Die heilige Anna – Großmutter Jesu
Vor mehr als 2.000 Jahren, als die Welt auf das Kommen des Erlösers wartete, lebte in dem warmen, sonnigen Land Israel eine fromme Frau namens Anna. Sie war in Bethlehem geboren und aus dem Stamm Davids. In ihrem 24. Lebensjahr heiratete sie den Grundbesitzer Joachim, einen frommen und wohlhabenden Man n aus Nazareth. Er war ebenfalls aus dem Geschlecht Davids. Sie führten ein gottgefälliges Leben. Doch eine große Traurigkeit lag auf ihnen: Sie hatten keine Kinder.
Damals dachten viele Menschen, dass ein kinderloses Paar von Gott nicht gesegnet sei. Die Leute tuschelten hinter Annas Rücken.
Anna ließ sich nicht vom Gebet abbringen. Immer wieder faltete sie ihre Hände, blickte gen Himmel und sprach: „Herr, wenn es Dein Wille ist, schenke mir ein Kind. Ich verspreche Dir: Es soll Dir gehören, von ganzem Herzen!“ Ihr Mann, Joachim, lebte mit ihr in Liebe und Frömmigkeit.
Eines Tages wollte Joachim ein Opfer im Tempel bringen, aber er wurde vom Hohenpriester wegen seiner Kinderlosigkeit zurückgewiesen. Er floh voller Scham in die Wüste und fastete vierzig Tage lang.
Anna betete zu Hause in ihrem Garten und weinte: „Herr, du weißt, wie sehr ich mich nach einem Kind sehne. Wenn du mir ein Kind schenkst, so verspreche ich, es dir zurückzugeben, auf dass es dir allein gehöre.“
Darauf entgegnete Anna in überreicher Freude: „Wenn es so ist, dann soll das Mägdlein auch dem Herrn geweiht sein alle Tage seines Lebens.“
Der Engel erschien auch Joachim mit derselben Botschaft: „Geh heim zu deiner Frau! Der Herr hat euer Gebet erhört!“
Nach einiger Zeit, am 8. Dezember, wurde Anna schwanger. Neun Monate später, am 8. September gebar sie das Mädchen Maria. Das Kind war wunderschön und rein wie der Morgenstern. Sie war, was Anna wohl nicht so genau wusste, vom ersten Moment der Empfängnis an ohne jede Sünde empfangen.
Die Legende berichtet, dass Anna und Joachim ihre Tochter Maria schon mit drei Jahren zur Erziehung in den Tempel von Jerusalem brachten, wo sie im Dienst Gottes aufwuchs.
In den Gemälden wird Anna gerne als Lehrerin ihrer Tochter Maria dargestellt – mit Buch oder Schriftrolle.
Eine andere Darstellung in der Kunst heißt „Anna Selbdritt“. Das Wort aus dem altdeutschen heißt wörtlich übersetzt: „Anna – sie selbst mit zwei anderen“
Anhang
Im Jahr 1623-24 erschien die heilige Anna einem frommen Mann namens Yvon Nicolazic in der Bretagne, im Nordwesten Frankreichs. Er war schon zehn Jahre verheiratet, aber kinderlos.
In einer nächtlichen Vision sprach die majestätische Frau: zu dem 30-jährigen: „Ich bin Anna, die Mutter von Maria.“ Sie bat ihn, eine Kapelle zu errichten, genau an dem Ort, wo früher eine Kirche zu ihrer Ehre gestanden hatte. Yvon gehorchte, und bald wurde dort die Wallfahrtsstätte Sainte-Anne-d’Auray errichtet. Sie ist bis heute ein Ort, an dem viele Menschen um Heilung und Trost bitten – und oft auch erhört werden.