Gerti Harzl
181255

War es gewollter Massenmord? Der Holodomor von 1932/33

Aufruf des Kardinals Erzbischofs von Wien, Dr. Theodor Innitzer (1875-1955). In einer Stunde, die mit ihrem tiefen Ernst das Verantwortungsbewußtsein der gesitteten Menschheit wachruft, erwächst die …
Zitat, Homepage der ED Wien: "Es gab international nur eine Person von hohem Rang im öffentlichen Leben, die im Jahr 1933 lautstark und vor der ganzen Welt die Hungerkatastrophe öffentlich gemacht und eine internationale Hilfsaktion eingeleitet hatte: Kardinal Theodor Innitzer in Wien.

Von Innitzer, der von 1932 bis zu seinem Tod 1955 Erzbischof von Wien war, kennt man weithin nur seine Rolle …
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Zitat, Homepage der ED Wien: "Es gab international nur eine Person von hohem Rang im öffentlichen Leben, die im Jahr 1933 lautstark und vor der ganzen Welt die Hungerkatastrophe öffentlich gemacht und eine internationale Hilfsaktion eingeleitet hatte: Kardinal Theodor Innitzer in Wien.

Von Innitzer, der von 1932 bis zu seinem Tod 1955 Erzbischof von Wien war, kennt man weithin nur seine Rolle nach dem Anschluss Österreichs an Nazideutschland 1938. Wenige wissen von seinem Engagement für die Opfer des Holodomor.

Am 20. August 1933 erschien in der katholischen Tageszeitung „Reichspost“ ein Artikel mit einem Appell Innitzers an die Weltöffentlichkeit: „In einer Stunde, die mit ihrem tiefen Ernst das Verantwortungsbewusstsein der gesitteten Menschheit wachruft, erwächst die Pflicht, die Weltöffentlichkeit zu einem Hilfswerk aufzurufen.

Keine Ableugnungsversuche können die Tatsache widerlegen, dass hunderttausende, ja Millionen von Menschen in den letzten Monaten in Sowjetrussland am Hunger zugrunde gegangen sind.“

