelschüler nach, dass sich der Glaube nicht nach der Bibel allein richten darf, sondern auch nach der mündlichen Überlieferung gestaltet werden muss, und zwar in der Form, wie beide, Bibel und Überlieferung, von der Kirche in Rom ausgelegt werden, die vor allen anderen Kirchen den höchsten Vorrang besitzt."

"So verteidigte Irenäus die mündliche Überlieferung gegen die Glaubensverwässerer, kämpfte für den Frieden unter den Gläubigen und die Einheit der christlichen Welt unter dem obersten Hirten in Rom ..."

Die von mir mittels Fettdruck hervorgehobenen Worte scheinen zu insinuieren, dass Irenäus bereits ein päpstliches Lehramt bzw. einen päpstlichen Jurisdiktionsprimat gekannt habe. Derartige Konzepte sind jedoch der Zeit, in der Irenäus lebte und schrieb, noch unbekannt (ja, ich weiß, dass Sie mir hier wiedersprechen werden, @Maximilian Schmitt!).

Die wichtige Stelle, an der Irenäus über die "successio(nes) Episcoporum" und die "potior principalitas" der römischen Kirche spricht, lautet so:
"Sed quoniam valde longum est in hoc tali volumine omnium Ecclesiarum enumerare successiones; maximae, et antiquissimae, et omnibus cognitae, a gloriosissimis duobus Apostolis Petro et Paulo Romae fundatae et constitutae Ecclesiae, eam, quam habet ab Apostolis Traditionem, et annuntiatam hominibus fidem, per successiones Episcoporum pervenientem usque ad nos indicantes, confundimus omnes eos, qui quoquo modo, vel per sibi placentia, vel vanam gloriam, vel per caecitatem et malam sententiam, praeterquam oportet colligunt. Ad hanc enim Ecclesiam propter potiorem (andere Lesart: potentiorem) principalitatem necesse est omnem convenire Ecclesiam, hoc est, eos qui sunt undique fideles, in qua semper ab his, qui sunt undique, conservata est ea quae est ab Apostolis Traditio."
(Irenäus von Lyon, Adversus haereses III.3.2; The Third Book of St. Irenaeus Bishop of Lyons Against Heresies. With short notes, and a glossary, by Henry Deane. Oxford: At the Clarendon Press, 1874, S. 5–6.)

Eine äußerst kompetente Analyse dieser Irenäus-Stelle findet sich hier (S. 13–23): books.google.at/books?id=8dBlAKsoJHUC&printsec=frontcover&dq=funk+abhandlungen&hl=de&sa=X&redir_esc=y
Ischa Ischa Ischa
Zur Rolle des Petrus sagt Perrier, dass er vor allem die Aufgabe hatte, für die Einheit der Lehre zu sorgen, während er in Fragen der Liturgie auch verschiedene Formen zuließ (natürlich unter Wahrung des Essenziellen, z.Bp. für die Eucharistie). Und er hatte die Rolle des Hirten, des "Vaters", der rät und ermahnt und unterstützt (so im Perlenhymnus der Thomasakten). Das ist etwas anderes als die …More
Zur Rolle des Petrus sagt Perrier, dass er vor allem die Aufgabe hatte, für die Einheit der Lehre zu sorgen, während er in Fragen der Liturgie auch verschiedene Formen zuließ (natürlich unter Wahrung des Essenziellen, z.Bp. für die Eucharistie). Und er hatte die Rolle des Hirten, des "Vaters", der rät und ermahnt und unterstützt (so im Perlenhymnus der Thomasakten). Das ist etwas anderes als die heutige Definition des päpstlichen Lehramtes, da es "Weiterentwicklungen" noch nicht gab und Präzisierungen für Zeugen nicht nötig waren.
Maximilian Schmitt
Entscheidend ist doch, daß die Päpste selbst diesen Anspruch immer erhoben haben, so etwa der hl. Viktor, zudem ein Zeitgenosse des hl. Irenäus.
Oenipontanus
Das Erheben eines Anspruchs beweist nicht, dass dies berechtigterweise geschieht. Außerdem sind mir keine frühchristlichen Quellen bekannt, aus denen hervorgehen würde, dass die ersten römischen Bischöfe auch nur enfernt Unfehlbarkeit und Jurisdiktionsprimat (im präzisen Sinne des 1. Vaticanum) für sich reklamiert hätten.
Maximilian Schmitt
Für sich in Anspruch nehmen und reklamieren ist doch dasselbe, oder? Übrigens, war es nicht gerade die Kirche des Ostens, also die ostsyrische, welche in ihren Canones explizit am Primat Petri festhielt, trotz des nestorianischen Schismas: Die Tradition der Kirche von Antiochien im Hinblick auf den Primat des heiligen Apostels Petrus …
Oenipontanus
@Maximilian Schmitt
Sagen Sie bitte explizit, welche Canones der ostsyrischen Kirche Sie im Auge haben! Die meisten der (angeblichen) ostsyrischen Zeugnisse für den Primat Petri in dem von Ihnen verlinkten Buch beweisen deshalb nichts, weil Sie von unierten Ostsyrern stammen (v. a. Mar Joseph II.), die natürlich die römische Primatslehre vertreten mussten.
Ganz allgemein ist es ein Manko des …More
@Maximilian Schmitt

