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Die heutige Handkommunion kommt von den Kalvinisten, nicht den Lutheranern

Bischof Athanasius Schneider sprach in einem längeren Interview mit der Juni-Ausgabe der Kirchlichen Umschau. Eine Frage thematisierte die Handkommunion.

Kirchliche Umschau: Warum wird die heilige Kommunion nur vom Priester gereicht und warum empfängt sie der Konnunizierende kniend und auf die Zunge?

Bischof Athanasius Schneider: Die Praxis, dass nur der Priester in der heiligen Messe die heilige Kommunion austeilt, hat eine theologische Bedeutung, denn diese Praxis drückt die Wahrheit aus. dass es einen wesentlichen Unterschied gibt zwischen dem besonderen und dem allgemeinen Priestertum, und dass der Priester durch die Priesterweihe eine besondere geistliche Vollmacht erhalten hat und seine Hände gesalbt wurden.

Der hl. Thomas von Aquin sagte: Des Priesters Sache ist es, die heilige Kommunion zu spenden wegen dreierlei:

1. Er konsekriert namens und in der Person Christi. Christus aber hat seinen heiligen Leib selber den Jüngern gegeben.

2. Der Priester steht in der Mitte zwischen Gott und dem Volke. Wie er also die Gaben und Gebete des Volkes Gott darbringt, so kommt es ihm zu, die heiligen Gaben Gottes dem Volke zu reichen.

3. Aus Ehrfurcht vor diesem Sakramente darf nur jener, der selbst geweiht oder konsekriert ist, es berühren. Deshalb wird die Hand des Priesters im Besonderen geweiht und gesalbt; ebenso auch der Kelch, das Korporale und die Patene. Nur also im Falle der Not, wenn das Sakrament z. B. zur Erde fallt, darf es von anderen berührt werden“ (S. th., III, 82, 3 c).

Die heutige Praxis der Handkommunion unterscheidet sich von einer ähnlichen Praxis in den ersten Jahrhunderten. Die gegenwärtige Praxis kam von den Kalvinisten, nicht von den Lutheranern.

Lutheraner haben die Eucharistie normalerweise kniend und im Mund empfangen, obwohl sie natürlich nicht die wirkliche eucharistische Gegenwart haben, weil ihnen das gültige Priestertum fehlt.

Kalvinisten und andere protestantische Freikirchen, die an die wirkliche Gegenwart Christi in der Eucharistie nicht glauben, haben einen Ritus erfunden, bei dem fast alle äußeren Gesten der Sakralität und der Anbetung weggelassen werden, d.h. die Kommunion wird stehend empfangen und die Gläubigen berühren die Hostie mit den Fingern und legen sie sich selbst in den Mund, so wie es mit gewöhnlichem Brot gemacht wird.

In der anglikanischen Ordnung der Feier des Abendmahls, genannt "Common Service" von 1549, erlaubte Thomas Cranmer, der Verfasser der anglikanischen Liturgie, dem Geistlichen zunächst, die eucharistischen Gestalten dem Kommunizierenden in den Mund zu reichen. Dies wurde von dem radikaleren Martin Butzer kritisiert, der forderte, dass die Kommunion direkt in die Hand gegeben wird. Cranmer folgte dem Rat und änderte die Rubrik seines „Prayer Book“ von 1552.

Unter den Gründen für die Änderung schrieb Butzer: „Jeder Aberglaube des römischen Antichristen ist zu verabscheuen. Ich habe keinen Zweifel daran, dass der Brauch, dieses Sakrament nicht in die Hände der Gläubigen zu legen, aus einem doppelten Aberglauben heraus eingeführt wurde. Erstens wollte man diesem Sakrament eine falsche Ehre entgegenbringen, und zweitens die böse Arroganz der Priester, die aufgrund des Öls der Weihe eine größere Heiligkeit als die des Volkes Christi beanspruchten. Ich sollte mir wünschen, dass den Pastoren und Lehrern befohlen wird das Volk zu lehren, dass es abergläubisch und böse ist zu denken, dass die Hände der Geistlichen heiliger sind als die Hände der Laien. Auch wurde früher vom gewöhnlichen Volk fälschlicherweise geglaubt, dass es schlecht oder weniger passend wäre, wenn die Laien dieses Sakrament in die Hand erhalten. Daher sollen die Zeichen entfernt werden, die auf diesen falschen Glauben hinweisen, dass angeblich nur die Geistlichen dieses Sakrament berühren dürfen, was dem, was vom Herrn eingesetzt wurde, nicht nur fremd ist, sondern auch der menschlichen Vernunft zuwiderläuft. Vielmehr sollen nun auch die Laien dieses Sakrament berühren und es sich selbst in den Mund legen. Auf diese Weise werden die guten Leute leicht dazu gebracht, dass alle die heiligen Gestalten dieses Sakramentes in der Hand erhalten“ (Michael Davis, A Privilege of the Ordained, Long Prairie MN, 1990, p. 9).
Sarah Maria Draxl shares this
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Der Umgang und der Empfang vom Allerheiligsten Altarsakrament gibt uns das Zeichen der Wertigkeit für den Menschen. Warum haben sich Kardinäle wie Döpfner und die deutschen Bischöfe von Häretikern leiten lassen? Warum haben sie nicht versucht diese von der göttlichen Wahrheit zu überzeugen?
Oenipontanus
@Sarah Maria Draxl "Warum haben sich Kardinäle wie Döpfner und die deutschen Bischöfe von Häretikern leiten lassen?"