Der Artikel findet weltweite Verbreitung, wird etwa auch in der New York Times abgedruckt, die aber postwendend ihren Moskau-Korrespondenten das Ganze dementieren lässt: Es gibt keine Hungersnot" Zitat Ende. Zum gesamten, lesenwerten Artikel geht es hier >.www.erzdioezese-wien.at/…/70296.html
Bundeszentrale für politische Bildung, Zitat: "Der letzte Akt des Verbrechens war das Verschweigen. Der Holodomor wurde zum Tabu, zum Nichtgeschehen. Es hatte keine Hungersnot gegeben. Niemand sprach darüber, niemand schrieb darüber. Kein Friedhof, keine Erinnerung, kein öffentliches Wort – ein halbes Jahrhundert lang. Sogar in geheimen Dokumenten der politischen Führung wurde der Hunger seit …More
Bundeszentrale für politische Bildung, Zitat: "Der letzte Akt des Verbrechens war das Verschweigen. Der Holodomor wurde zum Tabu, zum Nichtgeschehen. Es hatte keine Hungersnot gegeben. Niemand sprach darüber, niemand schrieb darüber. Kein Friedhof, keine Erinnerung, kein öffentliches Wort – ein halbes Jahrhundert lang. Sogar in geheimen Dokumenten der politischen Führung wurde der Hunger seit 1934 nicht mehr erwähnt. Die Stalinführung und ihre Nachfolger unterstellten, was nicht benannt wird, was keinen Namen hat, das hat es auch nicht gegeben." >Analyse: 80 Jahre Holodomor – die Große Hungersnot in der Ukraine
Alexander Solschenizyn erwähnt diese Hungersnot in seinem Buch
Der Archipel Gulag
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Gerti Harzl
Zitat von pro-oriente: "Für Österreich ist das „Holodomor“-Gedenken von besonderer Bedeutung. Denn es war der damalige Wiener Erzbischof, Kardinal Theodor Innitzer, der eine internationale und interkonfessionelle Hilfsaktion für die Hungeropfer in der Sowjetunion ins Leben rief. Am 20. August 1933 veröffentlichte Innitzer einen eindringlichen Appell, „auf übernationaler und interkonfessioneller …More
Zitat von pro-oriente: "Für Österreich ist das „Holodomor“-Gedenken von besonderer Bedeutung. Denn es war der damalige Wiener Erzbischof, Kardinal Theodor Innitzer, der eine internationale und interkonfessionelle Hilfsaktion für die Hungeropfer in der Sowjetunion ins Leben rief. Am 20. August 1933 veröffentlichte Innitzer einen eindringlichen Appell, „auf übernationaler und interkonfessioneller Grundlage ein allgemeines Hilfswerk für die in Russland vom Hungertode bedrohten Menschen in die Wege zu leiten“. Unter dem Titel „Kardinal Innitzer ruft die Welt gegen den Hungertod in Russland auf“ wurde der Appell in aller Welt verbreitet. Der Wiener Erzbischof stützte sich in seinem Appell auf Augenzeugenberichte, die u.a. der damalige griechisch-katholische Metropolit von Lemberg (Lwow/Lwiw), Andreas Scheptytzkyj, gesammelt hatte. Lemberg gehörte damals zu Polen, aber der Metropolit hatte gute Verbindungen über die Grenze in die Sowjetukraine."
www.pro-oriente.at
Gerti Harzl
Hungerbrief von F. K., Frau, Schwiegermutter und zwei Kinder: Ich, Fr. K., bin im Winter des Morgens früh in einen Brunnen gefallen und habe dort von halb 6 bis halb 8 Uhr bei 28 Grad Frost gelegen, ehe ich errettet wurde. Ich war wie ganz zu Eis gefroren und habe mich nach langem Krankenlager wieder soweit ausgeheilt, daß ich gehen und ganz leichte Arbeit verrichten kann auf kurze Zeit. Da ich …More
Hungerbrief von F. K., Frau, Schwiegermutter und zwei Kinder: Ich, Fr. K., bin im Winter des Morgens früh in einen Brunnen gefallen und habe dort von halb 6 bis halb 8 Uhr bei 28 Grad Frost gelegen, ehe ich errettet wurde. Ich war wie ganz zu Eis gefroren und habe mich nach langem Krankenlager wieder soweit ausgeheilt, daß ich gehen und ganz leichte Arbeit verrichten kann auf kurze Zeit. Da ich und wir alle hier in der Ukraine nicht [an]bauen dürfen, wie früher, so ist hier die Hungersnot schon seit zwei Jahren eingekehrt.

Da nun hier ein Ausländer-Laden (Torgsin) eingerichtet ist, wo man für ausländisches Geld billig Lebensmittel kaufen kann, so bitte ich sehr freundlichst die Gesellschaft, mir durch einen Wertbrief, wenn es möglich ist, Geld zu senden. Bisher hatten wir Wiesengras, Kuhblumen, Hahnenfuß und Disteln sowie Linden- und Obstbäumeblätter gekocht als Gemüse, und Lindenrinde, Wurzeln von Obstbäumen und Heidekrautblumen getrocknet und als Ersatz für Mehl zerstampft. Dies ist aber auch jetzt noch wenig mehr vorhanden, weil die Hungersnot immer größer wird und alles nicht so schnell nachwächst wie es weggenommen wird. So muß man hier, wenn man keine Hilfe bekommt vom Auslande, sich dem Hungertode preisgeben, und der tut sehr weh, besonders die Kinder, die da schreien nach Essen.“
Gerti Harzl
Dr. Ewald Ammende, Generalsekretär der Europäischen Nationalitäten-Kongresse, August 1933:

„Die Hungerkatastrophe in Rußland läßt sich nicht mehr verheimlichen. Die zivilisierte Welt wird vor die Frage gestellt: will sie es mit ansehen, wie im kommenden Winter, gleich wie im letzten Halbjahr, Millionen unschuldiger Menschen in der Sowjetunion – in der Ukraine, an der Wolga, im Nordkaukasus …More
Dr. Ewald Ammende, Generalsekretär der Europäischen Nationalitäten-Kongresse, August 1933:

