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Plötzliche Heilung einer verdorrten Hand auf die Fürbitte des hl. Stanislaus Kostka

Der folgende Text ist aus der Positio super miraculis, Romae 1677, Summarium S. 22 f., übersetzt worden.

Der Geheilte Matthias Textor[1] erklärte im Prozeß von Przemysl: Im Jahre 1626 wurde meine rechte Hand – ich weiß nicht wodurch – so krank, daß ich sie nicht mehr leicht in meinem Handwerk gebrauchen konnte. Ich konnte sie weder zusammenziehen noch bewegen oder mit ihr das heilige Kreuzzeichen machen. Es kam mir vor, als ob ich ein sehr schweres, nutzloses Gewicht an ihr trüge. Als ich einmal den Rat von Wundärzten und anderen befolgte und etwas anwandte, hatte ich an ihr die größten Qualen auszustehen, und ich glaubte schon, es werde mir nichts anderes als zu betteln übrigbleiben. Als ich aber einmal in der Stadt Jaroslaw in einem Gasthaus eingekehrt war, traf ich zwei Frauen, von denen die eine über die Krankheit ihres Sohnes klagte. Dieser sagte die andere: „Sieh zu, daß du zum sel. Stanislaus Zuflucht nimmst, mach für den kranken Sohn ein Gelübde, und er wird wieder gesund werden. Denn einer Nachbarin von mir hat dieses Mittel geholfen, und ihr Kind, das zuvor krank war, ist gesund geworden.“ Was ich da gehört hatte, bewahrte ich fest in meinem Herzen und Gedächtnis. Und ich beschloß, zu demselben Patron meine Zuflucht zu nehmen und ihm ein Gelübde zu machen wegen meiner kranken Hand. Es fügte Gott, daß ich am Weihnachtstage die Kirche der Jesuiten in Jaroslaw besuchte. Ich hatte kaum die Kirche betreten, da ging ein Priester zum Altar des Seligen zur Feier des hl. Meßopfers. Ich hörte die Messe an und versprach, zwei Messen an demselben Altar des sel. Stanislaus zelebrieren zu lassen, wenn etwa die Unbrauchbarkeit meiner Hand aufhören würde. Ich Armer empfahl flehentlich und ergeben diese Sache dem sel. Stanislaus. Nach der Messe ging ich ins Mittelschiff der Kirche, die Predigt hatte angefangen, und ich vergaß die Hand völlig, während ich auf die Predigt gut aufmerkte. Als der heiligste Name Jesus ausgesprochen wurde, fuhr ich mit meiner Hand zu meinem Käppchen, um es abzunehmen. Da erst merkte ich, daß die Hand geheilt ist, so daß ich das Käppchen abnehmen und anderes mit ihr tun kann. An jenem gleichen Weihnachtstage komme ich nach Haus zurück und siehe, beim Essen sieht meine Frau Agnes, daß ich mit meiner zuvor kranken Hand das Brot brechen und unbehindert die Speisen nehmen kann, was vorher unmöglich war. Erstaunt fragt sie: „Was ist das, daß du deine kranke Hand so gut gebrauchen kannst?“ Ich antwortete: „Der allmächtige Gott hat auf die Fürbitte des sel. Stanislaus Kostka meiner kranken Hand geholfen und sie wieder gesund gemacht.“ Ich glaube ganz fest, daß es auf keine andere Weise geschehen ist. – –

Agnes, Frau des Matthias Textor aus Niewronic, sagte aus: Ich bin sehr genau darüber im Bilde, daß meinem Mann Matthias Textor im Jahre 1626 seine rechte Hand vollständig verdorrte und unbrauchbar wurde, daß sie ihm Schmerzen, mir aber gewaltiges Leid eintrug, so daß er glaubte, betteln zu müssen, um für sich und die Kinder zu sorgen. Und siehe da, am Weihnachtstage kommt er aus der Kirche zurück und sitzt bei Tisch, bricht mit seiner rechten Hand das Brot. Ich sehe, daß sie wieder gesund ist. Verwundert frage ich ihn, wer und was seine Hand gesund gemacht habe. Er antwortete, er habe ein Gelübde gemacht, zum sel. Stanislaus gebetet und die Heilung seiner Hand erlangt. Mit dieser Hand, die er vorher nicht einmal bewegen konnte, vermag er nun alle Tätigkeiten seines Handwerks auszuführen, dank der Gnade Gottes und der Hilfe des sel. Stanislaus, den mein Mann und ich wie auch die Kinder mit besonderer Frömmigkeit verehren. Er arbeitet mit ihr und schafft mit ihr zu unserer großen Freude und verdient so den Lebensunterhalt. – –

P. Paul Zaborowski S.J. sagte aus: Matthias Textor aus Niewronic – dieses Dort liegt von Jaroslaw eine polnische Meile (6,48 km) entfernt – kam zu mir, als er in einer Predigt gehört hatte, der Prozeß für den sel. Stanislaus werde eröffnet, und berichtete, wie seine verdorrte Hand, die zu nichts mehr nütze war, auf die Fürbitte des sel. Stanislaus wieder hergestellt worden sei. Er habe ihm zu Ehren ein Gelübde gemacht nach dem Beispiel zweier Frauen, die miteinander über den sel. Stanislaus Kostka gesprochen und gesagt hätten, daß jene, die zu ihm in den verschiedensten Krankheiten ihre Zuflucht nähmen, auf seine Fürbitte Heilung und Gesundheit erhielten. – Der Geheilte bat, ich möchte ihm die Richter angeben, vor denen er über diese Heilung, die er erlangt habe, Zeugnis ablegen könne.

[1] Es ist nicht auszumachen, ob Textor hier Name ist oder Berufsbezeichnung, ob also nicht besser übersetzt würde: der Weber Matthias.

Aus: Wilhelm Schamoni, Wunder sind Tatsachen. Eine Dokumentation aus Heiligsprechungsakten, 2. Auflage, Würzburg/Stein am Rhein/Linz 1976, S. 145-146.