Haben sie nicht, sie waren selbst die Häretiker!
Carlus shares this
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Der Umgang und der Empfang vom Allerheiligsten Altarsakrament gibt uns das Zeichen der Wertigkeit für den Menschen. Warum haben sich Kardinäle wie Döpfner und die deutschen Bischöfe von Häretikern leiten lassen? Warum haben sie nicht versucht diese von der göttlichen Wahrheit zu überzeugen?
klee heut
Frage rein aus Interesse: Bei der Messe in der Karlskirche, Wien vom 21. Juni, d. h. gab es da dann die Mundkommunion?
Eva
Es gab nur die Mundkommunion
Tina 13
🙏🙏🙏
klee heut
danke 😊
Cavendish
Die große Stärke der katholischen Auffassung ist, dass sie an der Gegenwart des HERRN bis in das Materielle hinein festhält und damit Satan sein materielles Reich streitig macht.
Oenipontanus
Warum "bis in das Materielle hinein"?
Cavendish
@Oenipontanus, weil die katholische Auffassung daran festhält, dass Brot und Wein nach den Wandlungsworten nicht nur geistig, sondern materiell Leib und Blut Christi geworden sind. So wird die Anbetung des Brotes in der Monstranz außerhalb des Gottesdienstes überhaupt erst nachvollziehbar. Nur unzureichend anzunähern versucht sich dem die philosophische Vorstellung der sog."Transsubstantiation…More
@Oenipontanus, weil die katholische Auffassung daran festhält, dass Brot und Wein nach den Wandlungsworten nicht nur geistig, sondern materiell Leib und Blut Christi geworden sind. So wird die Anbetung des Brotes in der Monstranz außerhalb des Gottesdienstes überhaupt erst nachvollziehbar. Nur unzureichend anzunähern versucht sich dem die philosophische Vorstellung der sog."Transsubstantiation".
Oenipontanus
@Cavendish Wo steht in kirchlichen Dokumenten etwas davon, dass Brot und Wein materiell zum Leib und Blut Christi werden? Die substantia ist ja gerade nichts Materielles, oder?
Cavendish
@Oenipontanus, richtig. Die scholastische Tradition erklärt das am Beispiel eines Holzscheits, dessen "Akzidenz", d. i. das materiell Sichtbare, nach einem Brand zu Asche wird, substanziell sich aber nicht verändert. Bei der Wandlung von Brot und Wein in der Eucharistie geschieht das genau Umgekehrte: Die Substanz wandelt sich in Leib und Blut Christi, die Akzidenz, das materiell Sichtbare, …More
@Oenipontanus, richtig. Die scholastische Tradition erklärt das am Beispiel eines Holzscheits, dessen "Akzidenz", d. i. das materiell Sichtbare, nach einem Brand zu Asche wird, substanziell sich aber nicht verändert. Bei der Wandlung von Brot und Wein in der Eucharistie geschieht das genau Umgekehrte: Die Substanz wandelt sich in Leib und Blut Christi, die Akzidenz, das materiell Sichtbare, bleibt aber Brot und Wein. Die Kirche verlangt nicht, sich dieses Modell zu eigen zu machen, aber es dient der Annäherung an das "Geheimnis des Glaubens" genannte Geschehen, bei dem in katholischen Kirchen die Glocken läuten. Allen christlichen Konfessionen liegt der zentrale Glaube zugrunde, dass G"tt in der Person Jesu Christi "Fleisch" angenommen hat und sich damit die gefallene materielle Welt ein für allemal angeeignet hat. Genau deshalb beugen Katholiken an dieser Stelle des Glaubensbekenntnisses die Knie.
Gast6 shares this
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"Kalvinisten und andere protestantische Freikirchen, die an die wirkliche Gegenwart Christi in der Eucharistie nicht glauben, haben einen Ritus erfunden, bei dem fast alle äußeren Gesten der Sakralität und der Anbetung weggelassen werden" - die uns bekannte Handkommunion.