„Die Hungerkatastrophe in Rußland läßt sich nicht mehr verheimlichen. Die zivilisierte Welt wird vor die Frage gestellt: will sie es mit ansehen, wie im kommenden Winter, gleich wie im letzten Halbjahr, Millionen unschuldiger Menschen in der Sowjetunion – in der Ukraine, an der Wolga, im Nordkaukasus und Sibirien – verhungern werden, obwohl eine Hilfsaktion ohne Schwierigkeiten in die Wege geleitet werden könnte? Diese Frage muß jetzt klar beantwortet werden. Entscheidet man sich für die Hilfeleistung, so darf keine Stunde mehr zugewartet werden. Sonst könnte es leicht zu spät sein. …

Man wird vielleicht einzuwenden suchen, daß der Wahrheitsbeweis für die von uns dargelegte Lage in Rußland noch nicht in genügendem Maße gelungen ist. Dieser Einwand ist nicht stichhältig. Die Nachrichten über die russische Hungerkatastrophe sind von einer so erdrückenden Art, daß sie kaum noch abgeleugnet werden können. Sollte dennoch ein weiteres Dementi erfolgen, so wäre auf Grund der vorhandenen Unterlagen von sachverständiger Seite, insbesondere der in Frage kommenden landwirtschaftlichen Spezialisten, die Forderung zu stellen, daß eine internationale Kommission hervorragender Sachverständiger, die außerhalb aller politischen Bindungen steht, sofort die Möglichkeit erhielte, die tatsächliche Lage in den russischen Agrargebieten festzustellen und sie der Öffentlichkeit bekanntzugeben. ...

Die Katastrophe in Rußland hat jetzt einen Umfang erreicht, daß Einzelaktionen – gesonderte Hilfeleistungen für die eine oder die andere Kategorie der Notleidenden – nicht mehr in Betracht kommen können. Der Hunger und die Epidemien haben Katholiken, Lutheraner und Orthodoxe, Russen, Ukrainer, Deutsche, Juden, Finnen, Esten, Letten, d. h. alle Bewohner der in Frage kommenden Gebiete in gleichem Maße betroffen. Die Hilfe kann daher nur generell im Rahmen einer großangelegten und allgemeinen Hilfsaktion für alle Hilfsbedürftigen ohne Unterschied durchgeführt werden. Im Rahmen dieser Gesamtaktion ist aber natürlich ein Sondervorgehen von einzelnen Gruppen, die ihren in Rußland lebenden Volks- und Glaubensgenossen helfen wollen, möglich. …

Wir leben in einer Zeit der Hartherzigkeit und stetig wachsender wirtschaftlicher Sorgen. Die Notwendigkeit, daß seitens der zivilisierten Völker Europas etwas zur Errettung der in Rußland massenweise zugrunde gehenden Menschen geschieht, bedeutet eine sittliche Pflicht, deren Ablehnung ein unabsehbar fürchterlicher Ergebnis haben müßte. ...