Sagen Sie bitte explizit, welche Canones der ostsyrischen Kirche Sie im Auge haben! Die meisten der (angeblichen) ostsyrischen Zeugnisse für den Primat Petri in dem von Ihnen verlinkten Buch beweisen deshalb nichts, weil Sie von unierten Ostsyrern stammen (v. a. Mar Joseph II.), die natürlich die römische Primatslehre vertreten mussten.
Ganz allgemein ist es ein Manko des an sich verdienstlichen Buches von Mar Cyril Behnam Benni, dass es nur abgerissene Zitate aus allen möglichen, d. h. maronitischen, syro-antiochenischen und ostsyrischen Quellen bringt, ohne diese chronologisch zu ordnen oder - was noch wichtiger wäre - im jeweiligen Zusammenhang, in dem sie stehen, darzustellen und zu werten.
Maximilian Schmitt
Ich dachte Ihnen wäre dieser Kanon bekannt? Muß ich jetzt auch noch Eulen nach Athen tragen? Sie finden ihn in Algermissens "Konfessionskunde". "Die meisten Zitate"? Kann sein! Aber eben nicht alle!
Oenipontanus
Man kann nicht alles wissen! 😉 Da ich den Algermissen gerade nicht zur Hand habe, wäre ich dankbar, wenn Sie mir die betreffende(n) Seite(n) abphotographieren und hier einstellen könnten.
Maximilian Schmitt
Wie schade, daß Sie den Algermissen nicht zur Hand haben. Es geht um die Sammlung Abd'Isho Bar Berikas, auch genannt, der Nomocanon. Man findet diese Stellen auch in dem oben verlinkten Buch, daß Sie sich weigern näher in Augenschein zu nehmen. Abd'Isho führt laut Algermissen diesen Kanon in seinen Sammlungen an, den auch auch andere syrische Schriftsteller und Bischöfe zu zitieren wissen:
2 more comments from Maximilian Schmitt
Maximilian Schmitt
Ist Dionysius Bar Salibi etwa ein katholischer Autor?
Maximilian Schmitt
Auch diese Perle stammt noch von Abd'Isho Bar Berika:
Oenipontanus
@Maximilian Schmitt
Beim ersten Zitat (Behnam Benni Nr. CXXXII) handelt es sich um einen pseudo(!)-nizänischen Canon, was auch Mar Behnam Benni wissen hätte können oder anmerken hätte sollen. Dieser nicht-authentische Canon beweist nur, dass es auch in der Kirche des Ostens Primatsvorstellungen gab, die aber faktisch nie eine Rolle gespielt haben und schon gar nicht allgemein verbreitet waren.
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@Maximilian Schmitt

