Clicks1.8K
de.news
8

Noch gefährlicher ist der Virus der Religionslosigkeit - von Pfarrer Matthias Rey

2000 Jahre hat die katholische Kirche darum gekämpft, dass sie in ihrer Freiheit durch den Staat nicht eingeschränkt wird, wenn es um ihre Gottesdienste geht.

Heute sind wir am Punkt angelangt, wo ich als Pfarrer beim Studium von eidgenössischen und kantonalen Weisungen nicht einmal weiß, ob wir ein Museum oder ein Verein sind, ob eine Prozession unter “kulturelle Veranstaltung”, “Vereinsversammlung” oder unter dem Demonstrationsrecht einzuordnen ist.

Das Wort “Gebet” wurde von unseren Regierungen (soweit ich das bis zum Redaktionsschluss dieses Beitrags sehen konnte) konsequent vermieden, obschon doch unsere Landeshymne die frommen Schweizer auffordert zu beten.

Um das Wort “Gott” zu vermeiden, finden wir zum Beispiel in den Weisungen des Kantons Graubünden “religiöse Anlässe” (statt wie üblich “Gottesdienste”).

Die Eidgenossenschaft, das heißt, das Bundesamt für Gesundheit, ist in ihrer Weisungen sogar soweit gegangen, dass ein Wort kreiert wurde, das im DUDEN gar nicht existiert: “Religionshäuser”.

Dass man sich von Seiten der Regierung für das Wort “Kirche” schämt, kann man ja in Zeiten religiöser Toleranz einigermaßen nachvollziehen. Dass aber das Wort “Gott” (Gottesdienst/ Gotteshaus) konsequent vermieden wird, lässt für die Zukunft der Kirche in unserem Land Schlimmes befürchten.

Es scheint, dass das Recht auf eine maximale Lebensdauer absolut über alles andere gesetzt wird. Diesem menschlichen “Recht” wird das religiöse Recht auf den Empfang göttlicher Gnaden durch die Sakramente geopfert.

Das Recht, die Weisungen Jesu im Leben umzusetzen, der gesagt hat: “Tut dies zu meinem Gedächtnis” oder: “Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen” wird per Dekret verboten.

Ich weiß selber sehr gut, dass das Virus Covid19 hoch gefährlich ist, unberechenbar in seiner Übertragung und ebenso unberechenbar in den davon Infizierten. Da heißt es wirklich, vorsichtig zu sein!

Aber ebenso gefährlich, ja für das ewige Leben weit gefährlicher ist das geistige Virus der Religionslosigkeit. Von diesem Virus scheint unsere Gesellschaft komplett befallen zu sein.

Die Gesundheit, die Wirtschaft, ja sogar Schönheit und Geselligkeit sind unserer Regierung wichtiger als die Religionsfreiheit. Damit meine ich nicht nur die Regierung, sondern das Volk, das diese Regierung gewählt hat.

Über Einschränkungen von Versammlungen kann man diskutieren, aber Gott und Gebet zur Privatsache zu machen, widerspiegelt einen erschreckenden Zustand unserer Gesellschaft.

Wer Gott verehrt und aus Liebe zu ihm seine Gebote nach Kräften hält, der tut für die ganze Gesellschaft etwas Gutes. Und ebenso tut der, der betet, für die ganze Menschheit etwas Gutes. Das ist keine Privatsache!

So möchte ich wiederholen, was unsere Landeshymne (noch?) gebietet: “Betet, fromme Schweizer, betet!” Es geht nicht nur um unsere Gesundheit. Es geht um unser ewiges Leben!

Die Menschen aller Zeiten – zumindest seit die Menschheit ein kulturelles Leben kennt – hatten ein Projekt für die Ewigkeit. Dass ich für dieses Projekt in letzter Zeit nicht mehr tun konnte/durfte, dafür bitte ich die Gläubigen in aller Form um Entschuldigung!

Dank dem Präsidenten der Schweizer Bischofskonferenz, der etwas Druck aufgesetzt hat, sind Gottesdienste seit Pfingsten wieder möglich, allerdings mit rigorosen Sicherheitsvorkehrungen, die wesentlich strenger sind als in Restaurants, Bars, Schulen, auf der Straße, nicht zu sprechen vom Sexgewerbe.

Auch scheint es, dass die Regierung inzwischen wahrgenommen hat, dass die konsequente Ausgrenzung – wenn nicht Diskriminierung – der Religion im Allgemeinen und der Kirche im Speziellen (die Römisch Katholische Kirche ist doch immerhin nach wie vor die grösste Institution in der Schweiz) – bei einem doch nicht ganz unerheblichen Teil der Wähler nicht gut ankommt. In den neuesten Internetauftritten lässt sich “Gottesdienst” und sogar “Kirche” nach etwas Suche auch finden.

