Wie St. Paulus den Karneval schuf, doch Karnevalsmessen die Symbolik zerstören

....und hätte doch die Liebe nicht, wäre ich eine klingende Schelle“, lässt uns am Sonntag vor Aschermittwoch die überlieferte Liturgie den hl. Apostel Paulus in dessen neutestamentlichem Hohenlied der Liebe hören (1 Kor 13, 1). Die Narrenkappe mit Teufelshörnern aus Stoff und baumelnden Glöckchen daran, der spöttische Hofnarr durchaus lieblos und andere herabsetzend, nicht immer schönes Vorbild freier Rede, die lauten Schellen und eitlen Masken der Alemannischen Fasnet, die langen Pfauenfedern auf den Kappen der rheinischen Karnevalsprinzen, Venedigs übertrieben ausstaffierten und dennoch in ihrem leeren Blick vom gottfernen Nichts berichtenden Figuren zeigen diese traurige sündige Eitelkeit ebenso wie zu Samba-Klängen die Personifikationen der Sinnlichkeit in Brasilien es tun. Groß inszeniertes Theater, das vor der Entscheidung für Gott, für das Fasten, für Buße und Bekehrung spielerisch darstellt, wie die Welt nicht sein soll, den von Kain begründeten Gegenstaat zum Gottesstaat – beide benennt der hl. Augustinus in ihrer vorläufigen Verwebung. Und dann erscheint der größte Narr, der sich eitel überhob und meinte, Gott aus dem Himmel stürzen zu können, und dabei selber vom Erzengel Michael mit dem Ruf „Wer ist wie Gott!“ gestürzt wurde. Der teuflischen Narrheit folgte ein zweiter Irrtum, denn dieser Ur-Narr bildete sich ein, die Erlösung der Menschen verhindern zu können. Er tat alles, um Jesus Christus ans Kreuz zu bringen, und musste schmählich erkennen, dass er gerade dadurch Gottes Plänen gedient hatte. Einst war er der höchste Engel gewesen, Luzifer, „Lichtträger“. Und diese frühere Gestalt kann er sich scheinbar zurückgeben. Davor warnt der hl. Paulus: „Der Satan verstellt sich als Engel des Lichts“ (2 Kor 11, 14). Genau das zeigt der Geisterzug von Blankenheim in der Eifel, mitten zwischen Aachen, Köln und Trier am Samstag vor Karneval abends um 19 Uhr („Luzifer“ hoch zu Ross). Und es ist doch erlaubt, dass die „Geister“, Kinder und Erwachsene, viel Freude haben, wenn sie tanzen und singen und jauchzen, auch wenn das Dargestellte nachdenklich machen soll, denn alle wissen: Es ist nur ein Spiel. „Luzifer“ erscheint in weißer Lichtgestalt mit den großen Engelsflügeln seiner himmlischen Vergangenheit. Und hier gehört ein heiterer Marsch dazu wie unweit des Bodensees in Rottweil, immer wieder derselbe, beim Rottweiler Narrensprung Tausender stundenlang, geeignet, in glückliche Trance zu versetzen. Leider wurde im deutschnational gestimmten 19. Jahrhundert und später in der Nazizeit die Fastnacht als germanischer Frühlingsbrauch erklärt. Dagegen zeigte Prof. Dietz-Rüdiger Moser (1939-2010) die katholische Quelle des Karnevalsfestes auf, in seinem Buch „Fasching-Fastnacht-Karneval: Das Fest der 'verkehrten Welt'“. Das schließt heidnische Elemente der vorchristlichen Zeit nicht völlig aus wie das Schließen des Kölner Doms an Rosenmontag entsprechend dem Schließen der Tempel an den römischen Saturnalien oder die brave Weiberfastnacht, die ganz von fern an ein orgiastisches Treiben der griechischen Dionysien erinnert (welches seinerseits vielleicht schon harmloser war als in Euripides' „Bacchantinnen“ behauptet). Oder es erinnert der Blankenheimer „Luzifer“, weil im Dunkeln zu Ross, an den durch nächtliche Lüfte jagenden obersten Germanengott Wotan - „die Götter der Heiden sind Dämonen“ (Ps 96, 5), also ist auch Germaniens Obergötze der Teufel. Gewiss darf man in den religiösen Traumgestalten der Heiden -die ägyptische Isis mit dem Horusknaben und die indische oberste Götterdreiheit und der griechische Orpheus, der aus der Unterwelt zurückkommt- fromme Sehnsüchte und wahre Ahnungen der späteren Erlösung sehen, also etwas, was der hl. Paulus auf dem Areopag, entgegen seiner ursprünglichen spontanen Emotion ob der Vielgötterei, als Frömmigkeit lobt (Apg 17, 22 f). Aber Karneval („carne vale!“, „mein fleischlicher Leib und ihr fleischlichen Genüsse, auf Wiedersehn!“) und Fastnacht (die Nacht vor dem ersten großen Fastentag Aschermittwoch) will deutlich das Widergöttliche zeigen, den unversöhnlichen Gegensatz zwischen dem Bösen und dem Christentum. Darum zerstören die bunten, lustigen Karnevalsgottesdienste in manchen unserer Kirchen die Symbolik des Festes. Und schlimmer: Das bewusst Eitle, Spöttische, Erotische zieht in den sakralen Raum ein und veralbert ihn. Konnte man im Mittelalter am „Eselsfest“ juxig einen Esel mit Bischofsmitra durch die Kirche treiben, ohne dass der Glaube schaden nahm, so fußen die heutigen „Karnevals-Messen“ kaum auf einem sicheren Glaubensfundament, werden darum nicht als gewagte, grenzwertige Parodie begriffen, sondern eher als Bereicherung der hl. Messe, als wäre die ohne derlei nicht reich genug: welche Verflachung! Paulus erklärt an Quinquagesima, dem vorkonziliaren Fastnachtssonntag, die Narrenschelle zum Gegenteil der christlichen Liebe, nicht zu deren Element! Hier nun im Video kurze 60 Sekunden von Minute 1.19 bis Minute 2.19 der Blankenheimer „Luzifer“: Karneval / Geisterzug Blankenheim Teil 2
Klaus Elmar Müller shares this
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Karl Boro
Die "Karnevals-Messen" veralbern (= verspotten) das sakrale Gotteshaus durch das Eitle, Spöttische, Dämonische und Erotische der Kostüme der Narren und Närrinnen. Die Feier der Heiligen Messe wird durch die Widergöttliche Symbolik der Narrengewänder entwürdigt.