Wolfram Eilenberger: War Heidegger ein Sith?

Die Macht war stark in ihm. Dieser Satz trifft nicht nur auf Anakin Skywalker zu, sondern auch auf Martin Heidegger. Zu Beginn der dreißiger Jahre schloss sich der deutsche "Meisterdenker" der …
Gestas likes this.
M.RAPHAEL
Anakin hatte Angst vor dem Verlust, vor dem Loslassen, vor der Schwäche. Die Kinder der Welt suchen Kontrolle und Macht. Sie wenden sich an das transzendentale Böse, als den sicheren Gehilfen, um nicht verlieren zu müssen.
Unsere Angst ist ganz anders. Sie entspringt der Liebe. Unablässig plädieren wir für Angst vor Gott. Wir nennen es Gottesfurcht: Dtn 6,13; Ijob 28,28; Koh 12,13; Spr 1,7. Wer …More
Anakin hatte Angst vor dem Verlust, vor dem Loslassen, vor der Schwäche. Die Kinder der Welt suchen Kontrolle und Macht. Sie wenden sich an das transzendentale Böse, als den sicheren Gehilfen, um nicht verlieren zu müssen.
Unsere Angst ist ganz anders. Sie entspringt der Liebe. Unablässig plädieren wir für Angst vor Gott. Wir nennen es Gottesfurcht: Dtn 6,13; Ijob 28,28; Koh 12,13; Spr 1,7. Wer Gott nicht fürchtet, liebt Ihn nicht, hat noch niemals Kontakt mit Ihm gehabt. Bitte habt Angst. Es lohnt sich. Nein, Gottesfurcht ist nicht lieb. Sie hat eben auch etwas von unangenehmer Angst. Sie wird Ihm gerecht.
Heidegger unterscheidet (hier im engen Anschluss an Kierkegaard) zwischen Angst und Furcht.
Gestas likes this.
M.RAPHAEL
Mir geht es „nur“ darum, den wohl oft gemachten Unterschied zwischen der „guten“ Furcht, weil hilfreich für die Selbstvergötzung, und der „bösen“ Angst, weil dafür nicht hilfreich, zu schleifen. Die demütige Gottesliebe hat keine Angst vor der Angst. Sie lebt mir ihr wie mit der offenen Wunde durch das Kreuz. Die Liebe ist stärker. Aber dafür muss man aufrichtig lieben. Deshalb.
Kierkegaard bzw. Heidegger spricht keineswegs von einer "guten " Furcht bzw. einer "bösen" Angst. Vielmehr unterscheidet er zwischen gerichtet/ungerichtet (nicht im eschatologischen oder gar moralischen Sinne gemeint). Daher begreife ich ihren "Kommentar" eher als freie Assoziationen. Dankbarerweise haben sie diese ja auch mit Anführungszeichen gekennzeichnet.
Gestas and one more user like this.
Gestas likes this.
M.RAPHAEL likes this.
onda likes this.
Je mehr sich die gegenwärtige Gesellschaft/Kirche vom Argument entfernt, desto mehr muss sie den Menschen mit Autorität und Angst bei der Stange halten. Heidegger hat gewonnen.
Alexander VI. likes this.
Und doch werden Heidegger und seine Epigonen den "Endsieg" nicht erringen. Denn: Die Pforten der Hölle werden die Kirche Gottes nicht überwältigen.
Gestas likes this.
Susi 47 likes this.
Don Reto Nay and 2 more users like this.
Don Reto Nay likes this.
Joannes Baptista likes this.
Carlus likes this.
Grundsätzlich: Danke für die unorthodox (via Star Wars) dargelegten Gedanken zu Heideggers diabolischer Philosophie! Frage: H.s Antwort auf die Frage nach der Angst könnte vor dem Hintergrund des christlichen "Heilswirkens mit Furcht und Zittern" (Phil 2,12) als angemessen empfunden werden. H. hat es aber so nicht gemeint. Meint er nicht vielmehr etwas wie "Seinsangst", worin seine tiefe Skepsis …More
Grundsätzlich: Danke für die unorthodox (via Star Wars) dargelegten Gedanken zu Heideggers diabolischer Philosophie! Frage: H.s Antwort auf die Frage nach der Angst könnte vor dem Hintergrund des christlichen "Heilswirkens mit Furcht und Zittern" (Phil 2,12) als angemessen empfunden werden. H. hat es aber so nicht gemeint. Meint er nicht vielmehr etwas wie "Seinsangst", worin seine tiefe Skepsis gegenüber dem Sein inbegriffen ist?
H.s Seinsbegriff ist ja weitest entfernt von gesund-philosophischer Bejahung etwa eines hl. Thomas. H. spricht gern von der "Tücke des Seins". Bei ihm dreht sich vielleicht alles um die Angst, weil seine "Philosophie" die Ablehnung des Seins zum Urgrund hat - diabolische Zerrissenheit (und scheinbar wirre Unverständlichkeit im Ausdruck) sind die Folge. Wenn sich H. der Angst stellt, dann nicht wie wir, die wir die Angst gerade dadurch überwinden wollen, dass wir uns mit dem angstauslösenden Objekt "auseinander-setzen" (und uns so von ihm distanzieren können); sondern H. stürzt sich hingebungsvoll in seine fundamentale Kritik am Sein und ergeht sich so in seiner Seinskritischen Haltung. Darum ist ihm die Angst so wichtig, so grundlegend.
Auch der Teufel ist im Grunde ein Angsthase - vor dem Sein. Wer Gott so klar-bewusst ablehnt, will am liebsten selbst nicht-sein. Wut und Hass auf alles, was ist, folgt daraus. Des Teufels größte Strafe ist seine (Weiter-)Existenz, das er weiterhin "ist", abhängig vom Sein (Gottes). H. teilte m. E. diese Wut, artikuliert in Angst. Hier erkenne ich auch den in Star Wars dargelegten Zusammenhang zwischen den Emotionen von Wut und Angst, vor denen Anakin S. so eindringlich gewarnt wird, weil das den Einsatz der "Macht" - jener geheimnisvollen positiven Kraft des Seins - korrumpiert zur zerstörerischen "dunklen Seite". Die "dunkle Seite" aber bildet mit der "hellen/guten" Seite der Macht kein Yin und Yang (das wäre Dualismus), sondern sie ist eine Ablehnung der "Macht", eine nihilistische Inzwecknahme zur Zerstörung dessen, was ist, und dessen bildgewaltigster Ausdruck ist dann der Todesplanet, fürwahr. Das Sein will Leben; den Tod will nicht das Nicht-Sein (gibt es ja nicht), sondern das Anti-Sein.
Waren halt mal so ein paar Gedanken ... Bin durchaus kein ausgewiesener Kenner des Star-Wars-Universums.
Santiago74 likes this.
Herzlichen Dank für ihren herausragenden Kommentar zum Artikel.