Beim ersten Zitat (Behnam Benni Nr. CXXXII) handelt es sich um einen pseudo(!)-nizänischen Canon, was auch Mar Behnam Benni wissen hätte können oder anmerken hätte sollen. Dieser nicht-authentische Canon beweist nur, dass es auch in der Kirche des Ostens Primatsvorstellungen gab, die aber faktisch nie eine Rolle gespielt haben und schon gar nicht allgemein verbreitet waren.
Die Zitate zwei (Behnam Benni Nr. XCIII) und drei (Behnam Benni Nr. XC) sprechen nur von Petrus und nicht von dessen Nachfolgern auf dem Bischofsstuhl von Rom. Hier müsste also der weitere Kontext entscheiden, den wir aber nicht haben, da Mar Behnam Benni nur abgerissene Zitate bringt. Zudem hat eine stichprobenartige Überprüfung meinerseits ergeben, dass Mar Behnam Benni an manchen Stellen tendenziös (wenn nicht gar falsch) übersetzt hat. Das findet man natürlich nur heraus, wenn man die altsyrische Sprache beherrscht! 😉 Beispiel: Im syrischen Text von Nr. XCIII steht nicht "Simon alone". Das syrische Wort "balchud" bezieht sich vielmehr grammatikalisch eindeutig auf "aloho", also "Gott". Auch die "believers" in Nr. XC unterliegen Bedenken, da das zugrundeliegende syrische Wort "Schüler", "Jünger" oder "Katechumenen" bedeutet.
Wie Sie sehen, weigere ich mich keineswegs, das Buch von Mar Behnam Benni näher in Augenschein zu nehmen. Allerdings überprüfe ich die Quellen, die er (in bunter und wirrer Weise) bietet und ziehe nicht aus kurzen Zitaten weitgehende Schlüsse.
Maximilian Schmitt
Es ist vollkommen unwichtig, ob dieser Kanon pseudo-nizäanisch ist, oder nicht. Entscheidend ist, daß er die Gesinnung dieses Theologen und zeitgenössische Ansichten widerspiegelt. Außerdem war es unter Syrern nicht unüblich bei Konflikten mit Rom den Primat auf den Stuhl von Antiochien zu beziehen, der ja ebenfalls vom hl. Petrus gegründet wurde. Ihre Auffassung war und ist heute noch die, daß …More
Es ist vollkommen unwichtig, ob dieser Kanon pseudo-nizäanisch ist, oder nicht. Entscheidend ist, daß er die Gesinnung dieses Theologen und zeitgenössische Ansichten widerspiegelt. Außerdem war es unter Syrern nicht unüblich bei Konflikten mit Rom den Primat auf den Stuhl von Antiochien zu beziehen, der ja ebenfalls vom hl. Petrus gegründet wurde. Ihre Auffassung war und ist heute noch die, daß der Primat in ihren Patriarchen weiterlebe. Die Syrer, auch die Nestorianer, sind von kollegialen Auffassungen der Byzantiner meilenweit entfernt. Der monophysitisch-jakobitische Patriarch fordert noch heute bei ökumenischen Anlässen Bischöfe anderer Kirchen auf, sich seiner weltweiten Jurisdiktion zu unterwerfen. Bei den Nestorianern ist etwas komplizierter, aber auch sie nannten nicht ohne Grund ihren Patriarchen "Katholikos", dessen Posten aus politischen Gründen im Jahr 424 durch Dadisho anläßlich einer tumultuarischen Synode geschaffen wurde. Aus den Synodalakten geht klar hervor, daß auch sie einen "Felsen" brauchten, weil der Felsen in Rom für sie unerreichbar war. Übrigens, wie erklären Sie sich, daß nach Ansicht der Syrer der 1. Klemensbrief Teil der Hl. Schrift ist? Was den pseudo-nizäanischen Kanon angeht, so ist er keine pseudo-isidorische Fälschung, sondern die Fälschung hat einen anderen Ursprung, wahrscheinlich in der nestorianischen Kirche selbst, wie auch Vööbus vermutet. Und diese Fälschung scheint auch recht alt zu sein.
Maximilian Schmitt
Aufschlußreich könnte noch diese Quelle mit einem Artikel von P. Azis Hoh sein:
Werte
Ora pro nobis (und besonders Franziskus)
Ischa Ischa Ischa
Nach Pierre Perrier sprach Irenäus nicht nur griechisch, sondern unbedingt auch Aramäisch, und zwar fließend. Zum einen: in einer Hafenstadt wie Smyrna lief der internationale Handel auf Aramäisch. Wer dort aufwächst und einigermaßen intelligent ist, kann auch diese Sprache. Außerdem war es die Sprache Jesu, der Apostel, des Johannes, den Polycarp noch hörte. Hörte: bedeutet, bei dem der lernte, …More
Nach Pierre Perrier sprach Irenäus nicht nur griechisch, sondern unbedingt auch Aramäisch, und zwar fließend. Zum einen: in einer Hafenstadt wie Smyrna lief der internationale Handel auf Aramäisch. Wer dort aufwächst und einigermaßen intelligent ist, kann auch diese Sprache. Außerdem war es die Sprache Jesu, der Apostel, des Johannes, den Polycarp noch hörte. Hörte: bedeutet, bei dem der lernte, ausgebildet wurde; und lernte bedeutet: er lernte auswendig. Johannes bestand darauf in seiner Priesterausbildung, dass auswendig gelernt wurde, damit man mit dem Herzen ruminieren konnte, und nicht vorwiegend mit dem Kopf. Deswegen wurde sein Evangelium erst kurz vor seinem Tod schriftlich hinterlegt. Johannes lehrte selbstverständlich auf Aramäisch.
Wenn Irenäus von Polycarp ausgebildet wurde, dann lernte auch er das Evangelium in aramäischer Sprache und auswendig. Und sicher war er in der Lage, es anschließend ins Griechische zu übersetzen. (Es scheint aber, dass das Griechisch des Kodex Bezae, den Irenäus in Lyon benutzte und wohl selbst übersetzt hatte, nicht besonders brillant ist. Aber: dieser Kodex ist zusammen mit dem Brixianus der aramäischen Peschitta am nähesten.)

