Wer will die Abschaffung des Privateigentums? (katholisches.info)

DIE PHANTASIEN DER MÄCHTIGEN, DIE VON EINER VORGELENKTEN MASSE BEGRÜSST WERDE

Wer will die Abschaffung des Privateigentums?

30. Dezember 2021
Von Tommaso Scandroglio*

Das Weltwirtschaftsforum (WEF) in Davos hat vor fünf Jahren einen Werbespot mit dem Titel „8 Prognosen für die Welt im Jahr 2030″ veröffentlicht. Diese Vorhersagen, die laut den Herausgebern alle positiv seien, wurden von Mitgliedern der Global Future Councils des Weltwirtschaftsforums getroffen. Auf der WEF-Plattform werden die acht 2030-Ziele mit einer Aussage eingeleitet, die viel über die ideologische Ausrichtung des WEF aussagt: „Wie die Siege von Brexit und Donald Trump zeigen, ist es nicht einfach, auch nur die unmittelbare Zukunft vorherzusagen“. Als wollten sie sagen: Die Mächtigen der Welt hatten beschlossen, daß das Vereinigte Königreich in Europa bleiben und jemand wie Trump niemals im Weißen Haus sitzen sollte, aber die Dinge haben sich unglaublicherweise anders entwickelt. Das dürfe nie wieder passieren! Deshalb ergreift das WEF Maßnahmen und setzt Ziele, die unbedingt, ohne Wenn und Aber, erreicht werden müssen. Rückblickend läßt sich erkennen, wie konkret auf ihre Umsetzung hingearbeitet wird.

Die Ziele sind:

Festsetzung eines Preises für CO2 (die berüchtigte Steuer auf die Luft, die wir einatmen, wird bald Realität);
Niedergang der US-Hegemonie zugunsten einer Koalition einiger weniger Staaten;
Bevorzugung der häuslichen Pflege gegenüber der Krankenhauspflege;
Verringerung des Fleischkonsums;
globale Neuordnung zugunsten der Masseneinwanderung;
„(…) die Werte, auf denen der Westen aufgebaut ist, werden auf die Probe gestellt“ (d. h. die letzten Reste des kulturellen Widerstands auf der Grundlage der Symbiose aus klassischer griechischer Philosophie, Römischem Recht und insbesondere dem Christentum, werden ausgelöscht);
Besiedelung des Planeten Mars (sic).
Jeder einzelne Punkt würde eine Analyse im Ausmaß einer eigener Doktorarbeit verlangen, aber aus Platzgründen werden wir uns hier auf das achte Ziel konzentrieren, das in Wirklichkeit das erste auf der Liste ist und wie folgt dargestellt wird:
„Alle Produkte werden zu Dienstleistungen. Ich besitze nichts. Ich besitze kein Auto. Ich besitze kein Haus. Ich besitze weder Geräte noch Kleidung.“
So schreibt es die dänische Abgeordnete Ida Auken1. Einkaufen ist in der Stadt des Jahres 2030, deren Einwohner saubere Energie beziehen und sich das, was sie brauchen, auf Abruf leihen, nur mehr eine ferne Erinnerung. Die entsprechende Behauptung in dem erwähnten Werbespot klingt so:
„Sie werden nichts besitzen und glücklich sein“.
Dies steht über dem Gesicht eines jungen Mannes mit einem stummen Lächeln geschrieben. Die Mächtigen der Erde wollen also das Privateigentum abschaffen, und wir werden alle glücklich darüber sein.
Doch einige kurze Überlegungen dazu.

Dieses Ziel hat eine eindeutig kommunistische Matrix: Die Abschaffung des Privateigentums ist im Denken der Theoretiker des reinen Kommunismus ein Muß. Alle Güter werden Gemeinschaftseigentum, sodaß sich jeder, wie das WEF sagt, das leihen wird, was er braucht. Keine Ware wird im Besitz von irgendjemandem sein. Produkte als käufliche Waren werden verschwinden und zu Dienstleistungen werden: So wie ich einen Zug benutze, um mich fortzubewegen, aber der Zug nicht mir gehört, so werde ich ein Auto benutzen, um mich fortzubewegen, aber das Auto gehört mir nicht. Das Teilen wird universell, es betrifft jeden und generell, d. h. es betrifft alle Güter.

