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M.RAPHAEL
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Anmaßung?

@nujaas Nachschlag hat dankenswerter Weise einen wichtigen Kommentar zu meinem Artikel Wie ein altes Ehepaar hinterlassen.

Es wäre natürlich furchtbar und unerträglich anmaßend, wenn ich die Wir Form benutzen würde, ohne dafür autorisiert zu sein. Das würde mich glatt in die Hölle bringen. Das ist mir ganz klar bewusst.

Warum benutze ich das Wir? Warum bin dazu autorisiert?

Zuerst, ich bin ein Kind des Reichs Gottes. Ich bin kein Kind dieser Welt, des Reichs des Herrn der Welt. Das weiß ich durch unzählige Erfahrungen in meinem Leben, die immer von außen kamen. Diese haben mich alles gelehrt, was mich ausmacht, auch alles, was meine Identität angeht. Einiges habe ich hier schon geschildert. Anderes kann ich nicht darlegen. Es kann von unserer Sprache nicht wirklich erfasst werden. Es ist überzeitlich. Es hängt auch mit meiner Vergangenheit und Zukunft zusammen.

Jeder, der Gott wahrhaftig liebt und sich Ihm hingibt, erfährt ein Wissen, das ihn erleuchtet (Pfingsten). Deshalb sind wir hier auf GTV mehr oder weniger auf einer Wellenlänge. Es gilt für alle frommen Katholiken. Wir wissen und wollen ziemlich dasselbe. Zur extremen Kontemplation berufene Einsiedler ziehen sich aus der Welt zurück. Das können sie nur, weil sie ganz genau wissen, dass sie niemals alleine sind. Sie sind immer mit dem Himmel verbunden. Gott ist Trinität. Er ist im Kern Gemeinschaft. Er sagt Ich und Er sagt Wir (Elohim). Beides entspricht der Wahrheit. In Christus werden wir in diese Gemeinschaft mit eingebunden. Nur Modernisten können glauben, dass Einsiedler Egoisten sind. Sie haben eben diese Erleuchtung nicht. Sie haben keinen Kontakt mit dem Himmel. Weil das so ist, greife ich unablässig die Vat.2 Kirche an. Sie zieht den Himmel auf die Erde. Sie ersetzt die unsichtbare himmlische Gemeinschaft durch ein irdisches soziales Kollektiv (Konzelebration). Dieses Denken, das in letzter Konsequenz dem Hochmut und der Kontrollwut entspringt, ist falsch. Leider wird das heute so sehr geglaubt, dass der wahre Glaube sich unablässig gegen Vorwürfe der egoistischen Privatisierung, des Aberglaubens oder der esoterischen Spinnerei behaupten muss.

Wir sind also Wir. Wenn ich diese Form unablässig vor allem auch in Bezug auf Alltagssituationen benutze, dann genau deshalb, um die faktische und objektive Tatsache dieser unsichtbaren Verbundenheit aufzuzeigen. Ich weise also bewusst die modernen Religionsvorstellungen zurück, die in der Religion eine subjektive Privatsache sehen wollen, die keinen objektiven Anspruch erheben darf. Für die dürfte und müsste ich nur Ich sagen. Das würde die Moderne tolerieren. Dann gehörte auch ich zur neuzeitlichen Subjektphilosophie. Aber ich rede im Wir. Das ist unerträglich. Das ist ein Skandal. GENAU.

Der Himmel ist objektive Faktenrealität. Die Erde als das Reich Gottes ist in den Himmel hinaufgehoben. Sie ist durch die Seins- und Liebesordnung direkt eingegliedert. Selbst die Kartoffeln werden gezählt. In Christus sind wir die geliebten Kinder Gottes, die unablässig vor Seinem Angesicht glücklich miteinander spielen. In diesem Sinn mischen wir uns auf der Erde auch politisch und apodiktisch ein, wenn es direkt um das Seelenheil geht, wenn der korrupte Feind, die Schlange, der Wurm den nächsten von uns ins Verderben ziehen will. Deshalb jagen wir den Feind, strahlen mit dem Scheinwerfer auf ihn, damit jedes Kind ausreichend gewarnt ist. Leider ist es ihm gelungen, eben durch die Subjektphilosophie, viele Kinder in eine Art Trance zu versetzen. So kann er in aller Ruhe die Gelähmten verspeisen. In diesem Kampf sind wir nicht nett. Wir tragen Kampfanzüge, vor denen selbst die schlimmsten Dämonen unvorstellbar zittern.

Übrigens, selbst die Weltmenschen benutzen das Wir: „Wir sind Papst!“, „Wir sind Fußballweltmeister“, etc.

Niemand muss meine Beiträge lesen. Niemand muss sie ernst nehmen. Aber auf das Wir, das ich hier und da benutze, kann und darf ich nicht verzichten. Ich würde der Wahrheit nicht die Ehre geben. Ich weiß, wer ich bin. Ich weiß, wer das Wir ist. Aber das letztere Wissen ist nicht begreifbar. Es ist Liebe.