Aus dem hier Angeführten ergibt sich einerseits, daß die Tatsache der russischen Hungerkatastrophe wohl nicht mehr in Zweifel gesetzt werden kann, andererseits aber, daß seitens der Sowjetregierung systematische Bemühungen vorgenommen werden, um immer noch den Eindruck zu erwecken, daß im Lande nichts Außergewöhnliches vor sich geht. Daher ist nunmehr vor allem die Forderung nach einer vollen Klärung der Situation zu stellen. Die öffentliche Meinung der Welt kann und darf sich heute, wo die Kunde von der russischen Hungerkatastrophe von den verschiedensten zuverlässigen Zeugen bestätigt wird, nicht mehr stillschweigend über den Untergang von Hunderttausenden und Millionen von Menschen hinwegsetzen. Durch solch ein Urteil von sachverständiger Seite wäre der Sowjetregierung – wenn sie dieses ermöglichen würde – wohl die beste Gelegenheit zu einem Beweis, daß alle Behauptungen über den russischen Hunger auf 'unwahren Ausstreuungen' beruhen, gegeben.“
Iacobus
Das ist heute an der Basis des Hasses vieler Ukrainer gegen Russen...
Angestachelt von US und EU.
agafangel likes this.
Gerti Harzl
Hungerbrief aus dem Wolgagebiet, März 1933: „Das große Dorf (von etwa 8000 Einwohnern) ist halb leer. Die Leute streiten sich um ein Stückchen Vieh, das kaputt gegangen (krepiert) ist. Leute kommen aus der Stadt mit Kleidern und teuren Anzügen, um sie für ein Stückchen Brot einzutauschen. Aus allen Gegenden kommen Leute, um dem Hungertod zu entgehen, aber es wird ihnen nichts helfen. Heute sind …More
Hungerbrief aus dem Wolgagebiet, März 1933: „Das große Dorf (von etwa 8000 Einwohnern) ist halb leer. Die Leute streiten sich um ein Stückchen Vieh, das kaputt gegangen (krepiert) ist. Leute kommen aus der Stadt mit Kleidern und teuren Anzügen, um sie für ein Stückchen Brot einzutauschen. Aus allen Gegenden kommen Leute, um dem Hungertod zu entgehen, aber es wird ihnen nichts helfen. Heute sind drei Weiber hier bei uns von einem Russendorf, nicht sehr weit von uns. Die haben erzählt, bei ihnen sind schon soviel verhungert. Und da gehen die Eltern in Sowjet und fragen, ob sie ihre verhungerten Kinder essen dürfen. Alles kann man nicht schreiben, das gäbe ein Übel. Es ist sehr schrecklich. Da muß man immer sagen: Wie schrecklich ist es, in die Hände des allmächtigen Gottes zu fallen.“
Gerti Harzl
Eine weitere Zeugenaussage: Der in Paris erscheinende „Messager socialiste“ veröffentlicht am 10. Oktober 1933 ein Interview mit dem amerikanischen Journalisten Lang, der zahlreiche Orte in Rußland bereist hat und dabei in den verschiedensten Schichten mit der Bevölkerung in Berührung gekommen ist. Der Bericht Mrs. Langs schließt mit den Worten: „Eines ist jedenfalls sicher: ich verließ Rußla…More
Eine weitere Zeugenaussage: Der in Paris erscheinende „Messager socialiste“ veröffentlicht am 10. Oktober 1933 ein Interview mit dem amerikanischen Journalisten Lang, der zahlreiche Orte in Rußland bereist hat und dabei in den verschiedensten Schichten mit der Bevölkerung in Berührung gekommen ist. Der Bericht Mrs. Langs schließt mit den Worten: „Eines ist jedenfalls sicher: ich verließ Rußland anfangs Oktober, d. h. einige Wochen nach Einbringung der Ernte und der Getreideablieferung. Dennoch konnte ich keinerlei Anzeichen einer Besserung in der Lebensmittelversorgung und bei der Bevölkerung keine Linderung des Elends wahrnehmen."
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Gerti Harzl
Zeugenaussage vor dem Plenum der Entente Internationale in Genf am 10. Oktober 1933 von einer Frau aus dem Volke, die eben aus einer der fruchtbarsten Gegenden des asiatischen Rußlands eingetroffen ist, nachdem sie das ganze europäische Rußland durchquert hatte. „Die Gegend, die ich bewohnte, hatte Sklaverei nie gekannt. Die Bevölkerung, nomadische mohammedanische Kirgisen und russische Koloniste…More
Zeugenaussage vor dem Plenum der Entente Internationale in Genf am 10. Oktober 1933 von einer Frau aus dem Volke, die eben aus einer der fruchtbarsten Gegenden des asiatischen Rußlands eingetroffen ist, nachdem sie das ganze europäische Rußland durchquert hatte. „Die Gegend, die ich bewohnte, hatte Sklaverei nie gekannt. Die Bevölkerung, nomadische mohammedanische Kirgisen und russische Kolonisten, war frei und reich. Ihre zahlreichen Familien lebten von Viehzucht und Ackerbau. Die Herden waren so ungeheuer groß, daß ihre Stückzahl nicht einmal gezählt wurde. Ich selbst gehörte einer der ärmsten Familien des Ortes an, aber unter dem alten Regime hatte ich niemals Mangel gelitten.

