M.RAPHAEL
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Macht, Gewalt und Wahrheit

Von klein auf lernt der Mensch, dass das Leben Gewalt und Macht ist. Das gilt vor allem auch für die modernen Gutmenschen. Passivität und Rücksicht darf man sich nicht leisten. Sonst ist man sehr schnell im Armenhaus. Das Leben spuckt einen aus. Das Prinzip des Fußballs gilt auch für die Natur. Alles jagt der Stärke, dem Fußball, hinterher. Wer nicht gierig ist, fliegt raus. Wenn ich im Garten arbeite, wird das immer aufdringlich offenbar. Die Natur hasst das Schwache. Sie will, dass ich das verkrumpelte, das „unwerte Leben“, das Entartete, die kaputten Äste entferne, damit das Starke umso mehr leben kann. Mach das Kranke da weg. Es hat kein Recht auf Existenz.

Die Nazis haben das gewusst und waren am Ende selber die Schwachen. Jetzt werden sie weg gemacht. So läuft das. Auf dem Opernball der sozialen „Balance of Terror“, der gesellschaftlichen Unterdrückung, der alle gehorchen müssen, haben sie nichts mehr zu sagen. Heimtückische Weiber und Regenbogentypen pfeifen. Die Nazis müssen hüpfen.

Macht und Gewalt bestimmen das Leben. Wer nicht spurt, wird geächtet. „Such dir doch einen Arbeitsplatz und gehorche dem Kapital. Vielleicht hast auch du dann eine Chance auf etwas Würde? Wenn du ein junger Mann bist und eine Frau suchst, musst du möglichst feminin und luschig werden, vielleicht kannst du dann für ein paar Stunden U-Boot versenken spielen, nur um für den Rest des Lebens Geld ins Nichts zu überweisen. Würde und Anerkennung wirst du niemals haben.“ Pech. Die Natur ist brutal. Die Frauen, Astarte und Lilith, herrschen.

Die Welt ist böse, grausam und rücksichtslos. Aber sie gibt sich liebe- und verständnisvoll. Deshalb ist sie unendlich verlogen. Damit die getretene Kreatur nicht aufmuckt, wird sie von der Traummaschine Hollywoods mit billigen Selbstvergötzungslügen bedient. Wer gläubig Iron Man schaut, wird sich in der Realität schnell in seine Deckelung fügen. Der nimmt den Zwang der Straßenbahnschienen gar nicht mehr wahr.

Die aufmerksameren unter den Machtmenschen erahnen das Problem. Sie wollen ihren Kindern helfen und nehmen sie mit auf die Jagd, damit sie das Töten lernen. Nur der Killer hat eine Zukunft. Das weiß jeder, vor allem auch die Weibchen, die guten Sex haben wollen. Aber es hilft nicht, die Migranten sind die Killer. Die weißen einheimischen Männer sind Versager, weil sie viel zu lange ihre eigene geile Lebensgier zu Gunsten einer profitorientierten Disziplin verneint haben. Die Geldgier hat sie in impotente Trottel verwandelt. Während der Gatte die Brücke baut, bumst sein Weib den „lieben“ Sklaven.

Also Gewalt und Wut. Die Opernball Besucher haben alle Alpträume. Sie kennen die Gefahr. Der schwarze Mann, der böse Verfolger, ist immer da. Gott muss ihnen helfen.

Aber Gott hilft ihnen nicht. Er will ihre Unterwerfung. Er will, dass sie der Welt entsagen. Er will, dass sie dem Josef II ins Gesicht spucken. Das wollen sie nicht. Sie lieben die aufgeklärte Welt der Vernunft. Nur diese verspricht ihnen Herrschaft und Kontrolle. Sie entwickeln die Wissenschaften. Mit ihnen werden sie bald die Welt beherrschen. Sie sind Kinder der Welt. Sie sind Kinder der Natur. Sie sind Kinder des Herrn der Welt. Auch sie lieben am Ende die Gewalt, die Macht und die Unterdrückung. Deshalb verlangen sie stehend die Kommunion in ihre Hand, in ihre Macht. Da brauchen sie sich nicht hinzuknien und den Herrn passiv zu empfangen. Da sind sie Chef. Da sind sie an der Macht. Nur nicht aufwachen. Nur nicht nachdenken.

Diese Herren der Macht, die eigentlich dumme Sklaven der Dämonen sind, bilden sich ihr Gottesbild. Ihr Gott entspricht ihnen. Er, in Form des lieben Jesuleins, des lieben Gottes mit Bart im Sinne des Weihnachtsmann vom Nordpol, tut, was sie wollen. Aber sie wissen, das ist nicht der wahre Gott. Er kann es gar nicht sein, weil er ihr Sklave ist. Also werden sie Freimaurer. Religion wird zur Privatsache. Nur der Herr der Welt, der Gott der Natur, der Macht und Unterdrückung, der große Architekt, ist der wahre Gott. Der gekreuzigte Gott des Machtverzichts kann nur eine Lüge sein, weil er mit der universellen Lebenserfahrung der rücksichtslosen Machtverherrlichung nichts zu tun hat. Da kann man gleich an die Jungfräulichkeit der Muttergottes wie an die Frau Holle oder Rumpelstilzchen glauben. Da lachen die nachdenklichen Siegertypen des Opernballs. Sie wissen es besser.

Eine Kaserne des Josef II im Wienerwald, welche sich täuschend den Namen eines Orden des wahren Gottes auf die Stirne klebt, den Josef II vernichten wollte, hilft dem Selbstbetrug. Der nächste Opernball kann kommen.