Theodor von Studion (759-826), Mönch in Konstantinopel.
Theodor von Studion (759-826), Mönch in Konstantinopel
Jeder Augenblick ist geeignet
Brüder, es gibt eine Zeit für die Saat und eine Zeit für die Ernte, eine Zeit für den Frieden und eine für den Krieg; eine Zeit für die Arbeit und eine für das Ausruhen (vgl. Koh 3). Für das Seelenheil aber ist jeder Augenblick geeignet und jeder Tag günstig, zumindest wenn wir wollen. Bewegt euch also ständig auf das Gute hin, seid leicht zu bewegen, voller Frische, und setzt die Worte in Taten um. Denn so sagt der Apostel Paulus: „Nicht die sind vor Gott gerecht, die das Gesetz hören, sondern [...] die [...], die das Gesetz tun“ (Röm 2,13) [...] Ist die Zeit da für den geistigen Kampf? So gilt es, die dämonischen Gedanken, die in uns aufsteigen, mit Gottes Hilfe leidenschaftlich zu bekämpfen und sie zu verjagen [...]; ist jedoch die Zeit der geistigen Ernte da, gilt es mit Eifer zu ernten und die Vorräte für das ewige Leben in den geistigen Speichern zu sammeln [...]
Es ist immer Zeit für das Gebet, Zeit für Tränen, Zeit für Versöhnung, wenn man gefehlt hat, Zeit, das Himmelreich an sich zu ziehen. Warum also abwarten? Warum hinausschieben? Warum verschieben wir das Bessern von einem Tag auf den anderen? „[...] die Gestalt dieser Welt vergeht“ (1 Kor 7,31) [...] Bleiben wir denn ewig? [...] Erschreckt uns das Beispiel der zehn Jungfrauen nicht? „Der Bräutigam kommt!“, sagt das Evangelium, „Geht ihm entgegen!“. Und die klugen Jungfrauen gingen ihm entgegen, mit hellen Lampen, und gingen in den Hochzeitssaal; die törichten Jungfrauen aber kamen, weil sie keine guten Werke vorzuweisen hatten, mit Verspätung an und riefen: „Herr, Herr, mach uns auf! Er aber antwortete ihnen: Amen, ich sage euch: Ich kenne euch nicht.“ Und er fügt hinzu: „Seid also wachsam! Denn ihr wisst weder den Tag noch die Stunde.“ Es gilt also zu wachen und die Seele zur Nüchternheit, zur Zerknirschung, zur Heiligung, zur Reinigung und Erleuchtung zu erziehen, um zu verhindern, dass der Tod die Türe schließt und niemand da ist, der uns aufmacht oder beisteht.
Kleine Katechesen, Nr. 130