Als die Bolschewiken erschienen, wurden sie zunächst freundlich empfangen, doch begannen sie sofort mit Requisitionen, was bedeutende Revolten verursachte, die jedoch im Blut erstickt wurden. Ich habe mit meinen eigenen Augen gesehen, wie ganze Familien unter die Eisschollen der Flüsse geworfen wurden. Damals wurden auch alle Priester ausgerottet. Man kreuzigte sie, man hängte sie an den Füßen auf, unter dem Vorwand, daß sie die Unruhen organisiert hätten, was natürlich nicht der Wahrheit entsprach. Bald war das ganze Land dem Ruin verfallen, nur während der NEP-Periode trat eine gewisse Erholung ein.

Erst nach Einführung der zwangsweisen Kollektivierung zeigte sich innerhalb von zwei Jahren die vollständige Katastrophe. Die Kirgisen, ihres Viehs beraubt, ihrer Habe enteignet, starben in Massen an Krankheiten und Hunger. Die Steppe füllte sich mit kläglichen Karawanen von Menschen, die auf der Suche nach Existenzmöglichkeiten in die Städte zogen. Auf jedem Schritt begegnete man Menschen, deren Gesicht und Körper von den erlittenen Entbehrungen geschwollen waren, auf den Wegen lagen Leichen umher. Jene, die in die Städte gelangten, konnten sich dort nicht zurechtfinden und gingen zugrunde. Horden verlassener und verwahrloster Kinder tauchten auf. Ich hörte es selbst aus dem Munde eines Kommunisten, daß 75% der kirgisischen Bevölkerung zugrunde gegangen ist. Wenn heute noch offiziell von einem Bevölkerungszuwachs gesprochen wird, so kann es sich hier nur noch um eine Lüge handeln.

Ich verließ das Land, als der größte Teil der Ernte bereits hereingebracht worden war. Man hoffte, daß dann wenigstens die normale Monatsration ausgefolgt werden würde. Bis zu meiner Abreise erhielten wir aber nur die halbe Ration. Auch später ist es, wie ich aus Briefen von Verwandten erfahren habe, nicht besser geworden.

Die Sowjetzeitungen erzählen immer, daß im Ausland Hungersnot herrsche, aber niemand glaubt daran, ebenso wie niemand auf die Versprechungen der Regierung hört.“
Gerti Harzl
Zitat aus der sogenannten Zweiten Denkschrift Dr. Ewald Ammendes, Anfang Dezember 1933: „Die Katastrophe in den südlichen Gebieten der Sowjetunion während des Jahres 1933 gehört mit zu den furchtbarsten Heimsuchungen, die unseren Erdteil jemals betroffen haben. Viele Millionen unschuldiger Menschen sind an Hunger und seinen Begleiterscheinungen zugrunde gegangen, ohne daß ihnen von irgendeiner …More
Zitat aus der sogenannten Zweiten Denkschrift Dr. Ewald Ammendes, Anfang Dezember 1933: „Die Katastrophe in den südlichen Gebieten der Sowjetunion während des Jahres 1933 gehört mit zu den furchtbarsten Heimsuchungen, die unseren Erdteil jemals betroffen haben. Viele Millionen unschuldiger Menschen sind an Hunger und seinen Begleiterscheinungen zugrunde gegangen, ohne daß ihnen von irgendeiner Seite Hilfe zuteil geworden wäre. …

