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Von den fremden Sünden - Katechismus vom Hl. Petrus Canisius

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Kurzer Inbegriff der christlichen Lehre oder Katechismus des ehrwürdigen Lehrers Petrus Canisius der Gesellschaft Jesu Theologen - Aus dem lateinischen Originalwerke in das Deutsche übersetzt - Dritte sehr verbesserte und um sieben Druck Bogen vermehrte Auflage (1826)

Fünftes Hauptstück.
Von der Christlichen Gerechtigkeit


Von den fremden Sünden
I. Welche heißt man fremde Sünden?

Diejenigen, welche, obschon sie durch Anderer Hände und Werke geschehen, doch uns billig zugerechnet werden, und unser Gewissen vor Gott der Verdammniß schuldig machen.
Deßhalb kann von diesen Sünden verstanden werden was die Schrift: (a) gebiethet: Mache dich nicht fremder Sünden theilhaftig. und was der königliche Prophet bethet: (b) von meinen verborgenen Sünden reinige mich, o Herr! und wegen der fremden verschone deinen Knecht. Dahin auch deutet (c) Basilius der Große, was St. Paulus an die Epheser geschrieben hat: (d) Habt nicht Theil an den unfruchtbaren Werken der Finsterniß, sondern strafet sie vielmehr. Dann das Wort des nämlichen Apostels: (e) Entziehet euch jedem Bruder welcher unordentlich wandelt, und nicht nach der Uebergabe die sie von uns empfangen haben.

II. Wieviel zählt man solche fremde Sünden?

Neun, wie sie denn auch beynnahe auf neunerlei Weise begangen werden, als nämlich: durch Rath, Geheiß, Einwilligung, Anregung, Lob oder Schmeichelet, durch Verschweigen fremder Schuld, durch Uebersehenoder Nachsicht, durch Theilnahme und böse Vertheidigung des Lasters.

III. Wann wird die fremde Sünde durch Rath vollbracht?

Wenn wir nämlich eines bösen Rathes,dem Andere folgen oder folgen könnten, selbst Urheber sind und Mithelfer. Zu einem Beyspiele sey uns Kaiphas, (a) welcher durch seinen Rath den jüdischen Senat zur Hinrichtung Christi gereizt und bewogen hat. Joseph von Arimathäa hingegen wird gelobt, und ein frommer und gerechter Mann genannt, (b) weil er nicht in den Rath gewilliget hat, und in die Handlungen jener Hohenpriester nämlich und Pharisäer, welche sich gottlos verschworen, Christum (c) zu thöten.

Unter die nämliche Klasse gehörte jener Demetrius, (d) welcher mit den übrigen Goldschmieden, weil er seinen Gewinn suchte, beynahe die ganze Stadt der Epheser wider Paulus und Pauli Lehre mit großer Bewegung erfüllte.
Hierin verstieß sich auch die berüchtigte Herodias, (e) welche der König Herodes zum Ehebruch schändlich mißbrauchte. Denn auf ihren Rath und Zureden hat die Tochter, die geschickte Tänzerin, die Sünde begangen, daß sie das abgeschlagene Haupt des heiligen Johannes grausam begehrte.

IV. Wann ist das Geheiß eine fremde Sünde?

Wenn durch unsern Beschluß, Befehl, oder Geboth dem Nächsten eine Unbild widerfährt, oder irgend etwas Böses vollbracht wird. So hat der König David den unschuldigen (a) Urias getödtet, nicht zwar durch seine eigenen oder seiner Diener Hände, sondern indem er solches durch einen Brief gethan und befohlen hat, daß dieser im Kampfe getödtet würde. Auch ist der Landpfleger (b) Pilatus an dem Tode Christi schuldig, weil er ihn den Juden zu Gefallen, obwohl einigermassen wider seinen Willen, doch aus seiner Gewalt zur Kreuzigung verurtheilt und übergeben hat. So haben (c) Pharao und (d) Herodes des größten Verbrechens sich schuldig gemacht, da sie das tyrannische Gesetz machten, die Kinder der Hebräer zu tödten. (e) Wehe aber denjenigen welche gottlose Gesetze geben.

V. Wann macht uns die Einwilligung der fremden Sünden schuldig?

Ihr habt den Urheber des Lebens getödtet. Merkwürdig ist St Pauli Spruch: (f) Nicht nur diejenigen, welche Böses thun, sonder auch die, welche denen die es thun, beystimmen, sind des Todes werth.

Wenn das, was von Andern böse geschieht, von uns gleichsam die Beystimmung erhält und wenigstens stillschweigend (a) gut geheißen wird. So hat Saulus gesündiget, da er in den Tod (b) des ersten Märtyrers Stephanus gestimmt hat. Gesündiget haben auch jene mehr als vierzig Männer (c) aus den Juden, welche sogar unter einem Gelübde, sich zur Ermordung des heiligen Paulus bewaffnet haben. Gesündiget haben endlich auch die Bürger (d) Jerusalems, da sie ihren Obrigkeiten beygestimmt, daß Christus getödtet würde, wie es deßhalben Petrus ihnen verwiesen und gesagt hat: (e)
Und hieher kann bezogen werden, was wir bey Cyprian lesen: (g) Der ist nicht frey von dem Laster, welcher einem Andern befohlen hat, daß er es thue, noch auch ist der am Verbrechen unschuldig, das zwar er selbst nicht begangen, von dem man aber öffentlich weiß, daß er mit eingestimmt habe.

VI. Wann begehen wir eine fremde Sünde durch Anreizung?

Wenn wir wissentlich einen andern zum Zorn reizen, zur Rache, Gotteslästerung, Grausamkeit oder dergleichen Lastern, es geschehe nun durch Worte oder Werke, oder auf was immer für andere Weise. So spottete die Frau des Job (a) ihres geduldigsten Mannes unverschämt, und reizte ihn, soviel an ihr war, sogar Gott zu lästern. Auch die Frau Tobiä, (b) gleich unfreundlich, beunruhigt und reizt den Mann häufig mit ihren Schmähungen, so zwar, daß …