Heiligenbiographien für Kinder

Johannes, Evangelist, Apostel und „der Jünger, den Jesus liebte“

In einem kleinen Fischerdorf am See Gennesaret lebte ein Junge namens Johannes. Sein Vater Zebedäus besaß Boote und Netze, seine Mutter Salome kümmerte sich um Haus und Familie. Johannes hatte einen älteren Bruder: Jakobus. Zusammen fuhren sie hinaus auf den See, um Fische zu fangen. Doch Johannes war kein gewöhnlicher Junge. Schon bald sollte er einer der engsten Freunde Jesu werden.

Eines Tages kam Jesus am See vorbei und rief: „Folgt mir nach!“

Da ließen Johannes und Jakobus die Netze zurück und gingen mit ihm. Weil die beiden Brüder manchmal ungestüm und leidenschaftlich waren, nannte Jesus sie die „Donnersöhne“. Aber er liebte sie sehr – und besonders an Johannes hing sein Herz.

Ganz nah bei Jesus

Johannes durfte vieles sehen, was die anderen Jünger nicht miterlebten:

• Er war dabei, als Jesus in Kapharnaum die Tochter des Jairus zum Leben erweckte.
• Er stand mit auf dem Berg Tabor, als Jesus in strahlendem Licht verherrlicht wurde.
• Er war in der Nacht am Ölberg, als Jesus voller Angst betete.

Am Abend vor Jesu Tod, beim letzten Abendmahl, lag Johannes dicht an der Seite seines Meisters. Er stand auch direkt unter dem Kreuz, während die anderen Jünger weiter weg standen. Am Kreuz vertraute Jesus dem Johannes seine Mutter Maria an: „Siehe, deine Mutter!“ Von da an sorgte Johannes für sie wie für eine eigene Mutter.

Der erste am leeren Grab

Als die Frauen am Ostermorgen erzählten, das Grab sei leer, rannte Johannes mit Petrus dorthin. Er war schneller und kam zuerst an. Doch aus Respekt ließ er Petrus hinein.
Bald darauf erkannte Johannes den Auferstandenen am See: „Es ist der Herr!“ rief er voller Freude.

Ein Säule der Kirche

Nach Pfingsten predigte Johannes mutig in Jerusalem. Zusammen mit Petrus heilte er einen Gelähmten beim Tempel in Jerusalem. Die Richter in Jerusalem ließen ihn auspeitschen, weil er im Namen Jesu predigte. Paulus nannte ihn eine der „Säulen“ der Kirche.

Die Überlieferung erzählt, dass Johannes später nach Ephesus zog. Dort schrieb er sein Evangelium und die drei Briefe, die heute in der Bibel stehen. Auch die geheimnisvolle Offenbarung wird mit ihm verbunden – geschrieben auf der Insel Patmos, wohin er in der Verfolgung verbannt wurde.

Viele Legenden ranken sich um Johannes:

In Ephesus stand ein großer Tempel der „Göttin“ Artemis. Doch Johannes verkündete mutig: „Nicht Artemis rettet euch, sondern Jesus Christus!“

Darüber wurde der Priester Aristodemus zornig. Er stellte Johannes vor die Wahl: „Opfere unserer Göttin – oder trinke diesen Becher mit Gift!“ Zwei Männer waren schon daran gestorben. Johannes aber sprach: „Ich diene nur dem einen, wahren Gott.“ Er nahm den Becher, zeichnete das Kreuz darüber – da schoss eine Schlange aus dem Wein und verschwand. Johannes trank, blieb unversehrt und erweckte sogar die beiden Toten wieder zum Leben.

Die Menschen staunten. Aristodemus bekannte: „Wahrhaftig, dein Gott ist der Herr über Leben und Tod!“ Von da an folgten viele in Ephesus Christus.

In Rom sollte er in kochendes Öl geworfen werden. Doch das Öl verwandelte sich in ein frisches Bad, und Johannes stieg unversehrt heraus. Dann verbannte man ihn auf die Insel Patmos, wo er die Apokalypse, das letzte Buch der Bibel schrieb.

„Kinder, liebt einander“

Johannes wurde sehr alt – über 90 Jahre, vielleicht sogar 100. Als Greis predigte er nur noch einen einzigen Satz: „Kinder, liebt einander!“ Wenn ihn die Leute fragten, warum er immer dasselbe sage, antwortete er: „Weil es das Wichtigste ist. Wer liebt, erfüllt das ganze Gebot Jesu.“ Schließlich starb Johannes friedlich in Ephesus. Sein Grab wurde ein Wallfahrtsort, und über ihm errichtete man eine große Basilika.

Zeichen und Feste

Johannes wird oft mit einem Adler dargestellt – weil sein Evangelium so hoch und klar von Jesus als Logos/Gott spricht. Ein Kelch mit einer Schlange erinnert an das Giftwunder, und ein Ölkessel an sein beinahe erlittenes Martyrium. Sein Gedenktag ist der 27. Dezember, mitten in der Weihnachtszeit.
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