Zum Karfreitag: "Wenn ihr den Menschensohn erhöht habt, dann werdet ihr erkennen, dass Ich es bin“

Reichskreuz des Hl. Römischen Reiches Deutscher Nation mit Kreuzpartikel

Willst du wissen, welche Kraft im Blute Christi verborgen ist? Schau, wo es zu fließen begann und wo seine Quelle ist: Es fließt herab vom Kreuz, aus der Seite des Herrn. Als Jesus, wie das Evangelium sagt, schon tot war, aber noch am Kreuz hing, kam ein Soldat herbei, „stieß mit der Lanze in seine Seite, und sogleich floss Blut und Wasser heraus“ (Joh 19,33–34). Dieses Wasser war das Symbol für die Taufe, das Blut hingegen das Symbol für die eucharistischen Mysterien. […] Der Soldat also hat ihm die Seite geöffnet; er hat die Mauer des heiligen Tempels durchstoßen; und ich, ich habe diesen Schatz gefunden und bin reich geworden durch ihn. […]

„Wasser und Blut floss heraus.“ Geh nicht achtlos an diesem Geheimnis vorüber. […] Ich habe gesagt, dass dieses Wasser und dieses Blut Symbole sind für die Taufe und für das Geheimnis der Eucharistie. Die Kirche aber wurde aus diesen beiden Sakramenten geboren: durch dieses Bad der Wiedergeburt und der Erneuerung im Heiligen Geist, also durch die Taufe, und durch die hl. Mysterien. Und diese Zeichen der Taufe und der Mysterien haben ihren Ursprung in der Seitenwunde.

Folglich hat Christus die Kirche aus seiner Seite gebildet, so wie er Eva aus der Seite Adams gebildet hatte (vgl. Gen 2,22).
Daher sagt Paulus: „Wir sind von seiner Art“ (Apg 17,28; vgl. Gen 2,23) und er meint damit die Seitenwunde des Herrn.

Denn wie der Herr Fleisch aus der Seite Adams nahm, um die Frau zu formen, so hat Christus uns Blut und Wasser aus seiner Seite gegeben, um die Kirche zu bilden. Und wie er damals das Fleisch aus Adams Seite entnahm, während dieser in tiefem Schlaf lag, so hat er uns jetzt Blut und Wasser nach seinem Verscheiden geschenkt […], denn von nun an ist der Tod nicht mehr als ein Schlaf.

Habt ihr gesehen, wie Christus sich mit seiner Braut vereint hat? Habt ihr gesehen, welche Speise er uns allen gibt?

Aus derselben Speise sind wir geboren und werden wir ernährt. Wie die Frau aus ihrem eigenen Blut ein Kind hervorbringt und ihre Kinder mit ihrer Milch nährt, so nährt Christus beständig mit seinem Blut diejenigen, die er hervorgebracht hat.

Hl. Johannes Chrysostomus (um 345-407)
Priester in Antiochia und später Bischof von Konstantinopel, Kirchenlehrer
Taufkatechesen, 3,16 ff. (Catéchèses baptismales, in Livre des jours – Office romain des lectures, © AELF Paris 1976, p. 288–289; ins Dt. übers. © Evangelizo)