Bombenterror: Die Vernichtung Pforzheims am 23. Februar 1945
„Städte für Städte werden zerstört, das Nazireich stirbt“, lautet die Jubelmeldung der britischen Wochenschau, als Pforzheim am 23. Februar vor 75 Jahren weitgehend dem Erdboden gleich gemacht wurde. Während die Briten die Vernichtung deutscher Städte feierten, zählten die Pforzheimer ihre Toten. Vergeblich: Viele waren zu Asche verbrannt.
Eine Leidensgeschichte erzählte der bekannte Schmuckfabrikant Herbert Mohr-Mayer erst kürzlich der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ). „Ihn regt es auf, wenn der Angriff mit der Schuld Deutschlands am Zweiten Weltkrieg gerechtfertigt wird“, schreibt das Blatt. Der nun 86-Jährige hat 50 Jahre lang die Ereignisse verdrängt. Selbst mit seiner ersten Frau konnte er nicht darüber sprechen. Nun, 75 Jahre später, gibt er einen Einblick in seine schrecklichen Erlebnisse. Gegen abends, 19:45, erdröhnten die Sirenen. „Akute Luftgefahr“. Weil Mohr-Mayer um 17:00 Uhr in der Herz-Jesu-Kirche war, konnte er den Luftschutzraum nicht mehr erreichen. Daher blieb nur noch der Keller seines Hauses als Zufluchtsstätte.
Gegen 19:50 Uhr fing der Angriff mit 361 Lancaster-Bombern an. „Dann fielen die Luftminen, und der Keller bebte. Wir waren alle Totgeweihte, ich wusste nicht, ob ich lebte oder tot war.“ Bei seinen weiteren Ausführungen zittert seine Stimme, und Tränen laufen über sein Gesicht. Nach dem Bombardement, so erzählt er, ging er aufs Dach seines Elternhauses. Von dort aus sah er „nur eine helle Glutwalze“. Auch brennende Frauen, die aus den Häusern liefen, musste der damals Elfjährige erblicken. „Die erste Frau, die ich nackt gesehen habe, war eine Tote auf dem Sedanplatz, verkohlt wie ein Holzbalken.“ Zur Bergung der leblosen Körper schildert Mohr-Mayer, dass Leichenteile nur notdürftig in Zeitungspapier eingewickelt wurden. Eine Frau, die zwischen zwei Eisenträgern eingeklemmt war und deren Kleider durch den Phosphor der Bomben Feuer fing, musste er sich ebenfalls ansehen. „Ihr Sohn konnte nur zuschauen, er konnte nichts machen. Er soll nachdem Krieg verrückt geworden sein.“
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