Das ist ein Frontalangriff auf das Naturrecht und das göttliche Recht, die dem Einzelnen das Recht auf Privateigentum zugestehen. Auf diese Weise nimmt der Staat das Eigentum der Bürger in Besitz und verwaltet unser aller persönliche Freiheit auf eine noch durchdringendere und erdrückendere Weise als bisher. Und nicht nur das: Die Mitglieder des WEF sagen voraus, daß wir uns gegen diese nicht mehr proletarische, sondern staatliche Enteignung nicht auflehnen, sondern davon begeistert sein werden. Für diese Herrschaften ist Eigentum offensichtlich eine Schlinge um den Hals, ein erstickendes Band, ein Zwang, der nur Kummer und zwischenmenschliche Konflikte mit sich bringt. Lassen Sie uns, sagt das WEF, also stattdessen zum glücklichen Naturzustand zurückkehren, in dem niemand etwas besitzt, weil es keine Gesetze zur Eigentumsregelung mehr gibt, mit der kleinen Einschränkung, daß der Staat sich von der Wiege bis zur Bahre um uns „kümmert“, falls man es auf natürliche Weise so weit schafft.
Das ist letztlich nichts Neues: Es ist das jakobinische Aufklärungsdenken, das den Besitzenden das Eigentum gewaltsam entzogen und seine kulturellen Wurzeln im englischen Empirismus des 16. Jahrhunderts hat. Man denke an den Philosophen Thomas Hobbes (1588–1679), der in seinem Werk De Cive den Menschen in einem Naturzustand zeichnet als ein Subjekt, das potenziell das Recht auf alles hat. Ein absolutes Recht. Einen Willen zur Macht, der sich nicht nur im Recht auf Eigentum manifestiert, sondern auch und vor allem im Recht auf ein friedliches und ruhiges Leben. Die Möglichkeit zu haben und zu tun, was man will, führt jedoch unweigerlich zu einem globalen Konflikt: Mein Recht, das absolut sein will, stößt auf die Grenze im Recht des Nächsten, das denselben Absolutheitsanspruch geltend macht. Dieser Konflikt kann nur durch die Potestas des Staates vermieden werden, die Zwangswirkungen erzeugt. Der Preis, der für diesen staatlichen Schutz zu zahlen ist, besteht darin, daß jeder seine persönlichen Rechte in die Hände eines Princeps abgibt, eines Fürsten, der so zum Leviathan wird, einer Figur, die den Hegelschen Staat als oberste und absolute moralische Instanz vorwegnimmt. Wer aber ist der Princeps? Wer übt die Macht im Staat aus? Wer garantiert das Allgemeinwohl und keine Gruppeninteressen, vielleicht die einer kleinen selbsternannten Elite?

Die Einladung, die in Zukunft zu einem echten Zwang werden wird, besteht also darin, das Recht auf Eigentum an die Staaten abzutreten, um so ein sorgenfreies Leben führen zu können: Das wird die Andockstelle für das gesellschaftspolitische Phänomen sein, das als „Happy Degrowth“ bekanntgemacht wird. Eine Art von allgemeiner und erzwungener Armut, die uns gelassener machen soll.

Es gibt mindestens zwei Beweise dafür, daß die von den gelenkten Massen gewünschte freiwillige Enteignung Wirklichkeit werden wird. Seit fast zwei Jahren muß die Weltbevölkerung aufgrund der ausgerufenen Pandemie mehr oder weniger starke Einschränkungen der persönlichen Freiheit hinnehmen. In einigen Fällen erscheinen diese Maßnahmen gerechtfertigt, in anderen sind sie unangemessen. Doch selbst im letzteren Fall unterstützt die Mehrheit der Gemeinschaft den Entzug der persönlichen Freiheit stillschweigend, ein Teil sogar enthusiastisch, und schlüpft in die Rolle des Verfolgers von jenen, die sich nicht fügen. Der Feind „des Volkes“ muß gejagt und verurteilt werden.
Eine ähnliche Dynamik findet bei Umweltfragen statt: Die Menschen verzichten auf Produkte, die weniger kosten, zugunsten von teureren und im allgemeinen weniger leistungsfähigen Produkten, die aber als green eingestuft werden. Auch in diesem Fall sind die Menschen begeistert, auf Produkte zu verzichten, weil sie dadurch einem angeblich höheren ethischen Wert folgen.
Das Szenario der nahen Zukunft wird also das einer Masse von freiwillig armen Menschen sein, die froh darüber sind und für die es kein Schwert braucht, um sie davon zu überzeugen, ihre Güter aufzugeben, sondern nur die Überzeugungskraft der Massenmedien. Die Bürger werden schwanzwedelnd gehorchen, weil sie gerne gehorchen. Das ist der Höhepunkt des Totalitarismus, der nicht mehr hart und blutig, sondern weich und wohlklingend sein wird. Aldous Huxley, Autor von „Schöne, neue Welt“, schrieb 1932:
„Die perfekte Diktatur wird das Aussehen einer Demokratie haben, ein Gefängnis ohne Mauern sein, aus dem die Gefangenen nicht im Traum daran denken, zu entkommen. Ein System der Sklaverei, in dem die Sklaven durch Konsum und Unterhaltung ihre Sklaverei lieben werden.“

*Tommaso Scandroglio, Rechtsphilosoph und Publizist
Übersetzung: Giuseppe Nardi
Bild: Corrispondenza Romana

1 Ida Auken, Jg. 1978, evangelisch-lutherische Theologin, entstammt einer gut vernetzten Politikerfamilie; die Tochter eines evangelischen Pastors und Sozialdemokraten und einer EU-Parlamentsabgeordneten der linksradikalen Sozialistischen Volkspartei (SF) ist seit 2007 Mitglied des dänischen Parlaments, zunächst wie ihre Mutter für die linksradikale SF, eine Abspaltung der Kommunistischen Partei Dänemarks, dann ab 2014 für die „grünere“ linksliberale Radikale Linke, die im EU-Parlament der liberalen Fraktion angehört, und seit 2021 für die Sozialdemokraten. Sie hat das gesamte linke Parteienspektrum durchlaufen. Von 2011 bis 2014 war sie als SF-Vertreterin in der damaligen Linksregierung Umweltministerin. Ihr Onkel war sozialdemokratischer Parlamentsabgeordneter, Vorstandsmitglied der Dänischen Nationalbank und zwischen 1977 und 2001 viele Jahre Arbeits‑, Umwelt- und Energieminister sowie Vizepräsident der Sozialistischen Internationale. Der Sprecher der demokratischen Abgeordneten im US-Congress hielt an seinem Grab die Totenrede. 2016 schrieb Auken für das Weltwirtschaftsforum (WEF) den Beitrag „Willkommen im Jahr 2030. Ich besitze nichts, habe keine Privatsphäre – und das Leben war nie besser“.

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