Dabei ist zu betonen, daß es sich im Gegensatz zu früheren ähnlichen Katastrophen hier keineswegs um ein Naturereignis, eine Mißernte gehandelt hat; ferner daß durch den Zusammenbruch der russischen Landwirtschaft und aus anderen bekannten Gründen ungeheure, vom Hunger betroffene Menschenmassen elend zugrunde gegangen sind, weil – ich bin mir der Tragweite meiner Behauptung voll bewußt – eine Hilfeleistung nicht rechtzeitig, ja überhaupt nicht eingesetzt hat. Diese Hilfeleistung war und ist jedoch durchaus möglich. Denn zur gleichen Zeit als sich die Katastrophe in den russischen Hungergebieten von Monat zu Monat weiter entwickelte, sind Produktionsgebiete anderer Weltteile an Getreideüberfluß geradezu erstickt. In den Welthäfen liegen ganze Flotten unbeschäftigter Frachtschiffe, so daß den unmittelbar im Hinterlande der großen Häfen im Schwarzen Meere siedelnden hungernden Menschen in wenigen Wochen hätte geholfen werden können und noch geholfen werden kann.

Das Weltgewissen kann sich der Ausrede nicht bedienen, daß ihm dieser Sachverhalt nicht bekannt war, denn seit dem Frühjahr 1933 mußte die öffentliche Meinung über die tatsächliche Lager der Dinge orientiert gewesen sein. ...“
Gerti Harzl
Hungerbrief von Lena (1932/33): "Grüß Gott! Teure Freunde. Helft mir. Die Mutter ist alt und schwach und der Hunger nimmt sie mir noch weg, so bin ich ganz allein, denn Vater und sechs Geschwister sind schon im vorigen Hungerjahr gestorben - 1922 -, und ich und meine Mutter haben das Leben erhalten; ich kann mich nicht erinnern, denn ich blieb als Kind von drei Jahren am Leben, aber die Mutter …More
Hungerbrief von Lena (1932/33): "Grüß Gott! Teure Freunde. Helft mir. Die Mutter ist alt und schwach und der Hunger nimmt sie mir noch weg, so bin ich ganz allein, denn Vater und sechs Geschwister sind schon im vorigen Hungerjahr gestorben - 1922 -, und ich und meine Mutter haben das Leben erhalten; ich kann mich nicht erinnern, denn ich blieb als Kind von drei Jahren am Leben, aber die Mutter erzählt es mir immer unter heißen Tränen, wie wir des Hungers gelitten haben. Und jetzt ist es wieder. Mit gefalteten Händen bitten wir den lieben Gott, er möge uns doch Rettung schicken und uns des Hungers erretten. Liebe Freunde, erhöret unsere Bitte und helft uns, mit was es auch möglich ist, mitzuhelfen.
Gerti Harzl
Hungerbrief aus Südrußland, April 1933: „Es ist noch grausamer wie im Hungerjahr. Die Menschen sterben, sterben und sterben. Mein Schwager K. Ist auch am 3. d. M. Gestorben. Es darf kein Lied gesungen werden, kein Gebet gesprochen. Furchtbar, furchtbar ...“
Elista
Angelus: Das Reich Gottes wird durch die Liebe zum Nächsten verwirklicht

In seinem Gruß an die ukrainischen Pilger erinnerte Benedikt XVI. an den 75. Jahrestag der großen Hungersnot 1932-1933, die zu Millionen von Toten in der Ukraine und der ehemaligen Sowjetunion während des kommunistischen Regimes führte, und er hofft, dass niemals mehr eine politische Macht im Namen der Ideologie, die …More
Angelus: Das Reich Gottes wird durch die Liebe zum Nächsten verwirklicht

