Josefa Menendez
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Arme Seelen im Fegefeuer: Diese Seele ist vom Schreien des Teufels taub /Hl Birgitta von Schweden

HEILIGE BIRGITTA VON SCHWEDEN -

Der Schutzengel von Nicolaus Acciajaoli beschreibt seine Plagen im Fegefeuer.

Weiter spricht der Engel und sagt: „Die Seele, deren Lage du gesehen und deren Gericht du gehört hast, ist in der schwersten Pein im Fegefeuer. Die Pein besteht darin, dass sie nicht weiß, ob sie nach dem Ende des Fegefeuers die himmlische Ruhe erlangen wird, oder ob sie verdammt ist. Und das ist Gottes Gerechtigkeit, denn sie besaß große Klugheit und Unterscheidungsvermögen, aber sie verwandte sie zu weltlichem Gewinn und zum Nutzen des Leibes, nicht zum Nutzen und zum geistlichen Gewinn der Seele.

Er vergaß nämlich, an Gott zu denken, so lange er lebte, und deshalb leidet seine Seele jetzt die Hitze des Feuers und zittert vor Kälte. Er ist durch das Dunkel blind und schaudert sich vor dem schrecklichen Anblick der Teufel; er ist vom Schreien des Teufels taub, hungert und durstet innerlich und ist äußerlich mit Scham umhüllt.
Doch vergönnte Gott ihm nach dem Tode eine Gnade, nämlich dass er von den Teufeln nicht angefasst werden sollte, denn nur zu Gottes Ehre verzieh er die schweren Verbrechen, die seine schlimmsten Feinde gegen ihn begangen haben; er unterließ es, sich zu rächen und versöhnte sich mit seinem schlimmsten Feinde.

Wisse auch, dass das Gute, das er getan und was er versprochen hat, die Almosen die er aus seinen recht mäßig erworbenen Gütern gegeben hat – und vor allem die Gebete der Gottesfreunde, die mindern seine Pein und schenken ihm Kühlung, so wie es in Gottes Gerechtigkeit bestimmt ist. Andere Almosen, die er aus weniger gut erworbenen Gütern gegeben hat, kommen in geistlicher Weise denen zugute, die sie vorher recht mäßig besessen haben…“

9. Kapitel


Ein Heiliger deutet an, welche Möglichkeiten die Lebenden haben, die Plagen Nicolaus Acciajaoli’s im Fegefeuer durch Almosen und fromme Werke zu verkürzen.

Weiter sagte der Engel: „Du hast vorhin gehört, dass dieser Mann kurz vor seinem Tode durch Gebete der Freunde Gottes eine gottesfürchtige und von Liebe eingegebene Reue über seine Sünden empfand, und die Reue hat ihn vor der Hölle gerettet. Daher urteilt Gottes Gerechtigkeit nach dem Tode, dass er in den sechs Lebensaltern im Fegefeuer brennen sollte, die er von der Stunde an hatte, da er zum ersten Mal eine bewusste Todsünde beging, und bis er fruchtbare Reue aus Liebe zu Gott empfand, soweit er keine Hilfe von den Lebenden und von Gottes Freunden erhielt.

Das erste Alter war, dass er Gott nicht wegen des Todes seines edlen Leibes und wegen der mannigfachen Leiden liebte, die Christus selbst für nichts anderes ausgestanden hat, als für die Erlösung der Seelen. Das zweite Alter war, dass er seine eigene Seele nicht liebte, wie ein Christ das tun sollte, und Gott nicht dafür dankte, dass er getauft wurde, und kein Jude oder Heide war. Das dritte Alter war, dass er sehr genau wusste, was Gott ihm zu tun befohlen hatte, dass er aber nur wenig gewillt war, das zu verwirklichen.

Das vierte Alter war, dass er seht wohl wusste, was Gott denen verboten hat, die in den Himmel kommen wollen, aber doch frech dagegen handelte, indem er nicht den Warnungen des Gewissens folgte, sondern dem Begehren und Willen seines Leibes. Das fünfte Alter war, dass er nicht die Gnade nutzte und zu beichten pflegte, was er hätte tun sollen, wo er so lange Zeit hatte. Das sechste Alter war, dass er sich nur wenig um Gottes Leib[1] kümmerte und ihn nicht fleißig empfangen wollte, nachdem er sich der Sünde nicht enthalten wollte, und keine Lust hatte, Christi Leib vor Ende seines Lebens liebevoll anzunehmen.“

Dann zeigte sich ein Mann, der sehr ritterlich anzusehen war. Seine Kleider waren weiß und glänzend, wie die Alba des Priesters, und er war mit einem Leinengürtel umgürtet und hatte eine rote Stola um den Hals und unter den Armen. Er begann seine Worte folgendermaßen: „Du, der du dies siehst, gib Acht und behalte im Gedächtnis, was du siehst, und was dir gesagt wird. Ihr, die ihr auf Erden lebt, könnt Gottes Macht und Anordnungen vor Beginn der Zeit nicht in derselben Weise verstehen wie wir, die bei ihm sind. Denn das, was bei Gott in einem Augenblick geschieht, das kann von euch nur mit Worten und Gleichnissen auf irdische Weise verstanden werden.