Schließlich erhebe ich keinerlei säkularen Machanspruch. In der Welt der Weltmenschen bin ich vollkommen ohnmächtig und deshalb für sie verachtenswert. Sie haben recht. Ich schaffe es noch nicht einmal, nach Rom oder Wien für ein paar Watschen zu fahren. Es wäre auch sinnlos. Jedem Chef und Schlaumeier steht es frei, mich zu verachten. Weil wir nicht zu dieser Welt gehören, hasst sie uns. Das ist eben so.
M.RAPHAEL
Natürlich gilt immer die Lehre der vorkonziliaren Heiligen Katholischen Kirche. Wenn ich das Wir benutze, ist das zuerst meine Perspektive auf meine spezifische Einbettung/Rolle in die unsichtbare Gemeinschaft (z.B. Ein Soldat spricht von seiner Armee). Wichtig ist, dass meine Perspektive nichts mit einem Produkt meiner Psyche zu tun hat. Religion ist niemals Privatsache, in der jeder sein Ding …More
Natürlich gilt immer die Lehre der vorkonziliaren Heiligen Katholischen Kirche. Wenn ich das Wir benutze, ist das zuerst meine Perspektive auf meine spezifische Einbettung/Rolle in die unsichtbare Gemeinschaft (z.B. Ein Soldat spricht von seiner Armee). Wichtig ist, dass meine Perspektive nichts mit einem Produkt meiner Psyche zu tun hat. Religion ist niemals Privatsache, in der jeder sein Ding machen kann, weil er sie als seine Projektion überhaupt erst erschafft. Nein, wir erschaffen nicht Gott. Gott erschafft uns. Wenn ich den unsichtbaren Himmel sehe, dann sehe ich eine Realität, die faktische Objektivität hat. Wir haben den Hl. Thomas vergessen:
„Menschliche Erkenntnis ist nicht aus sich selbst wahr, sondern weil und insofern sie mit der Wirklichkeit übereinstimmt. Der erkennende Geist empfängt sein Maß von den Dingen. Die geschaffenen Dinge aber haben ihr Maß vom erkennenden Geiste Gottes empfangen; er ist maßgebend und nicht maßempfangend. Alles, was ist, ist zwischen den göttlichen und den menschlichen Intellekt gestellt. Von Gott ist es – und das heißt Schöpfung – actu, wirklich erkannt, und darin gründet die prinzipielle Erkennbarkeit (STh I 78,1). Dieser Erkennbarkeit korrespondiert die Geistseele, die von ihrem Ursprung her solcher Art ist, daß sie mit allem Seienden übereinstimmen kann. Wegen dieser Fähigkeit sagt Thomas von der Seele, sie sei gewissermaßen alles, quodammodo omnia; sie ist nicht nur das, was sie selbst ist, sondern in gewisser Weise auch das andere: »Non solum est id quod est, sed etiam est quodammodo alia« (In De anima, lib, II lect. 5 nr. 383)”. Heinzmann, Richard, Philosophie des Mittelalters, Stuttgart, Berlin, Köln, 1992, S.217.
Tradycja i Wiara
LeoStratz
Ich finde das ganz interessant was hier geschrieben steht. Ich kann es aber nicht ganz richtig einordnen.

Meine Frau und ich feiern zwar auch bald das Goldene Ehejubiläum, aber deswegen reden wir in der Regel nicht in der wir Form, sondern lassen jeden für sich selbst reden.

Es kann ja sein, dass man als Eremit näher mit dem Himmel verbunden ist und von daher sich als Gemeinschaft fühlt. Aber …More
Ich finde das ganz interessant was hier geschrieben steht. Ich kann es aber nicht ganz richtig einordnen.

Meine Frau und ich feiern zwar auch bald das Goldene Ehejubiläum, aber deswegen reden wir in der Regel nicht in der wir Form, sondern lassen jeden für sich selbst reden.

Es kann ja sein, dass man als Eremit näher mit dem Himmel verbunden ist und von daher sich als Gemeinschaft fühlt. Aber dann müßte man ja fast schon Ex Cathedra sprechen, wenn man in der wir Form spricht.

Es gibt natürlich eine übernatürliche Realität, die ein begrenzter Mensch erfahren kann. Kann er aber die Gesamtheit dieser Übernatürlichkeit in sich aufnehmen?

Ich bin skeptisch. Aber ganz interessant diese Anmerkungen.
M.RAPHAEL
Wir leben in der Welt des Ichs. Wer sich der Liebe unbedingt hingibt, erfährt das Wir. Aber er wird zu einem Narren in dieser Welt. Natürlich. Das wirklich Großartige ist, dass jeder von uns ganz er selbst bleibt. Wir verschmelzen nicht. Diese unglaubliche Liebe gibt es. Sie ist Faktenrealität. Niemand von uns ist Gott, außer Gott. Nur Gott ist Gott. Wir wollen und brauchen nicht in Seinen …More
Wir leben in der Welt des Ichs. Wer sich der Liebe unbedingt hingibt, erfährt das Wir. Aber er wird zu einem Narren in dieser Welt. Natürlich. Das wirklich Großartige ist, dass jeder von uns ganz er selbst bleibt. Wir verschmelzen nicht. Diese unglaubliche Liebe gibt es. Sie ist Faktenrealität. Niemand von uns ist Gott, außer Gott. Nur Gott ist Gott. Wir wollen und brauchen nicht in Seinen Schrank zu schauen. Die Liebe versteht das. Es ist eigentlich ganz einfach. Vielen Dank, @LeoStratz.