In seinem Gruß an die ukrainischen Pilger erinnerte Benedikt XVI. an den 75. Jahrestag der großen Hungersnot 1932-1933, die zu Millionen von Toten in der Ukraine und der ehemaligen Sowjetunion während des kommunistischen Regimes führte, und er hofft, dass niemals mehr eine politische Macht im Namen der Ideologie, die Rechte der menschlichen Person, seiner Freiheit und seiner Würde leugnet.
Gerti Harzl
Hungerbrief aus der Ukraine (1932/33): „Die Kinder sitzen zusammengekauert in der Ecke, in Lumpen gehüllt, auf einem Haufen Stroh, vor Hunger und Kälte zittern sie. Mein Mann starb vor nicht langer Zeit. Die Krankheit können Sie sich denken: Hungertod. Ach, man kann es gar nicht beschreiben, was wir aushalten müssen … Bitte, bitte, erbarmt Euch unser, denn wenn nicht Ihr und der liebe Gott sich …More
Hungerbrief aus der Ukraine (1932/33): „Die Kinder sitzen zusammengekauert in der Ecke, in Lumpen gehüllt, auf einem Haufen Stroh, vor Hunger und Kälte zittern sie. Mein Mann starb vor nicht langer Zeit. Die Krankheit können Sie sich denken: Hungertod. Ach, man kann es gar nicht beschreiben, was wir aushalten müssen … Bitte, bitte, erbarmt Euch unser, denn wenn nicht Ihr und der liebe Gott sich bald erbarmen, so sind wir verloren, und wir müssen tothungern. Wie weh das tut, glaubt keiner, der es nicht erfahren hat.“
Gerti Harzl
Hungerbrief aus dem Wolgagebiet, April 1933: "Gleich zu Anfang meines Briefes stelle ich Euch meine Not vor. Die Not ist so groß und schwer und muß ich sagen, näher, mein Gott, zu Dir, näher zu Dir, drückt mich auch Kummer. Die Not ist so groß, daß die Toten, die hier sterben, gegessen werden, und Hunde sein keine mehr hier zu finden und Katzen noch weniger. Das Vieh, wo hier kaputt geht, wird …More
Hungerbrief aus dem Wolgagebiet, April 1933: "Gleich zu Anfang meines Briefes stelle ich Euch meine Not vor. Die Not ist so groß und schwer und muß ich sagen, näher, mein Gott, zu Dir, näher zu Dir, drückt mich auch Kummer. Die Not ist so groß, daß die Toten, die hier sterben, gegessen werden, und Hunde sein keine mehr hier zu finden und Katzen noch weniger. Das Vieh, wo hier kaputt geht, wird gegessen. Tote sind heute fünf Stück gegessen.
Leider sterben so viele, daß es an Zeit fehlt, Gräber zu machen. Da werden Löcher gegraben von 1 1/2 Faden breit und 4 Faden tief. Da werden die Toten hineingelegt bis 20 und 30 Stück wohl, es sind 10 bis 15 den Tag schon gestorben. Es sind schon ganze Häuser leer gestorben. Weiter, liebe, teure Freunde, seid so gut und tut doch Eure Herzen nicht verschließen. Er sagt, was Ihr tut, einem Eurer getreuesten Brüder, das tut Ihr mir. So seid doch so gut und greift doch zusammen und schickt doch ein Almosen an mich zurück. Seid doch so gut und tut doch Eure Herzen nicht verschließen vor Gott und mir. Es soll Euch wohl belassen sein. Betet, daß wir uns wiedersehen. Amen. Seid so gut und vergesset mich nicht in der schweren Not, wo mir Tränen stehen. Amen."
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Dazu ein Zitat aus dem Brief Kardinal Innitzers: "Dazu noch länger schweigen, hieße die Verantwortung der zivilisierten Welt am Massensterben in Rußland ins Unerträgliche steigern, hieße die Schuld dafür tragen, daß in der Zeit, wo ganze Teile der Welt im Überfluß an Getreide und Lebensmitteln geradezu ersticken, die Menschen in Sowjetrußland elendiglich verhungern, ja darüber hinaus den grauenhaften Begleiterscheinungen eines jeden Massenhungers bis zum Kindermord und Kannibalismus anheimfallen."
Carlus likes this.
Gerti Harzl
Zitat von Kardinal Innitzer: "Keine Ableugnungsversuche können die Tatsache widerlegen, daß hunderttausende, ja Millionen von Menschen in den letzten Monaten in Sowjetrußland am Hunger zugrunde gegangen sind."
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Das war mir lange Zeit völlig unbekannt! In dieser von mir neu erstellten Gruppe sollen Informationen darüber zusammengetragen werden.