Übrigens kann das Sakrament der Beichte unter problemloser Einhaltung des “social distancing” in meiner 30m2 großen Pfarrstube ab sofort empfangen werden.

Auch für sonstige Gespräche bin ich jederzeit bereit – und wenn es auch jemandem nur darum geht, dass ihm jemand zuhört.

Meine Aufgabe als Priester besteht nicht darin, dass die Menschen möglichst lange gesund bleiben und am Ende ihres Lebens friedlich und schmerzfrei einschlafen, sondern, dass sie einmal auf der andern Seite im Frieden mit Gott in unendlicher Freude aufwachen.

Der Autor ist Pfarrer in Val Müstair, Kanton Graubünden.

mtmaissen
In unserer Gegend (Ausserschwyz) haben wir während der Coronazeit herausgefunden, dass die Aussetzung des Allerheiligsten mit den BAG-Verordnungen durchaus möglich war. Die Kirchen waren ja den ganzen Tag für einen Kirchenbesuch offen. Es sollten einfach nicht mehr als 5 Personen sein. So meldete man sich beim Pfarrer für die Anbetung an, die zu einer bestimmten Zeit stattfand. Er schaute, dass …More
In unserer Gegend (Ausserschwyz) haben wir während der Coronazeit herausgefunden, dass die Aussetzung des Allerheiligsten mit den BAG-Verordnungen durchaus möglich war. Die Kirchen waren ja den ganzen Tag für einen Kirchenbesuch offen. Es sollten einfach nicht mehr als 5 Personen sein. So meldete man sich beim Pfarrer für die Anbetung an, die zu einer bestimmten Zeit stattfand. Er schaute, dass die Regeln eingehalten wurden. Das war kein Problem. Die verschiedenen Teilnehmer waren sehr erfreut und dankbar, dass man auf diese Idee gekommen war.
Simon Vogel
Herzlichen Dank für den trefflichen Artikel! Mir aus dem Herzen gesprochen
CollarUri
Vielen Dank für die besonnenen Worte. Allerdings sind wir schon von 100 Grippe- und ähnlichen Viren "unberechenbar" angesteckt worden. Haben wir keine Angst, auch keine diesseitige! Jesus sagt über den Gläubigen: "Jetzt in dieser Zeit wird er Häuser, Brüder, Schwestern, Mütter, Kinder und Äcker erhalten, wenn auch unter Verfolgungen, und in der kommenden Welt das ewige Leben." (Mk 10,30)
Solimões
Matthias, Du bist ein Humorist. Hast Du noch nicht gemerkt, dass die Landeshymne abgeschafft wurde, mit kräftiger professioneller Sterbehilfe von einem abgefallenen Jesuiten?
Solimões
was hat das mit meinem Kommentar zu tun? im Feld verirrt? ist halt echt schwierig 🤒
Don Reto Nay
Wenn der Schweizerpsalm abgeschafft wurde, muss das irgendwie am dummen Volk vorbeigegangen sein. Andererseits ist die Bedeutung solcher Musik heute fast nur auf Sportveranstaltungen beschränkt, wobei ich mich frage, was der Sport mit Landeshymnen zu tun hat.
Solimões
@Don Reto Nay
Es gab einen "Wettbewerb" und ein ungläubiger Lehrer hat den Schwachsinn zusamengeschustert, und Lukas Niederbergeer (iam SJ) als Chef der Schweizerischen Gemeinnützigen Gesellschaft (Patronat über Schweizerpsalm) bemüht sich nun, das Machwerk von Propagandaklassen am 1. August singen zu lassen.

So sind wir in der freien Schweiz unter der Fuchtel des Teufels. Wie bei Liturgiezers…More
@Don Reto Nay
Es gab einen "Wettbewerb" und ein ungläubiger Lehrer hat den Schwachsinn zusamengeschustert, und Lukas Niederbergeer (iam SJ) als Chef der Schweizerischen Gemeinnützigen Gesellschaft (Patronat über Schweizerpsalm) bemüht sich nun, das Machwerk von Propagandaklassen am 1. August singen zu lassen.

So sind wir in der freien Schweiz unter der Fuchtel des Teufels. Wie bei Liturgiezerstörung und Orthographiereform befinden selbsternannte Experten über die gemeinsame Kultur (Forscher: Maskenpflicht fördert Gesundheit).
Don Reto Nay
Man kann dann diese "neue Version" hinter der Maske und mit Gesundheits-Abstand singen. Der Coronavirus hat wirklich auch gute Seiten.