Irenäus ist also der geistige Enkel des Johannes und hat in seinem Herzen und seinem Gedächtnis dasgleiche aramäische Evangelium wie Johannes im exakt gleichen Wortlaut. Insofern ist Irenäus ein so wichtiger Zeuge, und glücklicherweise wurde er zum Kirchenlehrer erhoben, was für unsere Zeit besonders wichtig ist. (siehe auch: Irenäus und die Endzeit, einer meiner frühen Posts)

Insofern sind mündliche Überlieferung und Bibel für die aramäisch-sprachigen Christen zunächst quasi das Gleiche.

Aber selbstverständlich ist auch hier und auch in dieser frühen Zeit auf das richtige Verständnis des Wortlautes zu achten, und damit beginnt die mündliche Überlieferung der Kirche, die für die richtige Deutung der Bibel sorgt. Je weiter die Sprache vom Ursprung entfernt ist, je weiter entfernt die Kultur ist und je mehr Zeit vergangen ist, desto wichtiger.

Im Westen, wo es keine Kultur der mündlichen Bewahrung von wichtigen Texten gab, musste die Kirche von Anfang an strenger auf die richtige Ausdeutung = Überlieferung achten. Hier gab es auch viel mehr Häresien, wie Irenäus feststellen musste, als er nach Rom kam.
Aber es gab in Rom auch eine große Gemeinde von Aramäern, vermutlich zum Christentum bekehrte Juden, die Irenäus die "bar braie" nennt, die "Söhne von außerhalb" (des Römischen Reiches). Bar braie wurde zu "Barbaren", mit der abschätzigen Konnotation, die Rom für die Orientalen hatte.

Irenäus sagt, er habe dort Menschen getroffen, die haben das Evangelium nicht mit Papier und Tinte aufbewahrt, sondern auf ihr Herz geschrieben (=auswendig gelernt). Wenn sie eine Häresie hören, erkennen sie diese sofort, verstopfen sich die Ohren und laufen weg. (finde leider grad die genaue Stelle nicht, jedenfalls in Contra Haereses)
Maximilian Schmitt
Was zu beweisen wäre!
Ischa Ischa Ischa
tja, die Zettelchen wird man kaum finden, drum ist Logik angesagt.
Ischa Ischa Ischa
Für Detailfragen gibt es natürlich Beweise, Zitate etc., es wäre also wissenswert, wofür Sie einen Beweis möchten.
Bei manchen Thesen ist es allerdings nötig, A und B und ... X (schriftliche Quellen oder Funde) aus Archäologie, Ethnologie, Judentum, Straßen und Handelswege im 1. Jhd. usw. logisch zu verbinden.
Gast6
"So verteidigte Irenäus die mündliche Überlieferung gegen die Glaubensverwässerer"