Anmaßung?
@nujaas Nachschlag hat dankenswerter Weise einen wichtigen Kommentar zu meinem Artikel Wie ein altes Ehepaar hinterlassen.
Es wäre natürlich furchtbar und unerträglich anmaßend, wenn ich die Wir Form benutzen würde, ohne dafür autorisiert zu sein. Das würde mich glatt in die Hölle bringen. Das ist mir ganz klar bewusst.
Warum benutze ich das Wir? Warum bin dazu autorisiert?
Zuerst, ich bin ein Kind des Reichs Gottes. Ich bin kein Kind dieser Welt, des Reichs des Herrn der Welt. Das weiß ich durch unzählige Erfahrungen in meinem Leben, die immer von außen kamen. Diese haben mich alles gelehrt, was mich ausmacht, auch alles, was meine Identität angeht. Einiges habe ich hier schon geschildert. Anderes kann ich nicht darlegen. Es kann von unserer Sprache nicht wirklich erfasst werden. Es ist überzeitlich. Es hängt auch mit meiner Vergangenheit und Zukunft zusammen.
Jeder, der Gott wahrhaftig liebt und sich Ihm hingibt, erfährt ein Wissen, das ihn erleuchtet (Pfingsten). Deshalb sind …Mehr
Natürlich gilt immer die Lehre der vorkonziliaren Heiligen Katholischen Kirche. Wenn ich das Wir benutze, ist das zuerst meine Perspektive auf meine spezifische Einbettung/Rolle in die unsichtbare Gemeinschaft (z.B. Ein Soldat spricht von seiner Armee). Wichtig ist, dass meine Perspektive nichts mit einem Produkt meiner Psyche zu tun hat. Religion ist niemals Privatsache, in der jeder sein Ding machen kann, weil er sie als seine Projektion überhaupt erst erschafft. Nein, wir erschaffen nicht Gott. Gott erschafft uns. Wenn ich den unsichtbaren Himmel sehe, dann sehe ich eine Realität, die faktische Objektivität hat. Wir haben den Hl. Thomas vergessen:
„Menschliche Erkenntnis ist nicht aus sich selbst wahr, sondern weil und insofern sie mit der Wirklichkeit übereinstimmt. Der erkennende Geist empfängt sein Maß von den Dingen. Die geschaffenen Dinge aber haben ihr Maß vom erkennenden Geiste Gottes empfangen; er ist maßgebend und nicht maßempfangend. Alles, was ist, ist zwischen den göttlichen und den menschlichen Intellekt gestellt. Von Gott ist es – und das heißt Schöpfung – actu, wirklich erkannt, und darin gründet die prinzipielle Erkennbarkeit (STh I 78,1). Dieser Erkennbarkeit korrespondiert die Geistseele, die von ihrem Ursprung her solcher Art ist, daß sie mit allem Seienden übereinstimmen kann. Wegen dieser Fähigkeit sagt Thomas von der Seele, sie sei gewissermaßen alles, quodammodo omnia; sie ist nicht nur das, was sie selbst ist, sondern in gewisser Weise auch das andere: »Non solum est id quod est, sed etiam est quodammodo alia« (In De anima, lib, II lect. 5 nr. 383)”. Heinzmann, Richard, Philosophie des Mittelalters, Stuttgart, Berlin, Köln, 1992, S.217.