Was prüft Gott?

Gloria Sollemnitas Sanctissimae Trinitatis.

Die herrliche Feier des heutigen Festes der allerheiligsten Dreifaltigkeit erlaubt mir, ein paar grundsätzliche Anmerkungen über die Wahrheit der menschlichen Berufung zu machen. Mit diesen wird auch klar werden, warum Gott nicht prüft, wie cool ein moderner Mensch oder die Konzilskirche in die Regenbogenwelt passt, sondern ob sich der Mensch in die vollkommene Wahrhaftigkeit, Aufrichtigkeit, Hingabe und Liebe des Himmels einfügen will?

Das Geheimnis der Dreifaltigkeit ist für die menschliche Vernunft nicht durchdringbar. Es kann nur geliebt und angebetet werden. Im Geist der Liebe könnte sich ein demütiger Mensch folgende Gedanken machen:

Am Anfang ist nur Gott, das absolute Ich, ewig und unveränderlich. Es gibt nur den „Ich bin da“ (vgl. Ex 3,14). Aber wer ist „Ich“? Mit dieser Frage ist der Sohn „da“. Das Ich des Vaters erkennt sich im Sohn, oder, wenn der Vater in den Spiegel schaut, sieht er den Sohn. Der Prozess des Ganzen, des Schauens, des Erkennens und des Wertschätzens im Sinne der vollkommenen Selbsthelle ist der Heilige Geist. Er schwebt über allem. Er garantiert die Wahrheit und die Integrität. Er stellt sicher, dass Gott eins ist und gleichzeitig unendliche Differenz in seinem Sohn erschaffen kann. Gott ist grenzenlos. Als das Absolute gibt es nur Ihn. Aber in Seinem Sohn ist unendliche diverse Schöpfung und ewiges Leben möglich, weil alles in das Fleisch und Blut des Sohnes integriert ist. Damit ist die Differenz in die Einheit Gottes inkorporiert. Alle sind und alles ist eins. Der Heilige Geist, der Dritte im Bunde, die unvorstellbare Liebe zwischen Vater und Sohn, stellt sicher, dass sich Vater und Sohn immer respektieren, dass sie sich nicht gegenseitig auffressen, im anderen verlieren. Der Vater bleibt das „Ich“. Der Sohn bleibt das „da“. Die Beziehung ist gewollt, stabil, nachhaltig, logisch, konsequent und kohärent. Sie ist wahrhaftig und verlässlich.

Das Böse ist dagegen das genaue Gegenteil. Es ist das Außen Gottes, seine Abgrenzung, sein Gott verneinendes Spiegelbild, der Anti Christ, die Negation von allem, was Gott ist (vgl. die aristotelische Logik von A oder nicht A). Da aber Gott keine Grenzen hat, ist das Böse Privation, Fiktion. Es gibt es nicht. Es ist nur ein Konzept ohne Sein. Aber die Idee ist schlimm genug. Der böse Nicht-Gott, in dem es durch das gegenseitige Fressen der Lieblosigkeit keine Differenz mehr zwischen Vater, Sohn und Heiliger Geist gibt, erträgt sein eigenes Spiegelbild nicht (vgl. Das Bildnis des Dorian Gray). Er will keine Schöpfung. Er will keine Differenz. Er will nur sich und am Ende noch nicht mal sich, weil seine eigene Existenz ihm noch zu viel ist. Im dunklen Nichts der Hölle sitzt der wahnsinnige, alles und sich selbst verneinende Geist des Anti Gottes, der alles frisst/vernichtet, was den wahren Gott abgelehnt hat und deshalb in die Phantomzone des Außen Gottes gefallen ist.

Es ist unvorstellbar furchtbar, weil die Seele unsterblich ist. Das Fressen durch den Anti Gott bedeutet, dass die unsterblichen Seelen, die sich Gott verweigert haben, ihre Verdauung im Magen des Molochs bis in alle Ewigkeit „erleben“ werden. In der Hölle gibt es keinen heißen Sex, sondern das zersetzende Brennen der Magensäure des bösen Gottes. Das dazugehörige Ersticken ist unsagbar unerträglich. Nein, der Teufel wird die nicht belohnen, die ihm gedient haben. Dafür hasst er sich zu sehr. Er wird sie fressen. Er will kein Gegenüber. Er will kein Spiegelbild. Er will keine Selbsthelle. Er will nur sich und am Ende noch nicht mal sich. Deshalb lügt und betrügt er. Er will Perversion. Er will gerade keine Unschuld. Er will keine Wahrhaftigkeit.

Entsprechend will er eine Kirche der Unzucht, die einer säkularisierten Gesellschaft der Selbstvergötzung hinterher hechelt, weil ihre glaubenslosen und perversen Kleriker auch mal ins Berghain wollen. Nein, der wahre Gott will keine coolen Supermenschen der offenen Überraschungen, die nachts der Lust frönen. Solche Menschen sind innerlich verlogen. Sie kennen den geilen Blick der Versuchung und bejahen ihn. Manche Frau wirft mir diesen frech erotischen Blick immer wieder mal zu. In ihm ist keine Liebe, sondern nur selbstvergötzender Hochmut, der sich bewusst auf die wütende Beziehung zwischen Eros und Thanatos einlässt. Der im perversen und ungeordneten Sex eingeschriebene Hass auf das Leben macht unvorstellbar stark. Durch diesen rutscht die Seele über die Grenze in das Reich des Nicht Gottes. Da ist man erst mal selber ein cooler Gott und man ist es wirklich, obwohl nur als Fiktion, aber das merkt man nicht, weil alles um einen Fiktion ist. Später kommt der Anti Gott und frisst einen, aber dann ist es zu spät.

Der Anti Gott benutzt den selbstsüchtigen Hochmut und die verlogene Lust, um so viele Menschen wie möglich auf seine Seite ziehen und dann fressen zu können.

Der wahre Gott will das Gegenteil. Er will ewiges Leben. Deshalb prüft er die Menschen auf ihr blindes Vertrauen (ergo: Gott ist unsichtbar und nicht benutzbar für egoistische Ziele), ihre Treue, ihre Hingabe, ihre Aufrichtigkeit, ihre Wahrhaftigkeit, ihre Unschuld, ihre Demut und vor allem ihren Respekt vor der verbotenen Frucht, denn nur letzterer ermöglicht die Harmonie einer ewigen Schöpfung von differentem Sein im Leib des Herrn.
Stefan Albrecht
inspirierend.... Danke