Ich bin einer von denen, der diesen zum Fegefeuer verurteilten Mann mit seinen Gaben ehrte, als er noch lebte. Daher vergönnte mir Gott in seiner Gnade, dass – wenn jemand tun will, wozu ich rate, seine Seele auf einen höheren Platz überführt werden kann, wo sie ihre richtige Gestalt erhalten würde und keine andere Qual als die empfinden würde, als wie der sie leidet, der eine schwere Krankheit hatte, und nun ohne Kräfte daliegt, nachdem alle Beschwerden verschwunden sind, der sich aber doch freut, nachdem er sicher weiß, dass er überleben darf.

Du hast ja gehört, dass seine Seele einen fünffachen Weheruf ausstieß. Nun will ich ihm stattdessen fünf trostreiche Dinge sagen. Der erste Weheruf war, dass er Gott so wenig geliebt hat. Damit er von diesem Weh befreit wird, soll man für seine Seele dreißig Kelche geben, in denen Gottes Blut geopfert wird, und womit Gott selbst hochgeehrt wird.

Der zweite Wehruf war, dass er Gott nicht fürchtete. Um diese Sünde auszulöschen, sollen dreißig Priester, nach menschlichem Ermessen gottesfürchtig, ausgewählt werden, und jeder von ihnen soll dreißig Messen lesen, wenn er kann. Neun zu Ehren der Märtyrer, neun für die Bekenner, neun für alle Heiligen, eine für die Engel, eine für die hl. Maria und eine für die heiligen Dreifaltigkeit. Und sie sollen eifrig für seine Seele beten, so dass Gottes Zorn gemildert wird, und seine Gerechtigkeit zur Barmherzigkeit gewandelt wird.

Dir dritte Wehruf galt seinem Hochmut und seiner Gewinnsucht. Um diese Widergutzumachen, soll man dreißig arme Menschen aufnehmen, ihnen demütig ihre Füße waschen und ihnen Essen, Geld und Kleider geben, woran sie sich erfreuen können. Und die, die sie waschen, und die gewaschen werden, sollen Gott demütig bitten, dass dieser wegen seiner eigenen Demut und seiner bitteren Pein (am Kreuz) dieser Seele ihre Gewinnsucht und den Hochmut verzeihen möge, der sie sich schuldig gemacht hat.

Der vierte Wehruf galt der Wollust seines Leibes. Wenn dafür jemand eine Jungfrau und ebenso eine Witwe in ein Kloster gibt und einer Jungfrau zu einer guten Ehe verhilft und ihnen gleichzeitig so viele Güter schenkt, dass sie ausreichend zu essen und genügend Kleider hätten, dann würde Gott die Sünde verzeihen, die diese Seele zu Lebzeiten begangen hat. Denn dies sind die drei Lebensstände, die Gott erwählt und befohlen hat, dass sie auf der Welt eingehalten werden.

Der fünfte Wehruf war, dass er viele Sünden zum Schaden anderer begangen hat: Er arbeitete ja mit aller Kraft darauf hin, dass die beiden eben genannten Personen, die nicht weniger nahe verwandt waren, als wenn beide aus aller nächster Verwandtschaft waren, zur Ehe zusammen kommen sollten. Und diese Verbindung betrieb er mehr aus eigenem Interesse, als für das Reich, und ohne den Papst um Erlaubnis zu fragen, und gegen die lobenswerte Verordnung der hl. Kirche.

Viele sind deshalb Märtyrer geworden, dass sie nicht duldeten, dass so etwas gegen Gott und die Sitten der hl. Kirche und christliche Sitten begangen wurde. Wer diese Sünde ausmerzen will, soll zum Papst gehen und sagen: „Ein Mann (den Namen braucht er nicht zu nennen) hat diese Sünde begangen; er hat sie sicher in letzter Zeit bereut und hat Ablass erhalten, hatte aber nicht mehr Zeit, die Sünde wieder gutzumachen. Legt mir dafür auf, welche Buße ihr wollt und die ich leisten kann, denn ich bin bereit, an seiner Stelle diese Sünde gutzumachen.“ Wahrhaftig, auch wenn ihm keine größere Buße als ein Vaterunser auferlegt würde, so würde das doch dieser Seele zu einer Abkürzung der Pein des Fegefeuers helfen.“

[1]. D.i. die Hostie. -

Quelle:
kath-zdw.ch